Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

BMW 325i, Jaguar X-Type 2.5 V6, Mercedes C 240

Edelmarken auf ungewohntem Terrain

Foto: Hans-Dieter Seufert

Der Jaguar X-Type 2.5, das Basismodell der neuen Baureihe, konkurriert auf einem für die britische Edelmarke ungewohnten Terrain. Für die Kundschaft mit exklusivem Geschmack soll er eine Alternative zu BMW 325i und Mercedes C 240 darstellen.

02.04.2003

Katzenjammer steht nichtauf dem Programm. Dass der neue X-Type von Jaguar erfolgreich im Revier von BMW und Mercedes streunen wird, davon ist die britische Ford-Tochter felsenfest überzeugt.

In Deutschland, wo die einheimische Front der sogenannten Premium-Marken steht wie ein Fels, will Jaguar noch in diesem Jahr rund 5000 X-Type verkaufen. Gemessen am Volumen, das Dreier-BMW und C-Klasse-Mercedes erreichen, stellt das ein höchst bescheidenes Häppchen vom großen Mittelklasse- Kuchen dar.

Aber für Jaguar würde das Erreichen des gesteckten Ziels eine Verdoppelung der bisher üblichen Verkaufszahlen bedeuten. Wo liegt die Chance des kleinen Jag?

Nicht im Preis, was auch eine fragwürdige Strategie offenbaren würde. Denn die Exklusivität der Marke wäre perdu, würde sie zum billigen Jakob. Der X-Type in der Basisversion kostet ähnlich viel wie seine direkte Konkurrenz, der BMW 325i und der Mercedes C 240.

Es ist jenes schwer definierbare britische Flair, das einen Jaguar erst zum Jaguar macht. Material und Gediegenheit der Verarbeitung spielen eine Rolle, Holz und Leder gelten als förderliche Zutaten.

Das Grundmodell des XType hat da nur Durchschnittliches zu bieten. Schönes Furnier gibt es zwar auf breiter Armaturenbrettfläche, aber bei den Sitzen müssen die Insassen mit wenig attraktivem Stoff vorliebnehmen.

Der Qualitätseindruck ist ordentlich, ohne den Jaguar aus der Masse heraus zu heben. Nicht entgratete, scharfkantige Plastikteile beispielsweise zeigen, dass zum Erreichen des gesteckten Preisziels der Rotstift angesetzt werden musste.

Auch der Mercedes, das lässt sich nicht übersehen, wird dem Qualitätsruf der Marke nur unzureichend gerecht. Die Verkleidung des Sitzunterbaus und die Optik der Kunststoffmaterialien erscheinen nicht angemessen bei einem Produkt, das zur Spitzenklasse gerechnet werden will.

Der BMW hat auf dem Gebiet der per Augenschein erkennbaren Qualität einen klaren Vorsprung. Ansonsten herrscht weitgehend Gleichstand in den Karosseriekriterien. Das Platzangebot im Fond entspricht bei allen dreien den Erwartungen: nicht ausgesprochen grosszügig, aber ausreichend, um sich nicht beengt zu fühlen.

Dass der Jaguar das längste und breiteste Auto ist, macht sich im Innenraum nicht positiv bemerkbar. Im Gegenteil: Das subjektive Raumgefühl ist wegen des starken Dacheinzugs sogar schlechter als bei der Konkurrenz, was Jaguar- Fans aber durchaus als Teil der Tradition verstehen dürfen.

Nichts zu beschönigen gibt es dagegen an der vergleichsweise unbequemen Rücksitzbank mit ihrer zu steil stehenden Lehne. Der Mercedes bietet hier mehr Komfort, fällt aber gegenüber dem BMW, dessen Fondsitze sich durch die beste Formgebung auszeichnen, ebenfalls spürbar ab.

Die umfangreichste Serienausstattung hat der Mercedes. Schon in der Basisversion lässt er seine hinteren Seitenscheiben per Elektromotor auf- und abfahren. In der getesteten Variante Avantgarde verfügt er als einziger über eine Klimaautomatik. Die manuell gesteuerten Klimaanlagen von BMW und Jaguar erfordern einen größeren Bedienungsaufwand, doch stellen Wirkung und Luftverteilung ebenfalls zufrieden.

Das sich aus einer Vielzahl von Kriterien zusammensetzende Bild des Fahrkomforts lässt erwartungsgemäß ein hohes Niveau erkennen, wird aber von recht unterschiedlichen Stärken und Schwächen geprägt.

So verkraftet die Federung des Jaguar hohe Zuladung am besten. Während der BMW und noch mehr der Mercedes mit den durch Belastung verkürzten Federwegen auf groben Bodenwellen an ihre Grenzen stoßen und zu heftigen Vertikalbewegungen neigen, bleibt der Jaguar weitgehend unbeeindruckt.

