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BMW M2 gegen Ford Focus RS und Mercedes-AMG A 45

Dreikampf um die Kompakt-Sport-Meisterschaft

BMW M2 Coupé, Ford Focus RS, Mercedes-AMG A 45 4Matic Foto: Hans-Dieter Seufert 43 Bilder

Okay, die Sache mit der Turboaufladung hat auch ihre äußerst spaßige Seite: bis zu – aufgemerkt! – 500 Nm in der Kompaktklasse. Wie wäre es also mit einer fixen Runde im BMW M2 Coupé, Ford Focus RS und Mercedes-AMG A 45? Danach wissen Sie, wer der Schnellste, der Witzigste, der Driftigste ... oder einfach der Beste ist.

12.06.2016 Marcus Peters 4 Kommentare

Natürlich wissen wir alle um die Bescheidenheit unserer Kurvenkünste. Ein bisschen kenblocken möchten wir aber schon, so ab und zu. Nur womit? Hinterradgetriebene Sportwagen sind teuer, zudem im Alltag nur bedingt zweckmäßig, kaum familientauglich. Da klingt der Ford Focus RS mit seinem Driftmodus wie eine Verheißung: Querfahren für 40.000 Euro. Platz für vier. Kofferraum. Yeah! Genug Leistung für den Rallye-Style hat der Neue, sogar unerhört viel: 350 PS und 440 Nm sollten für einen Kompaktwagen jedenfalls zum Spielen mit dem Schlupf reichen. Damit sortiert sich der Ford nicht allzu weit unter den deutlich teureren BMW M2 mit 370 PS (ab 56.700 Euro) sowie Mercedes-AMG A 45 (381 PS ab 51.170 Euro) ein.

M, RS und AMG – daraus könnten die Fantastischen Vier eine Zeile hiphoppen. Buchstaben, die nichts weniger als die Auflösung des Zielkonfliktes zwischen Sportwagen und Familienauto versprechen. Deshalb hetzen wir die Meute doppelt aufeinander: Zunächst müssen die drei einen Vergleichstest durchstehen. Hier geht es zunächst um den Besten (nicht den Schnellsten!). Später toben sie über die Handlingstrecke. Da geht es um den Schnellsten (nicht den Besten!).

Hartnäckiger Turbodruck

Mit einem prinzipbedingten Traktionsnachteil startet der M2, bürdet sein Drehmoment via optionalem Doppelkupplungsgetriebe ausschließlich den Hinterrädern auf, entlastet damit allerdings die Vorderräder von Vortriebsaufgaben. Der AMG verteilt via Doppelkupplungsgetriebe (Serie) mindestens 50 Prozent der Newtonmeter an die Vorder- und maximal 50 Prozent an die Hinterachse, ist also eher frontbetont unterwegs.

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Vergleichstest BMW M2, Ford Focus RS, Mercedes-AMG A 45
auto motor und sport 12/2016
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BMW M2 Coupé, Ford Focus RS, Mercedes-AMG A 45 4MaticFoto: Hans-Dieter Seufert
Auf der Teststrecke liegt der M vorn, auf Bodenwellen der AMG, auf dem Handlingkurs der RS

Der Ford lässt übers Sechsgang-Schaltgetriebe (es gibt nur dieses) portionieren, schiebt bis zu 70 Prozent des Drehmoments ans Heck. Im sogenannten Drift Mode drängen sich davon über zwei Kupplungen bis zu 100 Prozent dem kurvenäußeren Rad auf – in Form eines Drehmoment-Überschusses. Um zu kenblocken, muss man aber wissen, wie der Ford-Allradantrieb tickt. Stellt der geneigte Drifter den RS an, lässt das Heck kommen, gibt Gas und lenkt gegen – so wie man es von Hinterradlern gewohnt ist –, dann schickt die Steuerung die Kraft nach vorne und den Focus zieht es gerade aus der Kurve heraus. Es kenblockt erst, wenn der hoffnungsfrohe Querfahrer nach dem Einlenken das Heck lastwechselnd kommen lässt – weiter, weiter, noch weiter – erst dann aufs Gas geht und wieder nach innen lenkt. Auf diese Weise macht sich der RS fast so breit wie das Grinsen auf dem Fahrergesicht. Übrigens: Finger weg von den optionalen Sportreifen Michelin Pilot Sport Cup 2; sie lassen kaum Schlupf an der Hinterachse zu. Doch ohne Schlupf kein Drift.

BMW M2 – klassisch quer

Driften? Im BMW immer möglich und zwar auf die (aussterbende) klassische Art – was den M2 zur Besonderheit unter den Kompaktsportlern macht. Lastwechseln, Heck eindrehen lassen, anfüttern, gegenlenken, vollstrecken. Vorsicht nur mit den vielen Newtonmetern. Glücklicherweise betritt das M-Coupé das Drift-Parkett relativ bedächtig, vergrößert das Heck sachte den Kurvenradius, gleitreiben die Hinterreifen sanft.

