Armer Alpina. Mit sechs Zylindern, drei Liter Hubraum und 360 PS den beiden PS-Monstern von Mercedes AMG und der BMW M GmbH klar unterlegen, muss er trotzdem gegen die Platzhirsche in den Vergleichstest- Ring. Kanonenfutter für die Spitzen-Athleten der Werks-Sportabteilungen? Nein, der leistungsgestärkte Dreier hinterließ schon im Einzeltest eine eindrucksvolle Duftmarke und schnappte sich locker fünf Sterne. Es ist ungemütlich und nass auf dem kleinen Kurs in Hockenheim, als die drei zum ersten Mal aufeinandertreffen. Der C 63 kämpft in der Gischt verzweifelt darum, seine 457 PS ohne Sperrdifferenzial auf den Asphalt zu bringen, und muss mitansehen, wie ihm der 37 PS schwächere, aber fast vier Zentner leichtere M3 mit 1,5 Sekunden Abstand die TÜV-Plakette am Heck zeigt. Cool spielt der High-Tech- Sportler aus München die Traktions-Überlegenheit seines serienmäßigen Sperrdifferenzials aus. Nur eine knappe Sekunde hinter ihm knurrt aber schon die Überraschung der ersten Runde: der blaue Biturbo aus Buchloe. Szenenwechsel: trockene Straße. Mercedes hat auch in die C-Klasse den neuen V8-Hubraumkoloss mit 6,2 Litern implantiert. Das verschafft ihr nicht nur die höchste Leistung, sondern auch das prallste, wenn auch bei 5000/min recht spät anstehende maximale Kraftreservoir. Der Mittelklasse- Macho brüllt, tobt und faucht beim Zwischengas. Understatement liegt akustisch und optisch so nahe wie die Nordschleife an Affalterbach. Erst bei 7200/min schießt seine blitzschnelle Siebengang-Automatik im S-Modus den nächsten Gang rein. Hörbar gierig schlürft er die Luftmassen durch seine Magnesium-Ansaugrohre. Und holt sich mit 4,7 Sekunden doch nur den zweiten Platz im Sprint. Ein Zehntel liegt der M3 vorne und der B3 noch ein weiteres Zehntel zurück. Fotofinish-Werte mit rein akademischem Charakter. In der Praxis prescht keiner der drei geradeaus davon. Wie alle Alpinas steht auch der B3 gut im Futter. Seine offizielle PS-Zahl darf als Minimalwert gelten. Geänderte Kolben und Einspritzung sowie vor allem eine Ladedrucksteigerung auf 1,1 bar geben dem Dreiliter-Reihensechszylinder (Basis: BMW 335i) seine Kraft. Eher klassisches Tuning, also wirklicher Motorenbau. Der Biturbo holt spürbar Atem und schiebt sich dann gleichmäßig aus dem Drehzahlkeller heraus nach vorne. Unter 3000/min, wo der M3 noch döst und der AMG ein leichtes Phlegma pflegt, tritt der Alpina schon mit turbodieselähnlicher Gewalt an.
BMW M3, Alpina B3 & C 63 AMG: Drei-Beuter
Welcher Motor darf es denn sein? Hubraum-Koloss und Hochdrehzahl-Tier der V8-Klasse oder Dreiliter-Reihensechser mit Biturbo-Dampf? Alpina B3, BMW M3 und Mercedes C 63 AMG im Kampf der Prinzipien.
Autor: Alexander Bloch