Die Geschmeidigkeit beim Absorbieren von Bodenwellen, die traditionell als hervorstechendes Merkmal der britischen Limousinen gilt, ist auch beim X-Type zu finden. Vor allem lange Wellen schluckt er mit einer wiegenden Gelassenheit, die der Konkurrenz das Nachsehen gibt. BMW und Mercedes wirken straffer, beweisen aber ebenfalls eine harmonische Abstimmung, wobei sich der BMW seinem deutschen Konkurrenten noch um Nuancen überlegen zeigt.

Dass der Jaguar in der Wertung trotzdem etwas zurückfällt, liegt am weniger feinfühligen Ansprechen der Federung auf kurzen Unebenheiten und Querfugen, mehr aber noch an den lauten Abrollgeräuschen und dem hauptsächlich von der Vorderachse ausgehenden Poltern, das den Komforteindruck nachhaltig schmälert.

Der Reisekomfort auf der Autobahn, der zu einem hohen Teil von der Akustik bestimmt wird, erreicht im Mercedes ganz klar das höchste Niveau. Das Rauschen des Fahrtwinds ist mit Abstand am geringsten, Abrollgeräusche treten nicht störend in Erscheinung. Auch der Motor bleibt so unaufdringlich leise, wie man das von einem guten Sechszylinder erwartet.

Der V6 des Jaguar, der im Gegensatz zur 90-Grad-Maschine des Mercedes den idealen V6-Zylinderwinkel von 60 Grad aufweist und deshalb auf eine den freien Massenmomenten begegnende Ausgleichswelle verzichten kann, beweist wieder einmal, dass die Theorie des Lehrbuchs nicht zwangsläufig mit der Praxis übereinstimmen muss. Nur im unteren und mittleren Drehzahlbereich läuft das von Ford übernommene Triebwerk ähnlich kultiviert wie das des Mercedes, aber beim Ausdrehen wird der Sechszylinder brummig und lässt auch leichte Vibrationen spüren.

Eine Klasse für sich ist der Motor des BMW, bei dem die sechs Zylinder in Reih und Glied stehen, was in einer Zeit der V-Maschinen eine den Bayerischen Motoren Werken wohl anstehende Besonderheit darstellt. Reihensechszylinder brauchen viel Platz und gelten als teuer, stellen aber, was den Massenausgleich angeht, die ideale Bauweise dar.

Der BMW unterstreicht das überzeugend. Leichtfüssiges, vibrationsfreies Hochdrehen, spontanes Ansprechen und ein auch bei hohen Drehzahlen keineswegs leiser, aber ausgesprochen wohl klingender Sound lassen keinen Zweifel aufkommen: Hier arbeitet ein Motor, der nicht nur in den messbaren Kriterien eine gute Figur macht, sondern darüber hinaus echtes Fahrvergnügen bereitet.

Das beispielhaft exakt schaltbare Fünfganggetriebe trägt dazu ebenfalls seinen Teil bei. Aber ganz ohne Kritik geht es nicht ab. Wer im Interesse bestmöglicher Werte beim Beschleunigen in den oberen Gängen eine so kurze Antriebsübersetzung vorsieht wie BMW, sollte als Ausgleich dazu einen sechsten Gang spendieren.

Denn so dreht der Motor schon in der Ebene munter in den roten Warnbereich des Drehzahlmessers. Umso  erstaunlicher ist es, dass der BMW trotz seines hohen Drehzahlniveaus den geringsten Verbrauch erzielt.

Die Anpassung der Übersetzung ist beim Mercedes besser. Er besitzt sechs Gänge mit guter, aber nicht die BMW-Exaktheit erreichender Schaltung. In der sechsten Fahrstufe ist er länger übersetzt als der BMW im fünften Gang, was Drehzahl und Geräusch reduziert.

Dennoch hat der Sechste keinen Schongang-Charakter, der die Durchzugskraft ruiniert, sondern ist ein echter Fahrgang, in dem bei Höchstgeschwindigkeit die Nenndrehzahl (5500/min) um fast 400 Umdrehungen überschritten wird.

Beim Jaguar, der für seine Höchstleistung die höchste Drehzahl braucht, macht das Zusammenspiel von Motor und Getriebe den am wenigsten harmonischen Eindruck. Weil der V6 im unteren Drehzahlbereich nur wenig Durchzugskraft entwickelt, ist die sehr lange Übersetzung des fünften Gangs, die ihn bei Maximaltempo nur knapp 5.200/min erreichen lässt, völlig fehl am Platz.

Der Jaguar beschleunigt im fünften Gang noch spürbar schlechter als der Mercedes im sechsten. Er ist wegen der größeren Gangsprünge auf häufiges Schalten angewiesen, was dank der präzisen Schalthebelführung zwar leicht von der Hand geht, aber auch hohe Drehzahlen bedeutet, wenn der Jaguar mit der Konkurrenz mithalten soll.