„Glücklicherweise“ deshalb, weil sich die Lenkung nicht gerade aufdringlich mitteilt, seltsam synthetisch wirkt. Winkelgenaues Ausrichten des Hecks gestattet vielmehr der schnell aufbrandende und hartnäckige Turbodruck, mit dem sich der Schlupf dosieren lässt. Das M-Differenzial, eine elektronisch geregelte Lamellensperre an der Hinterachse, arbeitet nicht zu ruppig, dient sich eher dem Fahrspaß des hoffnungsfrohen Amateurs an als der Rundenzeiten-Gier des Profis. Zunächst lenkt der Sport-2er dank spielarmer Kugelgelenke an der Vorderachse präzise ein, schiebt im Scheitelpunkt sanft, aber nachhaltig über die Front, sofern man zu sehr pusht – oder bei ungestümem Gas-einsatz eben über die Hinterräder.

Mercedes-AMG A45 mit Oho-Erlebnis auf der Landstraße

Dagegen rückt der A 45 im Zweifel untersteuernd von der Ideallinie ab, teilt das frühzeitig über die rückmeldungsfrohe Lenkung mit. Die Vorderachse ist Dreh- und Angelpunkt der Fahrdynamik, darf nicht überstrapaziert werden. Also besser etwas langsamer ins Eck, früh ans Gas und herausziehen lassen. Dann holt der Turbo-Vierzylinder tief Luft und pumpt den AMG brachial heraus. Heldenhafte Kurvenposen? Der Ausfallschritt sieht für Umstehende eher nach Fahrfehler als nach Drift aus.

Mercedes-AMG A 45 4Matic, FrontansichtFoto: Hans-Dieter Seufert
Der A45 ist unspektakulär schnell und sehr beherrschbar. Sein Turbo-Kraftpaket sorgt für die nötige Portion Drama.

Das Oho-Erlebnis folgt erst auf der Landstraße. In Komfortstellung schnabulieren die adaptiven Stoßdämpfer Bodenwellen so hungrig, dass sie praktisch keine Störgrößen ins Chassis übertragen können. Drehmoment lässt sich auch dank der optionalen Frontsperre verlustfrei in Vortrieb umformen. Anders, als die Optik vermuten lässt, ist der A 45 unspektakulär schnell. Erst sein Turbo-Kraftpaket macht ihn zum Drama-King. Wie er sich via Launch Control in den Orbit schleudert, unter Volllast grölt, beim Schalten fehlzündelt, das ist nach wie vor großes Emotions-Kino. Dazu passt auch der nett eingerichtete Innenraum samt den Integral-Sportsitzen. Neu dagegen: Endlich reagiert das Getriebe direkt auf Paddelzug, fährt dennoch in der Stadt feinfühlig an.

Schnellfahren fordert Konzentration im M2

Durch die Stadt und über Fernstraßen gibt sich auch der BMW M2 gewogen. Sitze: bequem. Federung: entgegenkommend. Das hat Erstwagencharakter – außer für Familien. Ein enger Fond ist nun mal Kennzeichen eines zweitürigen Coupés. Typisch BMW dagegen: der monumental anschiebende und heftig trompetende Sechszylinder. Er harmoniert nur nicht mit dem Doppelkuppler (3.900 Euro); dieser ruckt beim Anfahren.

Alltag, pah! Wo bleibt der Sport? „M“ steht im Falle des 2er für reichlich Leistung in einer relativ kompakten Form sowie das Hinterrad-Privileg – aber nicht für uneingeschränkten Landstraßen-Genuss. Auf Bodenwellen spricht die straffe Federung nur unwillig an, leitet Stöße in den Aufbau. Die Zielgenauigkeit leidet, Schnellfahren erfordert höchste Konzentration und gute Reflexe. Anders auf der planierten Teststrecke: Hier wedelt der wankarme M2 am schnellsten um die Pylonen.

Ford Focus RS brilliert auf kurvigen Landstraßen

Beim Focus ist es umgekehrt: Das Fahrwerk scheint geradewegs auf die Landstraße abgestimmt, arbeitet dort deutlich hilfsbereiter als auf der Autobahn mit. Noch engagierter ist nur das Allradsystem. Nix mit Lupfen oder Auf-Grip-Warten wie im AMG und im BMW. Den RS feuert man durch die Kurve; je mehr Last, desto enger zieht er den Radius.

Ford Focus RS, FrontansichtFoto: Arturo Rivas
Danke Ford! So einen Kompromisslosen wie den Focus RS traut nur ihr euch auf die Räder zu stellen.

