BMW 530d, Jaguar XF 3.0 D, Mercedes E 350 CDI

Drei Turbodiesel-Limousinen im Vergleichstest

Mercedes E 350 CDI, BMW 530d, Jaguar XF 3.0 D

Die neue E-Klasse von Mercedes trifft auf selbstbewusste Konkurrenz. Der BMW 5er gehört dazu, aber auch der Jaguar XF aus Großbritannien. Den Vergleichstest fechten die Status-Limousinen mit starken Turbodieseln aus.

Der Blick auf den Hintern macht alles klar. Da springt die Katze und räumt jeden Zweifel aus: Das ist ein Jaguar. Die Formen der Jaguar XF-Limousine sprechen keine so deutliche Sprache, wie das in der Historie der unlängst in indischen Besitz übergegangenen britischen Traditionsmarke der Fall war. Der Wandel des Designs ist radikal. Nachdem der Retro-Stil des Vorgängers Jaguar S-Type nur verhaltene Begeisterung weckte, hieß der logische Schluss: Jetzt machen wir alles anders.

Der Jaguar XF ist am exclusivsten

Eines ist wie früher: Auch der Jaguar XF stellt einen der wenigen ernsthaften Konkurrenten der die gehobene Gesellschaft dominierenden deutschen Nobel- Marken dar. Nach einem Mercedes oder BMW dreht sich auf der Straße keiner um - zumindest nicht in Deutschland. Ein Jaguar ist da weit exklusiver, aber das garantiert nicht den Erfolg. Die Alternative ist nur dann eine, wenn ähnliche Premium-Qualitäten geboten werden.

BMW, Mercdes und Jaguar mit gutem Platzangebot

Der Jaguar XF besitzt die längste Karosserie mit der geringsten Gesamthöhe, was vorteilhafte Proportionen schafft. Im Platzangebot spielen trotzdem alle drei in der gleichen Liga. Vier Personen sind komfortabel untergebracht, wobei im Mercedes E 350 CDI das Raumgefühl am großzügigsten wirkt. Die Gestaltung der Interieurs lässt in erster Linie eines erkennen: hohe Qualität bei Material und Verarbeitung. Der Jaguar XF prägt den modernsten Stil. Nicht zuletzt sein neuartiger Drehknopf zum Vorwählen der Automatik-Fahrstufen trägt dazu bei. An den gewöhnt man sich schnell - besser als an weitere Eigenheiten.  Das umständliche Navigieren durch das Bildschirmmenü erfordert einen längeren Lernprozess.

Der Mercedes bietet die verständlichste Bedienung

Der BMW 5er ist mit der Einführung des modifizierten i-Drive benutzerfreundlicher geworden. Die neu eingeführten Tasten um den Kontrollknopf helfen, Irrwege im Menü zu vermeiden. Aber man sollte sich daran gewöhnen, sie zu ertasten, um nicht immer wieder auf die Mittelkonsole blicken zu müssen. Den Idealzustand der sofort verständlichen Bedienung erfüllt am besten der Mercedes E 350 CDI. Das gilt für den Umgang mit der Klimaanlage ebenso wie für die elektrische Sitzverstellung und nicht zuletzt für die sehr gute Sprachbedienung (Option). Fürs Auge wird dagegen wenig geboten: alles nüchtern, sachlich - stilistischer Esprit ist nicht die Stärke der Stern-Marke.

Bei der Sicherheit setzt der Mercedes E 350 Maßstäbe

Aber die Sicherheit. Was die Zahl der relevanten Systeme vom Müdigkeitswarner bis zu den zusätzlichen Knie- Airbags angeht, setzt der Mercedes E 350 CDI Maßstäbe. Als echter Fortschritt darf das als Extra angebotene adaptive Licht gelten. Seine Reichweite passt sich automatisch den Umständen an. Die Fahrpraxis bestätigt die Theorie: Der Lichtteppich, den der Mercedes E 350 CDI legt, macht Nachtfahrten zum Vergnügen. Müheloses Reisen ist die große Stärke dieser Limousine. Dafür sorgt auch der ungewöhnlich gute Federungskomfort. Das auf ein Minimum reduzierte Abrollgeräusch und das sanfte Ansprechen der Federung lassen die Konkurrenz alt aussehen.