Der angestrebte Effekt der langen Übersetzung, die Verbrauchsreduktion, stellt sich deshalb lediglich unter den Normbedingungen des ECEZyklus ein, wo der Jaguar Werte erzielt, die nur knapp über denen des BMW, aber unter denen des Mercedes liegen.

In der Praxis sieht es anders aus. Wenn dem Jaguar-Motor wie bei den Vergleichsfahrten viel Leistung abgefordert wird, steigt der Verbrauch überproportional an und erreicht nicht mehr akzeptable Werte. Dabei spielt auch eine Rolle, dass der X-Type ständig alle vier Räder antreibt.

Von der erstklassigen Traktion abgesehen, die sich vor allem im Winter vorteilhaft bemerkbar machen wird, hat der Jaguar-Fahrer wenig vom permanenten Allradantrieb. Die Fahrsicherheit liegt hoch, ohne die Konkurrenz zu deklassieren. Die verfügt überdies serienmäßig über ESP, für das bei Jaguar ein Extra-Obolus verlangt wird.

Alle drei zeigen bis in den Grenzbereich ein gerüttelt Maß an Gutmütigkeit, so dass sich die Unterschiede hauptsächlich auf die Lenk- und Handling-Eigenschaften konzentrieren. Am präzisesten und sportlichsten fährt sich der BMW, dicht dahinter der Mercedes mit größeren Aufbaubewegungen und nicht ganz so spontanen Reaktionen.

Der Jaguar kann nicht überspielen, dass er das höchste Gewicht aufweist. Er wirkt eine Spur schwerfälliger, und seine Lenkung vermittelt Fahrbahnkontakt vor allem dadurch, dass sie Bodenunebenheiten in höchst unkultivierter Weise bis ins Lenkrad überträgt. Auch die Bremsen bleiben vom sehr hohen Standard, den BMW und Mercedes vorgeben, ein Stück entfernt.

Das alles summiert sich und führt letztlich dazu, dass dem neuen X-Type der dritte Platz nicht erspart bleibt. In der Basisversion mit dem wenig überzeugenden 2,5-Liter-Motor ist die Katze zu kurz gesprungen.

Fazit

1. Jaguar X-Type
463 Punkte

In vielen Kriterien erreicht er den Standard der Konkurrenz. Schlechte Leistungscharakteristik, hoher Verbrauch und weniger reichhaltige Sicherheitsausstattung kosten ihn Punkte

2. Mercedes C 240
502 Punkte

Der Mercedes bietet, sehr leise und kultiviert, den besten Fahrkomfort. Er fährt sich nicht ganz so handlich wie der BMW und vermittelt keinen so überzeugenden Qualitätseindruck

3. BMW 325i
521 Punkte

Ein Fahrerauto par excellence, mit temperamentvollem, kultiviertem und sparsamem Motor sowie vorbildlichem Handling. Bei aller Sportlichkeit kommt der Fahrkomfort nicht zu kurz

Technische Daten
Jaguar X-Type 2.5 V6BMW 325iMercedes C 240
Grundpreis33.200 €30.700 €34.510 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4672 x 1789 x 1430 mm4471 x 1739 x 1415 mm4526 x 1728 x 1426 mm
KofferraumvolumenVDA452 L440 L455 L
Hubraum / Motor2495 cm³ / 6-Zylinder2494 cm³ / 6-Zylinder2597 cm³ / 6-Zylinder
Leistung144 kW / 196 PS (241 Nm)141 kW / 192 PS (245 Nm)125 kW / 170 PS (240 Nm)
Höchstgeschwindigkeit225 km/h240 km/h235 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h8,3 s7,2 s9,2 s
Verbrauch9,6 L/100 km9,1 L/100 km11,1 L/100 km
Testverbrauch13,4 L/100 km10,9 L/100 km1,0 L/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Neu Registrieren

Erstellen Sie ein kostenloses Profil und profitieren Sie von vielen Vorteilen

  • Zugriff auf alle technischen Daten
  • Artikel kommentieren
  • Teilnahme an Gewinnspielen
  • Schneller PDFs kaufen
  • 360° Ansichten von Autos
  • Exklusives PDF-Bonus-Programm
Kostenlos anmelden
Login mit Ihrem Profil
    Anzeige
    BMW 3er Limousine 2011 BMW 3er-Reihe ab 285 € im Monat Leasing & Vario-Finanzierung Jetzt Fahrzeug konfigurieren
    BMW 3er BMW Bei Kauf bis zu 22,17% Rabatt Jetzt Fahrzeug konfigurieren
    Kommentar schreiben

    Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

    Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
    Empfehlungen aus dem Netzwerk
    Autokredit berechnen
    Anzeige
    Gebrauchtwagen Angebote
    Whatsapp
    Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden