BMW 330d Touring, Mercedes C 350 CDi T, Audi A4 Avant 3.0 Quattro, Heckansicht 38 Bilder Zoom

BMW 3er Touring, Audi A4 Avant, C-Klasse T im Test: Ein Kombi findet zu sich selbst zurück

Klar machen sie Spaß. Aber vor allem können die Mittelklasse-Kombis einiges einladen. Der neue BMW 330d Touring tritt im Test gegen Audi A4 Avant 3.0 TDI und Mercedes C350 CDI T an.

Lifestyle bei Kombis ist irgendwie absurd: Lifestyle muss nur schön sein, Kombi aber praktisch. Denn was soll als Rechtfertigung für den Aufpreis zur Limousine herhalten, wenn nicht die neue Dimension der Transportfähigkeit? Diese Frage hat man sich offensichtlich auch bei BMW gestellt. Und so ist jetzt beim BMW 3er Touring Schluss mit der coupéhaften Dachlinie, dem schräg abfallenden Heck und der Schießscharten-Heckscheibe. Er bekennt sich wieder zur grundlegenden Eigenschaft eines großen Kofferraums: Ein Kombi findet zu sich selbst zurück.

Beim maximalen Transport-Volumen überholt der BMW 3er Touring den Audi A4 Avant, der bereits bei seinem letzten Modellwechsel dem scheinbaren Schönheitsideal abgeschworen und sich als Praktiker geoutet hat. Mehr noch: Der 3er zieht mit dem Mercedes C-Klasse T-Modell gleich, das sich seit jeher um den Nutzwert verdient gemacht hat und in der Premium-Mittelklasse zurecht als Vorzeige-Kombi gilt.

BMW 3er Touring mit elektrischer Heckklappe serienmäßig

Den Titel Lademeister verdient man sich allerdings nicht allein durch die Größe des Gepäckraums; die Nutzbarkeit ist genauso wichtig. Gerade hier zeigt der BMW 3er Touring, dass er es mit dem Sinneswandel ernst meint. Als Einziger lässt er seine Kofferraum-Klappe serienmäßig von Elektromotoren bewegen und bietet eine separat zu öffnende Heckscheibe – sozusagen als Durchreiche für Einkäufe auf die Schnelle, was aus Sicht der Funktionalität ein Vorteil gegenüber Audi A4 Avant und Mercedes C-Klasse T-Modell ist.

Damit nicht genug der Fürsorge: LED-Lämpchen im BMW 3er Touring beleuchten das Geschehen bei Nacht, und Edelstahl-Einlagen schützen wie bei Audi und Mercedes die niedrige Ladekante vor Kratzern. Der bisher für viele nur unter Fluchen ausbaubare schwere Rollokasten mit Kofferraum-Abdeckung samt Gepäcknetz ist jetzt zweigeteilt – und deutlich leichter aus den Verankerungen zu entfernen. Ein Stecksystem aus Alu-Schienen hält Kleinteile im Zaum und lässt sich nach Gebrauch in einem Fach unter dem Ladeboden sauber aufräumen – ebenfalls eine Verbesserung zum Vorgänger.

Man merkt einfach, dass dem hinteren Drittel des BMW 3er Touring nun soviel Hingabe gewidmet wird wie den beiden vorderen. Kurioserweise wirkt das Heckabteil sogar hochwertiger als das Armaturenbrett, was den Touring vor stärkerem Abzug im Unterpunkt Qualitätsanmutung bewahrt. Die verwendete Menge an hartem Kunststoff rund um die Instrumente und an der Mittelkonsole verdient jedenfalls kein Premium-Abzeichen.

BMW 330d Touring erinnert an den 5er

Umso mehr beeindruckt die steife und solide Karosserie. Sie lässt den BMW 330d Touring auf schlechten Straßen wie einen Einbaum über (Boden-)Wellen pflügen. Das satte Fahrgefühl erinnert schon stark an einen 5er – wie übrigens der stämmige Auftritt insgesamt: Der 3er Touring ist ein großes Auto geworden, neben dem der Audi A4 Avant fast schon etwas zierlich wirkt. Übrigens bestätigt sich dieser Eindruck beim Raumgefühl.

Natürlich belässt es auto motor und sport nicht bei einer Einschätzung, sondern misst penibel nach. Hier zeigt sich die Dominanz des BMW 3er Touring vor allem im Fond: Nach oben wie zur Seite bietet er den meisten Platz, zudem gestatten seine Sitze den Oberschenkeln die größte Auflage. So lässt es sich angenehm und ermüdungsfrei reisen. Durch den deutlich gewachsenen Radstand hat man fast schon den Eindruck einer höheren Fahrzeugklasse. Wer mit einem 5er liebäugelt, sollte sich überlegen, ob er nicht mit dem günstigeren 3er auskommen könnte – eine Denkübung, die keiner seiner Vorgänger so angeregt hätte.

Der Wandel des BMW 3er Touring ist auch an anderer Stelle kaum zu fassen. Musste sich der abgelöste noch herbe Kritik beim Thema Fahrkomfort gefallen lassen, so führt der Neue das Musterbeispiel einer modernen und gekonnten Abstimmung vor: Gerade in der Stellung Komfort nehmen die adaptiven Stoßdämpfer (optional) Unebenheiten noch überlegener auf als diejenigen des Mercedes – je stärker, desto verbindlicher. Abzüge gibt es lediglich beim Abrollen. Die optionalen 19-Zoll-Aluräder des M-Sportpakets dämpfen mit ihrer niedrigen Reifenflanke kaum, was teilweise zu Poltergeräuschen führt.

Der Audi A4 Avant 3.0 TDI tritt ebenfalls mit einem so genannten Verstellfahrwerk an, doch weder auf Langstrecken noch bei flotter Landstraßenfahrt kommt der A4 an die Qualitäten des BMW 330d Touring heran. Wiederholt bringen ihn kurze Bodenwellen, wie sie auf betonierten Autobahnen vorkommen, aus dem Konzept – er gibt sie nur wenig gefiltert weiter. Auch die lauten Windgeräusche ab 160 km/h tragen nicht dazu bei, weite Entfernungen stressarm zu bewältigen. Immerhin ist der V6-TDI des A4 hier der leiseste Motor.

Audi A4 Avant 3.0 TDI wird angehängt

Zwei Sachverhalte erstaunen beim Thema Fahrdynamik: Der äußerst leichtfüßige BMW 330d Touring hängt den Audi A4 Avant 3.0 TDI auf kurviger Strecke schon nach wenigen Biegungen ab. Als einziger Allradler in der Runde untersteuert der A4 Quattro bereits deutlich, wo der 3er noch den Eindruck vermittelt, als würde er sich gerade aufwärmen und als ließen sich weitaus höhere Kurventempi erreichen. Zum anderen verblüfft der flinke Mercedes C350 CDI T, der so gar nichts mehr von Behäbigkeit früherer Tage an sich hat. Im Gegenteil: Das T-Modell lässt sich vom Touring (beide hinterradgetrieben) nicht abschütteln. Der Unterschied besteht vorwiegend darin, dass der BMW 3er geradezu von alleine dem Straßenverlauf zu folgen scheint, wohingegen sich die C-Klasse etwas bitten lässt – weil sie nicht ganz so spontan auf Lenkbefehle reagiert.

Ähnliches gilt auch bei den Motoren. In diesem Vergleich tritt sozusagen die Crème de la Crème der sechszylindrigen Dieselaggregate gegeneinander an, die selbstzündenden Topmodelle: der Audi A4 Avant 3.0 TDI Clean Diesel Quattro (245 PS), der BMW 330d Touring (258 PS) und der Mercedes C 350 CDI als T-Modell (265 PS). Bei Vollgas spurtet der 3er los, als wäre er zwei Fahrzeugklassen kleiner. Man merkt das hohe Gewicht des opulent ausgestatteten Testwagens nicht, bestaunt eher die Unbeschwertheit seines Vortriebs, zu der die perfekt schaltende Achtgang-Automatik beiträgt: Sie versteht es, rasch in die oberen Gänge zu wechseln und das hohe Drehmoment bei niedriger Drehzahl zu nutzen.