Es gehört Vertrauen in dieses Benehmen, zumal sich das Fahrwerk nach dem Einlenken erst einmal in Position setzen muss. Doch dann bleibt es stabil bis zum Kurvenausgang. Man sollte allerdings das Lenkrad fest im Griff haben, denn es zerrt zuweilen gehörig. Generell ist so viel Leben in der Bude, dass nur aktive Piloten ihre Freude am RS finden werden – konkurrenzlos viel Freude.

Welchen hätten S' denn gern?

Reichen Ihnen diese drei Charakterisierungen, um Ihren Star auszumachen? Oder bestehen Sie auf einen Punkte-Sieger? Nun gut: Das Kostenkapitel angelt sich – wen wundert’s? – der günstige Ford. Um bei den Alltagskriterien vorne mitzuspielen, ist er allerdings zu kompromisslos ausgelegt und landet knapp auf Rang drei. Suchen Sie schlicht einen wilden Kompakten, der ein bisschen kenblocken kann? Dann heißt auch Ihr persönlicher Sieger: RS.

Wer aus allen Lagen sowie in allen Winkeln kenblocken will, muss dagegen das dicke Geldbündel herausholen und 60 Tausender für den – zugegebenermaßen gut ausgestatteten – M2 hinblättern; es gibt keine Alternative zum reinen Hinterradantrieb. Auch übrigens, wenn Sie Motorgourmet sind und auf sechszylindrischen Triebwerksgenuss stehen. Unter den hier bepunkteten Alltags-Gesichtspunkten landet Ihr Held übrigens auf Rang zwei, entscheidet nur das Antriebskapitel für sich.

„Kenblocken“ finden Sie nicht nur eine alberne Wortschöpfung, sondern werten es auch als Missbrauch von armen Autos? Tata, hier ist Ihr Gewinner: der AMG. Damit rollen Sie am komfortabelsten durch den Alltag (Adaptivdämpfer bestellen!), katapultieren sich launchkontrolliert am schnellsten auf Landstraßentempo, genießen dabei die emotionalste Show, können auf die meisten Assistenzsysteme sowie das zugänglichste Fahrverhalten vertrauen, verbrauchen dennoch am wenigsten und ... Also langsam sollten es der Argumente genug sein, oder nicht?

Fazit

1. Mercedes-AMG A 45 4Matic
420 Punkte

Danke, AMG, dass ihr den A 45 verbessert habt. Jetzt passt das Fahrwerk (mit adaptiven Dämpfern), nimmt Bodenwellen auf, statt zu bocken, und macht den A 45 sehr schnell.

2. BMW M2 Coupé
395 Punkte

Danke, BMW, dass es wenigstens im Zweier beim traditionellen Hinterradantrieb bleibt. Und dass es im M2 einen Sechszylinder gibt, der trotz Turboaufladung gut am Gas hängt.

3. Ford Focus RS
391 Punkte

Danke, Ford, für den RS. Er verliert zwar diesen Vergleichstest, gewinnt aber die Herzen aller, die einen wilden Kompaktsportler suchen. Das i-Tüpfelchen ist sein Driftmodus.

Technische Daten
Mercedes AMG A 45 4MaticBMW M2 CoupéFord Focus RS
Grundpreis51.170 €60.900 €40.075 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4359 x 1780 x 1417 mm4468 x 1854 x 1410 mm4390 x 1823 x 1470 mm
KofferraumvolumenVDA341 bis 1157 L390 L260 bis 1045 L
Hubraum / Motor1991 cm³ / 4-Zylinder2979 cm³ / 6-Zylinder2261 cm³ / 4-Zylinder
Leistung280 kW / 381 PS (475 Nm)272 kW / 370 PS (500 Nm)257 kW / 350 PS (440 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h250 km/h268 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,2 s4,5 s4,7 s
Verbrauch6,9 L/100 km7,9 L/100 km7,7 L/100 km
Testverbrauch10,2 L/100 km10,6 L/100 km
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    Den Kampf um die Kompakt-Sport-Meisterschaft (lt. Überschrift) gewinnt das langsamste der drei Fahrzeuge. Auf dem wohl eher kurzen Handlingkurs sind Ford und BMW je Runde knapp ZWEI Seknden schneller als der Mercedes. Oder anders gesagt, gleichwertige Fahrer vorausgesetzt wird der MB nach gerade einmal 25 Runden überrundet, falls die Vorderreifen überhaupt so lange wie bei den anderen mitmachen.

    Dafür kann man mehr Assistenzsysteme kaufen, wobei immerhin die wichtigsten Systeme, nämlich drei Rückspiegel, serienmäßig und ohne Aufpreis dabei sind.

    Umwasgehteshiereigentlich 20. Juni 2016, 10:12 Uhr
    Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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