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BMW 640i Gran Coupé, Mercedes CLS 350, Frontansicht 26 Bilder Zoom

BMW 640i Gran Coupé und Mercedes CLS 350 im Test: Der Reiz des Unsinnigen

Sie reizen mit der eleganten Silhouette eines Coupés und bieten zugleich den Vorzug von vier Türen – BMW 640i Gran Coupé und Mercedes CLS 350. Trotz aller Gemeinsamkeiten warten die beiden Beaus mit erfrischenden Unterschieden auf.

Ein Innenraum mit Glanz und noch mehr Gloria – mit blütenweißem und amarobraunem Leder, zusammengehalten durch penibel gesteppte Nähte. Dazwischen glänzen spiegelglattes Eschenholz und gebürstetes Metall. In der Einstiegsleiste aus Edelstahl leuchtet in blauen Lettern der subtile Hinweis auf die Herkunft dieses 6.650 Euro teuren Interieurs: BMW Individual.

Mercedes CLS ist ranker und schlanker

Getreu dem Motto "Alles kann, nichts muss" wirft sich das BMW 6er Gran Coupé mit einer optionalen Ausstattungs-Staffage in Schale, die locker den Grundpreis eines BMW 125i abdeckt. 32.230 Euro obendrauf? Respekt! Dabei pflegt der stämmige Bayer doch von Haus aus schon einen äußerst extrovertierten Auftritt.

Sportlich kräftig, aber dennoch gepflegt und elegant, legt der über fünf Meter lange BMW 6er Gran Coupé die ursprüngliche Definition eines Coupés endgültig ad adcta. Seinen Vornamen – Gran – trägt er unbestritten zurecht, und zwängt sich somit noch in die Nische viertüriger Schöngeister mit kupiertem Limousinen-Nutzwert.

Ebenso der Mercedes CLS 350, der sich dank seinem 306 PS starken 3,5-Liter-V6-Motor technisch auf Augenhöhe mit dem aufgeladenen Reihensechser (320 PS) des BMW befindet. Wenn man die zu bewegende Masse mit ins Kalkül zieht, ist ihm der Mercedes sogar voraus. Nahezu 250 kg wiegt der CLS weniger, was ihm angesichts seiner schlanker und ranker wirkenden Figur anzusehen ist.

Mercedes CLS ist enger geschnitten

Daraus resultiert allerdings ein etwas geringeres Maß an Innenbreite auf den vorderen Logenplätzen, das nicht nur mess-, sondern auch erlebbar ist. Zudem kommen auftoupierte Frisuren hier leichter mit dem Dachhimmel in Berührung, und die breite, flache C-Säule schmälert die Sicht nach hinten. Beim Raumgefühl muss der Mercedes CLS dem BMW 6er Gran Coupé also den Vortritt lassen, während die zweite Reihe in beiden Fällen mit einer optionalen Vierzonen-Klimaanlage angenehm belüftet wird.

Egal ob zwei- oder viertürig – die Logenplätze eines Coupés sind vorne, etwa auf Multikontur- (Mercedes) oder Komfortsitzen (BMW). Beide Ausstattungsoptionen betten die Passagiere langstreckentauglich, sind vielfältig und einfach einstellbar und stemmen sich, guten Seitenhalt bietend, engagiert gegen die Fliehkraft.

So entspannt kann der Informationsfluss ruhig kommen, der im BMW eindeutig gebündelter beim Fahrer eintrifft – schon weil die weiß auf schwarz gezeichneten Rundinstrumente besser ablesbar sind als die hell unterlegte Skalierung im Mercedes – vom oft gelobten i-Drive ganz zu schweigen.

Im Karosseriekapitel schiebt sich der Stern trotzdem vor die Niere, zumal die Rundumsicht im Gran Coupé äußerst dürftig ausfällt. Das Ende der langen Motorhaube ist teilweise nur zu erahnen, der hintere Abschluss durchs schmale Heckfenster ebenso wenig zu erspähen.

