Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

BMW M4 von Versus und Lightweight im Vergleich

Rundstrecken-Battle mit 2x über 500 PS

Versus BMW M4 Coupé, Lightweight BMW M4 Coupé, Frontansicht Foto: Achim Hartmann 41 Bilder

Zweimal über 500 PS, Semislicks und rennstreckenoptimierte Gewindefahrwerke: Versus und Lightweight treten mit den ersten getunten BMW M4 Coupés an.

10.01.2015 Christian Gebhardt Powered by

"Am Turbo kommt man heute nicht mehr vorbei", erklärte BMW-M-Chef Friedrich Nitschke im sport auto-Interview. Wir könnten jetzt ewig den geliebten Saugmotorhelden hinterherjammern, doch wer auf Dauer nicht nur M-Gebrauchtwagen fahren will, muss sich mit der Turbotechnik anfreunden. Vielleicht geht das Anfreunden durch die Tatsache schneller, dass die meisten Turbos ein größeres PS-Potenzial als Sauger bergen – Zeit, die ersten beiden leistungsgesteigerten BMW M4 zu testen.

Kompletten Artikel kaufen
Vergleichstest BMW M4 von Versus und Lightweight
Sport Auto 12/2014
Sie erhalten den kompletten Artikel (inkl. PDF, 6 Seiten)
Versus BMW M4 Coupé, Lightweight BMW M4 Coupé, Frontansicht
BMW M4 von Versus und Lightweight 58 Sek.

BMW M4 von Lightweight mit 1.629 kg der Schwerere

Hockenheim heißt die BMW M4-Modelle von Versus Performance aus Gelsenkirchen und Lightweight willkommen. Ist der Name des zuletzt genannten BMW-Spezialisten aus dem hessischen Mittenaar auch beim M4 etwa Programm? Lightweight, das klingt nach automobiler Abspeckkur. Von wegen: Satte 1.629 Kilo wiegt das modifizierte Coupé mit DKG. Doch das Problem liegt nicht auf Tunerseite, sondern an dem alles andere als leichten Basismodell. Trotz der von der M GmbH angepriesenen Leichtbaumaßnahmen brachte der erste BMW M4-Testwagen mit DKG 1.615 Kilo auf die Waage.

Auch der getunte BMW M4 von Lightweight geht mit umfangreicher Ausstattung und elektrischen Seriensportsitzen an den Start. Für den Alltag eine perfekte Mischung. Damit er auch auf der Rennstrecke richtig rockt, soll ein Zusatzsteuergerät (2.399 Euro) in Kombination mit einer Titan-Abgasanlage samt Downpipes und klappengesteuertem Endschalldämpfer (5.499 Euro) die Leistung von 431 auf 520 PS steigern. Außerdem trägt der getunte Lightweight-M4 ein einstellbares Bilstein-Clubsport-Fahrwerk (4.299 Euro), BBS-RI-D-Räder im 19-Zoll- Format, die Vierkolben-Serienbremse mit Endless-Belägen, einen stufenlos verstellbaren Carbon-Heckflügel (2.399 Euro) sowie einen schwarzen Frontspoiler (499 Euro).

Bevor die Boxenampel im Vergleichstest für den getunten Lighweight M4 auf Grün springt, stellen wir noch seinen Gegner aus dem Ruhrpott näher vor: Mit 1.617 Kilo wiegt das Coupé von Versus Performance mit vollem Tank zwölf Kilo weniger. Optisch hätten wir uns auch hier weniger Gewicht versprochen, immerhin rüstet der Gelsenkirchener Tuner auf leichtere Recaro-Pole-Position-Schalensitze (Satz 3.499 Euro) um und verzichtet außerdem auf die Rücksitzbank. Der in Wagenfarbe lackierte Clubsportüberrollbügel (2.299 Euro) ist unter anderem ein Grund dafür, dass der BMW M4 von Versus Performance nicht noch leichter als die Lightweight-Version ist.

"Schwächelnder" Versus-M4

Genug über das Gewicht geklagt, widmen wir uns lieber den weiteren Versus-Modifikationen im Detail. Anders als beim getunten Lightweight-M4 wird hier auf ein einstellbares KW-Clubsport- 3-Way-Gewindefahrwerk mit von Versus angepassten Federraten gesetzt. Außerdem trägt der getunte BMW M4 19-Zoll-Räder vom Typ BBS Motorsport.

Bremsenseitig bleibt Versus ebenfalls der Serienanlage treu, welche lediglich durch Stahlflexleitungen sowie Endless-Bremsflüssigkeit modifiziert wird. Dem BMW-intern S55B30 getauften Dreiliter-Biturbo entlockt Versus ähnlich wie Lightweight ein PS-Plus über ein Zusatzsteuergerät. Der Leistungskit namens VP Evo I (2.399 Euro) soll die Motorleistung gemeinsam mit einer Akrapovic-Titan-Abgasanlage (5.999 Euro) auf 510 PS steigern.

