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BMW 325tds und Mercedes C 250 im Test

Zwei Turbodiesel im Vergleich

Die Zeit der langsamen Diesel ist endgültig vorbei. Keiner kann dies besser belegen als der neue Mercedes C 250.

02.04.1995 Klaus Westrup

Mit Turbolader bringt es der Vierventiler auf 150 PS - etwas mehr noch als der 325tds von BMW offeriert.

"Es ist ein Diesel", frohlockte erst kürzlich der schwer verunglückte McLaren-Mercedes-Fahrer Mika Häkkinen in einem TV-Werbespot zu einer freundlichen Brünetten, deren Morgan sich gerade in einer Dampfwolke verabschiedet hatte. Die Kamera zeigt den aufgeladenen Selbstzünder von Meisterhand bewegt durch die Kurven schwingen. Man soll es nicht glauben – das ist die Botschaft, die die Werbestrategen verkünden: ein Diesel, der fast so läuft wie ein Sportwagen. Den BMW 325tds findet man anders und doch ähnlich beworben. Auch er eilt wendig von Krümmung zu Krümmung, emsig um die Sportwagen-Faszination bemüht. Eine Stimme belegt die Situation mit der Aussage, zum sportiven Sportwagen- Feeling komme noch, im Gegensatz zu dieser speziellen Form automobilistischer Bewegung, viel mehr Komfort. Dazu das BMW-Extra: die Freude am Fahren. Wie die Beispiele zeigen, sagt Werbung auch Wahrheiten. Die anspruchsvollen Dieselautos sind so flink geworden, dass der Vergleich mit Sportwagen oder sportlichen Limousinen nicht abwegig erscheint. Dass Mercedes in den fünfziger Jahren einmal einen 180 D im Programm hatte, gleichermaßen Symbol für Langlebigkeit wie Lahmheit, kann in Anbetracht der jüngsten Diesel-Kreation kaum geglaubt werden. Bei BMW hat der Selbstzünder keine solche Tradition. Man ist sozusagen erst in der Moderne eingestiegen.

143 Pferdestärken sind die seit 1993 bestehende maximale Dieselausbeute, wobei der 2,5 Liter große Reihensechszylinder im 3er vor allem aus Gewichtsgründen die besten dynamischen Eigenschaften entwickelt. Die Besonderheit dieses Wirbelkammer-Triebwerks, das ganz brav mit zwei Ventilen pro Zylinder auskommt, besteht in der Zylinderzahl sechs. Der Mercedes-Motor hat zwei Besonderheiten: erstens seine Fünfzylindrigkeit, welche die Schwaben bekanntlich bereits mit dem alten 240 D 3.0 Jahrgang 1974 pflegten. Zweitens die Ventilzahl vier pro Zylinder – eine aufwendige Lösung, die nur mit dem von Mercedes favorisierten Vorkammer- Prinzip möglich ist. Ladeluftgekühlt sind, der besseren Ausbeute wegen, beide Maschinen, die sich hier zum Zweikampf Zweiventiler contra Vierventiler und Sechszylinder contra Fünfzylinder versammeln. Die technischen Daten lassen bereits einige wichtige Resultate erkennen.

Der Fünfzylinder von Mercedes hat mehr Drehmoment bei weniger Drehzahl als der BMW (280 Nm bei 1800/min zu 260 Nm bei 2200/min). Überdies ist der BMW-Sechszylinder deutlich länger übersetzt. Bei 100 km/h im fünften Gang dreht er bescheidene 2000 Touren, während der Mercedes auf 2400 kommt. Diese kürzere Übersetzung sorgt zusammen mit dem büffelhaft antretenden Fünfzylinder für mehr Temperament, wenn aus niedrigen Drehzahlen beschleunigt werden soll. Der Sechszylinder von BMW ist, mit einer ausgeprägten Drehmomentschwäche bei1000 Umdrehungen, nicht nur in dieser Disziplin fühlbar schlapper, sondern auch ganz klar von den Messwerten her. Von 80 auf 100 km/h benötigt der gewiss nicht kraftlose BMW im großen Gang fast 14 Sekunden, während es der Mercedes bei 11,5 Sekunden bewenden lässt. Das schafft auch sichtbare Distanz, die sich beim Durchschalten durch die Gänge nur in Nuancen einstellen will. 10,5 Sekunden von null auf 100 km/h der BMW, 10,7 der Mercedes – da wie dort hat man es für Dieselmaßstäbe mit mustergültigem Temperament zu tun, das in beiden Fällen eine wohlklingende akustische Untermalung erfährt.