Da kommt der Jaguar nicht mit. Bei langsamer Fahrt poltern Unebenheiten deutlich durch. Fährt man schneller, wird die Federung geschmeidiger. Wer nicht den direkten Vergleich hat, wird den Jaguar XF als komfortables Automobil empfinden, aber der Mercedes E 350 CDI zeigt, dass es besser geht. Der BMW 5er bewegt sich, durchaus passend zu der eher sportlich orientierten Klientel der Marke, mehr auf der straffen Seite. Auf kleine Unebenheiten reagiert seine Federung holprig, wozu auch die Runflat-Reifen mit ihren steifen Flanken beitragen. Mit langen Bodenwellen wird er besser fertig, allerdings bleibt der Eindruck, dass Fahrdynamik und nicht Komfort im Vordergrund steht

Der BMW 5er hat den besten Straßenkontakt

Bei den Fahrtests, einschließlich der Bremsmessungen, unterstreicht der BMW 530d erfolgreich seine Ambitionen. Aber auch Mercedes E 350 CDI und Jaguar XF, wenngleich bei extremen Fahrmanövern nicht ganz so flink, beweisen höchste Gutmütigkeit der Fahreigenschaften. In allen Fällen trägt dazu eine saubere Abstimmung der Fahrwerkselektronik bei, die heiklen Situationen die Schärfe nimmt, ohne den Fahrer durch übervorsichtiges Reduzieren der Leistung oder heftige Bremseingriffe am Gängelband zu führen.

Der wesentliche Unterschied liegt darin, wie sich die Fahreigenschaften am Lenkrad mitteilen. Die Lenkung des Jaguar XF fällt durch sehr kräftige Servo-Unterstützung auf. Er braucht nur sehr geringe Lenkkräfte, filtert dafür aber den Kontakt zur Straße zu stark aus. Er präsentiert damit einen Kontrapunkt zum BMW 5er: bester Straßenkontakt, aber dafür im unteren Geschwindigkeitsbereich unkomfortabel hohe Lenkkräfte, dazu ein so genanntes Sportlenkrad mit unförmig dickem Kranz. Den besten Kompromiss, den es gerade bei der Lenkung aus einer Vielzahl von Parametern herauszufiltern gilt, bietet die Mercedes E-Klasse.

Der BMW 5er ist am sparsamsten

Im Vergleich zu solchen charakterbildenden Details haben die Motoren, die in der Vergangenheit einen entscheidenden Beitrag lieferten, viel von ihrem Einfluss verloren. Das gilt vor allem für starke Diesel: Sie stellen alle einen beeindruckenden Dampf bereit, laufen sehr kultiviert und verbrauchen - gemessen am Leistungsangebot - wenig Kraftstoff. Es gibt Unterschiede, aber sie werden weder unter Euro- noch unter CO2- Gesichtspunkten kaufentscheidend sein. Der BMW 5er ist am sparsamsten, der Jaguar XF am durstigsten.

Dafür summt der neue V6 aus Britannien am seidigsten vor sich hin. Wenn der Jaguar XF in Bewegung ist, tut man sich schwer, ihn als Diesel zu identifizieren. Mit der Sechsgang- Automatik von ZF ergibt sich eine überzeugende Antriebseinheit.

Mercedes V6 mit famoser Siebengang-Automatik

Der Mercedes-V6, trotz der Modellbezeichnung eine Dreiliter-Maschine wie bei BMW und Jaguar, läuft eine Spur vernehmlicher, zeigt aber die beste Leistungscharakteristik. Was in erster Linie auf das Konto der famosen Siebengang- Automatik geht, die höchst unauffällig die passende Übersetzungsstufe bereithält und damit für spontanes Ansprechen des Motors sorgt. Der BMW-Automatik gelingt das nicht so gut. Beim Herausbeschleunigen aus Kurven lässt sie subjektiv als lang empfundene Sekundenbruchteile vergehen, bis der richtige Gang drin ist.

Das Ansprechen aufs Gas wirkt dadurch verzögert. Das Jaguar-Getriebe, aus den gleichen technischen Wurzeln stammend, vermeidet dies durch stufenweises Herunterschalten beim Anbremsen einer Kurve. Der BMW 5er beweist technische Besonderheit durch seinen Reihenmotor, vermag aber den physikalisch-theoretischen Vorzug dieser selten gewordenen Bauweise nicht auszuspielen: Das Triebwerk läuft nicht kultivierter als die V-Motoren, es fällt vielmehr beim Ausdrehen durch hörbar kernigeren Klang auf.

Dass der BMW 5er in der getesteten Edition Exclusive der teuerste Konkurrent ist, besiegelt sein Schicksal: Gegenüber der neuen Mercedes E-Klasse hat dieser 5er, der 2010 einen Nachfolger erhält, keine Chance mehr. Der Jaguar XF kommt mit neun Punkten Rückstand als Dritter ins Ziel. Was man durchaus positiv sehen kann: Er ist mit bei der Musik der Großen - auch wenn er nicht die erste Geige spielt.

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Götz Leyrer

Autor:

auto motor und sport, Heft 12 / 2009

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