Rauer Lauf des Mercedes C350 CDI T

Der V6 des Mercedes C350 CDI T dreht nicht ganz so ungestüm hoch, hinkt aber in der Realität kaum hinterher. Eher schon fällt sein etwas rauer Lauf auf. Und der Audi A4 Avant 3.0 TDI? Ebenso wie auf der Landstraße hat man als Fahrer auf der freien Autobahn stets die Sorge, nicht zu stark gegen die beiden anderen abzufallen. Im direkten Vergleich kann der Dreiliter einfach nicht das souveräne Gefühl eines Topmodells auslösen.

Beim Diesel-Konsum liegt der BMW 330d Touring als neueste Entwicklung wiederum vorn. Auf der genormten Verbrauchsrunde von auto motor und sport lässt er sich fast einen Liter sparsamer bewegen als seine Konkurrenten; im gemittelten Verbrauch über die zahlreichen Fahrten während des gesamten Tests unterbietet er Audi und Mercedes immerhin noch um etwa einen halben Liter und kommt auf 8,1 L/100 km. Angesichts des enormen Schubvermögens sind die Werte des BMW 3er erstaunlich gut.

Notbrems-Assistent fehlt beim 3er immer noch

Man merkt dem Kombi einfach an, dass er die neueste Entwicklung ist. Außer beim Thema Zuladung erlaubt er sich kaum Patzer, füllt gekonnt Lücken auf, die der Vorgänger hinterließ. So ist der BMW 3er Touring etwa in Sachen Internet-Verbindung ins Auto up-to-date, bietet nun sogar ein Head-up-Display und hat bei den Assistenzsystemen aufgeholt – wenngleich immer noch ein Notbrems-Assistent fehlt.

Nur im Sicherheitskapitel lässt ihn der Audi hinter sich, weil er die umfangreichere Airbag-Technik bietet und etwas nachdrücklicher bremst. Für sich betrachtet ist der A4 Avant immer noch ein guter Kombi, doch schon gegen das in Wirklichkeit rund ein halbes Jahr ältere Mercedes T-Modell wirkt er leicht angegraut.

Alt lässt ihn aber erst der BMW 3er Touring aussehen – als 330d ein Kombi mit Traumwagen-Faktor trotz oder gerade deswegen, weil er endlich mit dem Lifestyle-Wahn bricht. Einer größeren Verbreitung dürfte lediglich der enorm hohe Grundpreis von 46 .150 Euro im Wege stehen. Kleiner Trost: Für 6.790 Euro weniger gibt es eine interessante Alternative: den BMW 320d Touring.

Die sind schnell überladen

Sie wollen im BMW 330d Touring, so wie er hier getestet wird, gemeinsam mit drei kräftigen Freunden samt Gepäck ins verlängerte Wochenende verreisen? Vergessen Sie’s – der 3er wäre überladen. Nicht einmal 400 Kilogramm darf er zuladen, was bei vier Männern, die je zwei Zentner auf die Waage bringen, bereits ausgeschöpft ist. Im Audi A4 Avant dürften Sie zumindest noch 56 Kilogramm an Gepäck einladen, im Mercedes C-Klasse T-Modell sogar 64. Zum Vergleich: Ein BMW 320d Touring der Vorgänger-Generation kam hier immerhin auf 74 Kilogramm. Auch das ist jedoch kein Fabelwert verglichen mit den 720 Kilogramm eines Ford Mondeo Turnier 2.0 TDCi.

Die Zuladung errechnet sich übrigens, indem man vom maximal zulässigen Gesamtgewicht (im Fahrzeugschein) das tatsächliche Gewicht des vollgetankten Autos abzieht. Dieser Wert steht allerdings nicht im Fahrzeugschein, denn er variiert je nach Ausstattung – der Hersteller gibt lediglich das Leergewicht des leichten Homologationsmodells an. Sie müssen mit Ihrem Auto also auf die Waage.

Marcus Peters

Foto

Hans-Dieter Seufert
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