BMW X1, VW Tiguan, Land Rover Freelander

Drei Kompakt-SUV im Vergleichstest

BMW X1 xDrive 20d, Land Rover Freelander TD4 E, VW Tiguan 2.0 TDI CR 4Motion Sport  Style

BMW X1, Land Rover Freelander oder VW Tiguan - Welcher SUV bietet das beste Allround-Paket? Vergleichstest der Dieselversionen mit 152 bis 177 PS.

So, wie sie nebeneinander stehen, möchte man es kaum glauben. Doch der höher gelegte Kombi BMW X1 und der Offroad-Quader Land Rover Freelander stammen tatsächlich aus der gleichen SUV-Kaste. Der Höhenunterschied ist so groß, dass der VW Tiguan als geländegängiger Golf vermittelnd dazwischen passt - und sich eine Orgelpfeifen-Abstufung wie bei Familienfotos ergibt.

Kompakt-SUV VW Tiguan spricht keine 4x4-Fans an

Plakativer könnte sich die Aufspreizung innerhalb der SUV-Klasse kaum darstellen. Keine andere Fahrzeug-Gattung hat sich so sehr in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Wie fern scheint die Zeit, als ein allradgetriebener Kombi die einzige Alternative zum klassischen Geländewagen war. Und selbst Letzterer hat sich enorm gemacht, wie etwa der geräumige Land Rover Freelander. Schließlich kommt er von einer Marke, die sich seit automobilen Urzeiten ausschließlich mit dem Bau offroadtauglicher Fahrzeuge beschäftigt - und deren kleinstes Modell dennoch erstaunliches Talent für asphaltierte Straßen beweist.

Onroad-Können steht in unserem Test beim VW Tiguan erst gar nicht zur Debatte. Als Abkömmling des Golf entstammt er der entfremdeten Kompaktklasse und spricht weniger Geländewagen-Begeisterte als vielmehr Familienväter an. Ihnen bietet er vor allem viel Laderaum, eine hohe Sitzposition - und für alle Fälle auch vier angetriebene Räder.

BMW X1 gibt es mit Allrad oder mit Heckantrieb

Allrad-Kompetenz vermutet man beim BMW X1 (der BMW X1 im Fahrbericht) erst gar nicht, so sehr entfernt er sich optisch vom gelernten Offroader-Bild in Richtung Trutzburg-Kombi nach BMW-Art, was bedeutet: Oberste Prämisse ist das gefällig abfallende Heck. Ihm haben sich im Test Laderaum und Übersichtlichkeit unterzuordnen. Folgerichtig bieten die Bayern den SUV nicht nur vier-, sondern auch zweiradgetrieben an. Denn in einer Kiesgrube wird der BMW X1 höchstens bei einem Navigations-Blackout landen. Talent als Geländewagen steckt also nur noch rudimentär in seinen Genen, die Evolution treibt es heutigen SUV mangels Notwendigkeit aus. Statt Kupplungen, Sperren oder Zusatzgetrieben müssen Bremseneingriffe zur Kraftverteilung an der Hinterachse reichen; immerhin würde eine so genannte Hill-Descent-Control beim steilen Abstieg helfen - sofern denn jemand vorher zum Aufstieg gezwungen hätte. So aber wird der zuständige Knopf in der Mittelkonsole wohl nie gedrückt werden.

Düne, Hang oder Schnee - für den Land Rover Freelander kein Problem

Die Zeiten der Möchtegern-Unterstellung sind beim Freelander dagegen vorbei. Bereits mehrfach hat er bewiesen, dass er seinen Fahrer durch dick und dünn begleitet, dabei weder vor Sanddünen noch vor Schotterhängen oder Schneefeldern Halt macht - falls sich der Kunde für Terrain Response entscheidet, die Vernetzung aus Motorsteuergerät, Gaspedal, Traktionskontrolle, ABS sowie Berganfahr- und Abfahrhilfe. Am Test allerdings nimmt der Land Rover als Diesel TD4 in der Basisausstattung (ab 29.900 Euro) teil; die geballte Gelände-Kompetenz gibt es erst ab der nächsten Variante namens S.

Doch auch ohne Terrain Response kraxelt der Land Rover Freelander seinen Konkurrenten BMW X1 und VW Tiguan im Test auf und davon. Bemerkenswert ist erst, dass er ihnen auf der Landstraße so gut folgen kann. Denn bereits der Aufstieg ins Führerhaus und die Sitzposition in luftiger Höhe lassen Schwerpunkt-Schaukeln erwarten. Weil der Brite seine Passagiere im Test mit dem besten Federungskomfort verwöhnt und dafür entsprechend weich abgestimmt ist, wankt der Geländewagen tatsächlich aufgeregt, sobald er seinen beiden Konkurrenten in Wechselkurven auf dem Fuß folgen muss.

Immerhin schafft es der Land Rover Freelander im Test - solange sein Fahrer fleißig den exakt und leicht zu führenden, aber etwas zu weit nach hinten versetzten Schalthebel bedient. Schweißtreibende Kurbelei verlangt er allerdings nicht. Die Lenkung ist leichtgängig, aber gefühlsarm.