Von den Phonzahlen her ist der Mercedes bei 100 km/h im fünften Gang deutlich leiser mit 67 zu 70 dB(A), bei 130 sind beide mit 72 gleich. Fast wichtiger noch ist der subjektive Eindruck. Nur ein Sechszylinder klingt bekanntlich so wohl wie ein Sechszylinder, doch der Fünfzylinder steht ihm akustisch kaum nach. Im Schwingungsverhalten bleibt ein kleines Plus für den BMW, doch wichtiger ist die Aussage, dass der gut gemachte Fünfzylinder bei dieseltypischen Drehzahlen nicht spürbar schlechter ist. Das Motorkapitel geht also an den Mercedes-Turbodiesel, obwohl er im Verbrauch mit fast zehn Liter pro 100 Kilometer etwas ungünstiger liegt als der BMW (9,2 Liter). Spardiesel von der Sorte, die mit einer Tankfüllung von Hamburg nach Barcelona kommen, sind sie beide nicht.

Auf der anderen Seite darf man sie nicht als Verschwender taxieren, dazu sind ganz einfach die erzielbaren Fahrleistungen zu hoch. Zur Freude an der dynamischen Art der Fortbewegung und der Funktionslust, die kaum eine andere Schaltung so vermittelt wie die des BMW, gesellen sich in beiden Fällen die Freuden, die gut gemachte Karossen und sichere Fahrwerke bereiten können. Dass der Mercedes in der Karosseriewertung deutlich vor dem BMW rangiert, obwohl dieser bei dem in beiden Fällen gehobenen Ausstattungsniveau noch über elektrische Fensterheber vorne verfügt, liegt in erster Linie an den großzügigeren Raumverhältnissen der Schwaben- Karosse. Vor allem im Fond findet sich im Mercedes das bessere Raumangebot.

Der 3er wirkt dagegen wie ein knapp geschnittener Anzug – ein auch subjektives Empfinden, das ebenso subjektiv keineswegs Bestürzung, sondern sogar Wohlgefühl auslösen kann. In den Fahreigenschaften sind sich die beiden rasanten Diesellimousinen weit ähnlicher. Die Fahrsicherheit liegt sehr hoch, wobei der BMW mit dem noch leichteren Einlenken in Kurven und einer besseren Handlichkeit unter dem Strich etwas besser abschneidet. Groß sind die Differenzen nicht – ebenso wenig wie im Federungskomfort. Immerhin, der Mercedes rollt noch etwas geschmeidiger ab, und er ist, wie die Phonzahlen belegen, etwas leiser. Auch das sichert ihm einen leichten Vorsprung vor dem Sechszylinder aus München, dessen geringerer Treibstoffverbrauch im Kapitel Wirtschaftlichkeit belohnt wird – ebenso wie der günstigere Preis. Knapp 3000 Mark liegen zwischen ihm und dem Mercedes. Dass dieser ausgerechnet im Antrieb mehr bietet, das ist die wahrhaftige Überraschung.

Fazit

1. Mercedes C 250 Turbodiesel
107 Punkte

Gutes Raumangebot, gute Verarbeitungsqualität, sichere Fahreigenschaften, Motor mit hoher Elastizität. Relativ starke Karosseriebewegungen, knapp ausreichende Belüftung, relativ hoher Treibstoffverbrauch.

2. BMW 325 tds
106 Punkte

Ausgezeichnete Handlichkeit, gutes Drehvermögen, sichere Fahreigenschaften, gute Fahrleistungen. Karosserie mit nur ausreichendem Raumangebot, Drehmomentschwäche bei geringen Drehzahlen.

Technische Daten
BMW 325tdsMercedes C 250 Turbodiesel
Grundpreis26.076 €27.341 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4433 x 1698 x 1393 mm4487 x 1720 x 1418 mm
KofferraumvolumenVDA435 L430 L
Hubraum / Motor2498 cm³ / 6-Zylinder2497 cm³ / 5-Zylinder
Leistung105 kW / 143 PS (260 Nm)110 kW / 150 PS (280 Nm)
Höchstgeschwindigkeit214 km/h203 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h10,4 s10,2 s
Verbrauch7,3 L/100 km
Testverbrauch8,6 L/100 km9,9 L/100 km
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