Wie im Supertest checken wir bei ausgewählten Tuningtests die Motorleistung auf dem von uns genutzten Maha-LPS-3000-Rollenprüfstand. Gemessen wird nach der Norm EWG 80/1269. Die Ansauglufttemperaturen nach den Turboladern liegen bei den beiden Tuningmodellen auf fast identischem Niveau, was für vergleichbare Bedingungen spricht (Lightweight: 55 Grad, Versus: 52 Grad). Die Drehmomentkurven verlaufen zunächst nahezu gleich, bevor der Versus-M4 ab 5.500/min ganz leicht "schwächelt", was sich letztendlich auf die Maximalleistung auswirkt.

Getunter BMW M4 von Lightweight mit tatsächlichen 548 PS

Beide Fahrzeuge knacken locker die 500-PS-Marke. Mit 548,0 PS leistet der getunte Lightweight-M4 28 PS mehr als versprochen. Das M4 Coupé von Versus Performance liegt mit gemessenen 540,3 PS sogar fast 30 PS über der Angabe in den technischen Daten. Ähnlich wie der M4-Pressetestwagen (Prüfstandsmessung 465 PS) standen auch die getunten Derivate extrem gut im Futter. Wir hoffen mal, dass die Kunden von Versus und Lightweight ebenfalls ein so deutliches Leistungsplus zu den genannten Konditionen bekommen.

Genug der Technik-Fachsimpelei, der Kleine Kurs von Hockenheim ruft zum Vergleichstest. Der Versus-M4 rennt als Erster auf die Piste und macht mit dem blechernen Klang seiner Akrapovic-Abgasanlage akustisch so manchem VLN-Rennwagen Konkurrenz. Schnell die Semis vom Typ Pirelli P Zero Trofeo R zwei Runden auf Temperatur bringen, dann wird angegriffen. Mit 295er-Bereifung an Vorder- und Hinterachse lenkt der augemotzte BMW M4 von Versus zunächst brillant ein.

Doch eine grandiose Vorderachsabstimmung ist nichts ohne ein ebenso gelungenes Set-up an der Hinterachse. Schon beim kleinsten Lasteinsatz reißt die Traktion des Versus-M4 beim Herausbeschleunigen aus Kurven schlagartig ab. Im Rennsport-Jargon wird das plötzliche Übersteuern als "Snap-Oversteer" bezeichnet – der Versus-M4 beherrscht dieses gewöhnungsbedürftige Fahrverhalten sowohl in langsamen als auch in schnellen Kurven.

Nach schweißtreibenden Gegenlenkmanövern bleibt die Rundenzeit bei 1.11,7 Minuten stehen. Auch wenn der Ruhrpott-M4 damit den bereits getesteten Serien-M4 um 1,1 Sekunden unterbietet, sieht ein ausgeglichenes Fahrverhalten anders aus.

Lightweight-M4 mit stabilerem Heck

Der getunte Lightweight-M4 überzeugt dank harmonischerem Fahrverhalten im Grenzbereich sofort. Er lenkt nicht nur gut ein, sondern punktet auch mit einem stabileren Heck unter Last. Lightweight rückt mit Mischbereifung (265er vorne, 285er hinten) vom Typ Michelin Pilot Sport Cup 2 an. Doch der neu entwickelte Sportreifen von Michelin harmoniert nicht mit dem M4-ABS und zeigt auf dem Lightweight-M4 ein nur durchschnittliches Gripniveau. Vor allem beim Anbremsen im ABS-Regelbereich schiebt er über die Vorderachse.

Im direkten Vergleich glänzen die Pirelli P Zero Trofeo R beim Anbremsen mit deutlich besserer Haftung. Während mit dem Trofeo-R-bereiften Versus-M4 locker in die Kurve hineingebremst werden kann, wehrt sich der Cup-2-bereifte Lightweight-M4 leicht rutschend gegen den Bremspunkt "auf letzter Rille". Wertvolle Zehntel gehen so verloren. Trotz des stimmigeren Gesamtauftritts ist das Lightweight-Coupé mit 1.11,5 Minuten kaum schneller als der Versus-M4.

Michelin Cup 2 oder Pirelli P Zero Trofeo R? Auch bei der standardisierten Bremsmessung aus 100 km/h punktet der Versus-M4 mit besserem Gripniveau. Wie schon auf der Rennstrecke fällt der getunte Lightweight-M4 auch hier mit unharmonischerer ABS-Regelung auf. Mit 35,8 Metern steht er aus 100 km/h 1,4 Meter später als sein Konkurrent.