BMW 6er Gran Coupé mit mehr Fahrdynamik

Doch nun ist Schluss mit kleinlichen Detail- und Nutzwertvergleichen: Das Große und Weite ist das artgerechte Coupé-Terrain, wo das bayerische Gebräu aus 450 Newtonmeter Drehmoment und exzellent schaltender Achtstufenautomatik Genießer zu überzeugen weiß. Unter sanftem Bariton drückt sich der BMW 640i nach vorn – machtvoll, gelassen und erhaben. Sein elastischer Sechszylinder-Turbo besitzt ein derart breites Leistungsrepertoire, dass man kurzzeitig sogar einen V8 unter der langen Haube vermuten könnte. Nur unbelehrbare Spielertypen klimpern noch mit den Schaltwippen manuell im Getriebe, die allerdings auch jeden Klick postwendend umsetzen. Beim CLS dienen die kleinen Paddel am Lenkrad hingegen lediglich als Stilmittel, um den nächsten Übersetzungswunsch zeitversetzt vorzuwählen.

Also lässt man den Siebenstufenautomat lieber selbstständig walten, was er gleichermaßen weich wie treffsicher tut. Um mit dem Antritt des BMW Schritt zu halten, kommt die 7G-Tronic Plus jedoch fast schon ins Schwitzen. Schließlich verlangt der V6-Sauger nach deutlich mehr Drehzahl, was subjektiv mit einer eher unentspannten, teils rauen Geräuschkulisse einhergeht. Obwohl das objektiv ermittelte Geräuschniveau im Mercedes niedriger ausfällt, bleibt das Antriebskapitel dennoch eine klare BMW-Domäne.

Mercedes CLS hat beim Komfort und den Kosten die Nase vorn

Komfort hingegen ist Mercedes-Land. Selbst mit optionaler 19-Zoll-Bereifung gelingt es der Airmatic (2.023 Euro) des CLS, kurze Stöße erfreulich klein und lange Wellen kurz zu halten. In höheren Geschwindigkeitsbereichen spielt das Gran Coupé auf ähnlich hohem Niveau. Schnelle, kleine Anregungen bringen den BMW aber deutlich mehr ins Stolpern. Dass die 19-Zoll-Räder teilweise unbeholfen über Kanaldeckel oder querende Straßenbahnschienen rumpeln, kann auch die Comfort-Plus-Stellung des 2.670 Euro teuren Adaptivfahrwerks nicht unterbinden.

Stimmiger wirken Federung und Dämpfung in Position Comfort oder Sport, weil sich der BMW 6er per se mehr der Dynamik verpflichtet fühlt – mit einer direkten, nur im Ansatz synthetisch wirkenden Lenkung, die angemessen hohe Haltekräfte und eine gute Rückmeldung bietet. Das stattliche Gewicht bleibt beim Handling spürbar und wird trotz aller technischer Kniffe, etwa der Aktivlenkung (1.950 Euro extra), nicht ganz kaschiert. Aber dass der Bayer angesichts seiner Masse sehr exakt und behände über Land fegt, ist nicht nur erwähnens-, sondern sehr lobenswert.

Spurrillenempfindlichkeit und Wendekreis sind allerdings Kriterien, die ihn bei den Fahreigenschaften Punkte kosten. Die Dynamikprüfungen erledigt er schneller, obwohl sich der Mercedes subjektiv leichtfüßiger anfühlt. Dafür untersteuert dieser im Grenzbereich früher, folgt Lenkbewegungen weniger direkt. Überhaupt arbeitet die CLS-Lenkung zu leichtgängig, was die direkte Verbundenheit zur Straße schmälert.

Was die Fahrsicherheit sowie die Regelsysteme – ob serienmäßig oder meist optional – betrifft, halten sich beide die Waage. Bei den Kosten schlägt das Pendel hingegen deutlich in Richtung Mercedes aus, der selbst ausstattungsbereinigt immer noch rund 10.000 Euro günstiger kommt.

Auch beim Verbrauch liegt er einen knappen Liter pro 100 Kilometer unter dem Gran Coupé, in Verbindung mit dem größeren Tank reicht das pro Füllung für über 100 Kilometer mehr. Und so zieht er mit vielen kleinen Vorzügen letztlich am großen Rivalen von BMW vorbei.

Jochen Übler

Autor

Foto

Hans-Dieter Seufert

Datum

14. August 2012
Dieser Artikel stammt aus Heft auto motor und sport 17/2012.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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