BMW i3, VW e-Golf, Frontansicht 25 Bilder Zoom

BMW i3 und VW e-Golf im Vergleich: Ist der Golf auch das bessere E-Auto?

Der Golf ist seit 40 Jahren das Maß in der Kompaktklasse. Gilt das auch mit Elektroantrieb? Der BMW i3 mit Kohlefaser-Karosserie tritt gegen den konventionelleren VW e-Golf an.

Dass es auf Dauer nicht gut ist, gegen den Golf-Strom zu schwimmen, musste schon manch ein Kompaktklasse-Konkurrent erfahren. Also sind wir gespannt, ob das ebenso auf die Elektro-Variante des Wolfsburger Dauerbrenners zutrifft. Die ist noch ganz frisch auf dem Markt und konkurriert dort mit dem BMW i3: Beide sind praktisch gleich teuer, bei rund 35.000 Euro Grundpreis ist ein Fünfziger mehr oder weniger sicher kein kaufentscheidendes Kriterium.

Doch so ähnlich die Preisgestaltung ist, so unterschiedlich sind die Konzepte der beiden Elektro-Kompakten. Wenig erstaunlich, ein kurzer Blick in die Rückspiegel der Markenhistorie klärt auf: Während VW schon bei den verschiedenen Generationen des elektrischen City-Stromers immer auf die Golf-Basis setzte, zeigte BMW bereits mit der vor über 20 Jahren vorgestellten Studie E1 deutliche i3-Anklänge. Die hatte ebenfalls den E-Antrieb im Heck, das Design geht glatt als frühe Fingerübung für den BMW i3-Entwurf durch.

BMW i3 sorgt für neugierige Blicke

Anders der VW e-Golf: Er ist auf den ersten Blick kaum von seinen konventionell angetriebenen Brüdern zu unterscheiden. Man mag das unaufregend finden, sicher ist jedoch, dass das eher klassische Design durchaus praktische Vorzüge hat. Das Gewicht des VW e-Golf ist etwas höher, genau 290 kg sind es verglichen mit einem Diesel-Golf in ähnlicher Ausstattung. Weitere Kompromisse muss der e-Golf-Fahrer nicht eingehen, mit fünf Sitzplätzen, einem 341 Liter großen Kofferraum sowie einem maximalen Ladevolumen von 1.231 Litern ist der VW erstautotauglich.

Für den viel radikaleren BMW i3 gilt das nur eingeschränkt, doch selbst er schultert vier Erwachsene und jede Menge Gepäck, wenn auch nicht unbedingt gleichzeitig. Immerhin verfügt der i3 über zwei getrennte Kofferräume, und die Rücklehne ist getrennt umklappbar, was leicht für große Familieneinkäufe ausreicht. Ob der Zugang zu den Rücksitzen durch die gegen die Fahrtrichtung öffnenden Fondtüren nun genial oder eher lästig ist, darüber gibt es in der Redaktion unterschiedliche Meinungen. Jedenfalls sehen die Türen cool aus, wie der BMW i3 überhaupt beim Publikum gut anzukommen scheint. Selbst einige Monate nach der Markteinführung sorgt er immer noch für neugierige Blicke.

BMW i3 beschleunigt besser

Viel dezenter stromert der e-Golf durch die City, auffällig nur durch das blaue Dekor und den nicht hörbaren Antrieb. Zudem fällt der Umgewöhnungsprozess im Golf viel leichter: Wer einen Benzin- oder Diesel-VW gewohnt ist, kommt mit dem e-Golf auf Anhieb klar. Beim Druck auf den Startknopf erwacht der spannungsreiche Antrieb, zum Fortkommen reicht es, den Wählhebel des Einstufen-Getriebes auf Vorwärtsfahrt zu ziehen. E-typisch: der spontane Antritt an der Ampel und das leise Sirren der E-Maschine.

Beim Stromwegnehmen mittels Fahrpedal verzögert der Golf im Normalmodus kaum stärker als ein konventionelles Auto beim Lupfen des Gaspedals. Allerdings rekuperiert er im Sparmodus deutlich heftiger. Sogar die Bremslichter leuchten da auf, ohne dass der VW die gleiche Verzögerungswirkung entfaltet wie der i3. Bei dem ist das sogenannte One-Pedal-Fahren schon etwas gewöhungsbedürftig. Mit ein wenig Übung gelingt es allerdings, den Elektro-BMW beinahe ohne Betätigung des Bremspedals lässig durch den Stadtverkehr zu steuern.

Die Bedienung des i3 gestaltet sich ebenfalls speziell. Der Startknopf verbirgt sich neben dem Wählknopf für Vorwärts- und Rückwärtsfahrt rechts des Lenkrads. Das alles unterscheidet sich deutlich von der Bedienung anderer BMW-Modelle – bewusst und gewollt, klar. Alle weiteren Funktionen lassen sich BMW-üblich über den iDrive-Controller abrufen, sodass der i3 so sicher und intuitiv zu bedienen ist wie jeder andere BMW auch. An der Ampel spurtet er etwas nachdrücklicher nach vorn als der Golf. Die Fahrleistungen sind deutlich besser – kein Wunder bei einem Leistungsvorsprung von 40 kW (55 PS). Etwas mehr Drehmoment hat mit 270 Nm freilich die Golf-Elektromaschine, die des i3 kommt auf 250 Nm. Der Stromverbrauch unterscheidet sich übrigens recht wenig, 13,9 kWh verbrauchte der BMW auf der Testrunde, 13,4 der VW, trotz seines höheren Gewichts.

VW e-Golf ist etwas günstiger

Viel entscheidender ist bei E-Autos natürlich die Reichweite. Auch hier zeigt sich ein leichter Vorsprung für den VW: Er kommt mit einer Batterieladung praxisnah 130 bis 190 km weit, beim BMW ist meist etwas früher Schluss (130 bis 160 km). Die schnelleren Ladezeiten wiederum hat der BMW, da seine Akkus etwas weniger Energie speichern können.

Womit wir beim Geld wären: Trotz unterschiedlicher Verbräuche ergeben sich bei den Stromkosten kaum Unterschiede: Der i3-Fahrer müsste nach 100.000 km bei ams-Elektrorunden-Verbrauch 125 Euro mehr für Strom aufwenden. Auf den ist der Golf-Fahrer allerdings angewiesen, bei BMW gibt es auf Wunsch einen Range Extender (4.500 Euro). Trotzdem ist der Golf auch in diesem Vergleich das bessere Auto.

Heinrich Lingner

Foto

Dino Eisele

Datum

2. Juni 2014
Dieser Artikel stammt aus Heft auto motor und sport 10/2014.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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