Getunter Lightweight-M4 mit 700 Nm Drehmomentspitze

Sowohl Lightweight-Chef Marc Müller als auch Versus-Boss Tobias Badziong hatten sich vor allem von der Performance in Hockenheim mehr versprochen. Bekanntermaßen geben wir Tuning-Fahrzeugen, falls diese beim ersten Auftritt nicht richtig funktionieren, eine zweite Chance und helfen mit Tipps zur Weiterentwicklung.

Abseits von der Fahrwerks- und Reifenwahl würde bei uns ein getunter M4 nicht mit DKG an den Start rollen. Sowohl beim Versus- als auch beim Lightweight-M4 überhitzte bei der Beschleunigungsmessung nach dem ersten Launch-Control-Start das Getriebe, und sämtliche Warnlampen erhellten das Kombi-Instrument. Kein Wunder bei einer gemessenen Drehmomentspitze von jeweils über 700 Nm. Die Beschleunigung konnte nach längerer Abkühlphase nur ohne Launch-Control ermittelt werden.

Während der schnellen Runden zeigten beide Tuning-Autos in der schnellsten der drei DKG-Schaltstufen teilweise Fehlermeldungen und reduzierten daraufhin kurzfristig die Leistung. Dann doch lieber das manuelle Sechsgang-Handschaltgetriebe nehmen, eine robuste Sintermetall-Kupplung verbauen und ganz nebenbei auch noch rund 40 Kilo Gewicht im Vergleich zur DKG-Version sparen.

Zweite Chance für die getunten M4

Beide M4-Tuner überarbeiteten ihre Boliden und rückten zum zweiten Hockenheim-Date an. Versus wechselte von 295er-Bereifung rundum auf Mischbereifung (265 vorne, 295 hinten) und von leichter Nachspur an der Hinterachse auf Vorspur. Das schlagartig einsetzende Übersteuern unter Last konnte dem Versus-M4 so zwar ausgetrieben werden, jedoch tendiert er nach den Fahrwerksmodifikationen nun leicht zum Untersteuern. Auch wenn das Set-up noch immer nicht ganz perfekt ist, umrundet der gelbe M4 den kleinen Kurs nun in 1.10,9 Minuten. "Da geht noch mehr. Ich bringe euch den Wagen irgendwann nochmals – dann mit perfektem Set-up", erklärt Versus-Mann Badziong anschließend ehrgeizig. So muss das sein.

Und wie läuft es bei Lightweight im zweiten Versuch? Auch der hessische M4-Tuner verfeinerte nochmals seine erste Fahrwerksabstimmung und setzt außerdem nun auf 285er-Bereifung rundum – und zwar auf die "guten alten" Michelin Cup statt auf die neuen Cup 2. Spät bremsen, perfekt einlenken und kein zuckendes Heck beim Lasteinsatz – der getunte Lightweight-M4 überzeugt nun außerdem mit wesentlich besserem Bremsverhalten, dank des höheren Trockengripniveaus der Cup-Pneus im Vergleich zur Cup-2-Bereifung. Beim Nassgripverhalten sieht der Unterschied zwischen Cup und Cup 2 sicherlich wieder ganz anders aus – doch das zählt heute nicht.

Unglaublich, wie der Lightweight-M4 im zweiten Anlauf dem Namen seines Tuners alle Ehre macht und sein recht hohes Gewicht verheimlicht. Mit ganz leichtem und spielerisch beherrschbarem Leistungsübersteuern groovt er leichtfüßig zur Bestzeit in Hockenheim. Mit 1.10,1 Minuten unterbietet er nicht nur den Serien-M4 um fast drei Sekunden, sondern kürt sich auch zum schnellsten von sport auto bis dato auf dem Kleinen Kurs gemessenen BMW!

Technische Daten
Lightweight M4 CoupéVersus Performance M4 Coupé
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4671 x 1870 x 1383 mm4671 x 1870 x 1383 mm
KofferraumvolumenVDA445 L445 L
Hubraum / Motor2979 cm³ / 6-Zylinder2979 cm³ / 6-Zylinder
Höchstgeschwindigkeit300 km/h250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,1 s4,1 s
Verbrauch8,3 L/100 km8,3 L/100 km
Testverbrauch14,5 L/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Neu Registrieren

Erstellen Sie ein kostenloses Profil und profitieren Sie von vielen Vorteilen

  • Zugriff auf alle technischen Daten
  • Artikel kommentieren
  • Teilnahme an Gewinnspielen
  • Schneller PDFs kaufen
  • 360° Ansichten von Autos
  • Exklusives PDF-Bonus-Programm
Kostenlos anmelden
Login mit Ihrem Profil
    Kommentar schreiben

    Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

    Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
    Empfehlungen aus dem Netzwerk
    Autokredit berechnen
    Anzeige