BMW X1 fährt der Konkurrenz im Test um die Ohren

Mehr noch erwartet man einen hervorragenden Federungskomfort vom kombiähnlichen BMW X1 in unserem Test. Wäre da nicht die Gelobt-seiwas-hart-macht-Philosophie. Positiv beschrieben gibt das Fahrwerk intensive Rückmeldung, negativ ausgedrückt belästigt der Geländewagen den Rücken mit überflüssigen Details. Diese landen in welligen, engen Kurven sogar in der stramm abgestimmten Lenkung. Erwartungsgemäß fährt der bayrische SUV den Artgenossen um die Ohren, ohne dabei seinem Fahrer sportlichen Einsatz abzuverlangen.

Im Gegenteil: Der BMW X1 unterstützt ihn mit perfekt ausgeformten und tief montierten Sportsitzen (580 Euro). Agilitäts-Gourmets können per Lastwechsel-Reaktionen die Hecklastigkeit genießen - dank Performance Control (150 Euro) genannten Bremseingriffen beim Einlenken scheint er im Test wie auf Pfiff den engstmöglichen Radius zu wählen.

VW Tiguan punktet mit Ausgewogenheit

Der VW Tiguan hat es nicht nötig, sich im Test über Sportlichkeit zu profilieren. Er besitzt einen ausgeglichenen Charakter und setzt auf Ausgewogenheit. Dank seinem adaptiven Fahrwerk (1.045 Euro) mit den vorwählbaren Kennungen Comfort, Normal und Sport federt der Wolfsburger kaum schlechter als der Land Rover Freelander, lenkt aber im Test deutlich präziser ein, bleibt stets unaufgeregt und sachlich, lässt sich von nichts und niemandem aus dem Tritt bringen. Emotionen fördert das nicht, aber die Erkenntnis, dass der Golf-Abkömmling im Alltag seinen Mann steht. Die hintere Sitzbank lässt sich in der Länge verschieben und die Lehne des Beifahrersitzes für den Transport von XXL-Ladegut umlegen. Lediglich die hohe Ladekante stört im Test. Anders als bei den früher rauen Pumpe-Düse-Modellen gibt der Dieselantrieb bei VW heute kaum noch Grund zur Klage. Dennoch erreicht der Common-Rail-Zweiliter des Tiguan im Test weder die Geschmeidigkeit, den Schub noch den Drehwillen des im BMX X1 verbauten Vierzylinders und muss sich bei der Schaltpräzision hinter dem Land Rover Freelander einreihen. So entscheidet der BMW X1 im Test das Kapitel Antrieb klar für sich.

BMW X1 mit dem geringsten Durst

Sein laufruhiger und längs eingebauter Reihenvierer zieht bereits früh an, schiebt dann kraftvoll durch die Mitte und jubiliert fast schon dem roten Bereich entgegen. Dass er im Test auch noch der Sparsamste unter den Motoren ist, erfreut bei diesem Einsatzwillen umso mehr und entlastet vor allem den Geldbeutel von Vielfahrern. Im Test-Kostenkapitel brilliert er dennoch nicht, was an seinem exorbitant hohen Preis liegt. Die Bayern verlangen für den 20d mindestens 32.400 Euro. Immerhin erhält der Geländewagen-Kunde dafür die umfangreichste Sicherheitsausstattung und die effektivste Bremse im Vergleich. Doch selbst hier setzt sich der BMW X1 im Test nicht deutlich genug vom VW Tiguan ab und holt nur wenige von den Punkten zurück, die er bei der Karosserie-Wertung verloren hat. Zu stark gehen seine Schwächen wie geringe Zuladung, kleiner Kofferraum und schlechte Rundumsicht in die Bepunktung ein. Doch die größte Enttäuschung für BMW-Fans ist die Qualitätsanmutung.

Im Gelände gewinnt der Land Rover Freelander den Test

Der BMW X1 versprüht in seinem Innenraum nicht den Hauch von Premium-Charme. Im Gegenteil: Hartkunststoff breitet sich bis in den Instrumententräger des SUV aus. Das typisch rustikale Ambiente des Land Rover dürfte Geländewagen-Anhänger dagegen nicht abschrecken, zumal die Materialien sauber verarbeitet sind - und er für 29.900 Euro im Vergleich zu VW Tiguan (32.675 Euro) und vor allem BMW X1 geradezu günstig erscheint. Als einziger echter Offroader im Test schlägt sich der Freelander achtbar und ist für alle, die wirklich über den Feld- und Wirtschaftsweg hinaus wollen, die beste Wahl.

In diesem Vergleichstest kann er aber mit den beiden deutschen Mode-SUV nicht wirklich konkurrieren. Wer heutzutage SUV mit repräsentativer Karosserieform, leicht erhöhter Sitzposition und limousinenähnlichem Fahrverhalten gleichsetzt, wird wohl eher mit dem BMW X1 oder dem VW Tiguan glücklich. Dass der BMW X1 einen sportlichen Charakter im Test so deutlich in den Vordergrund schiebt, wird ihm das Wohlwollen der Markentreuen sichern, lässt ihn andererseits aber diesen Vergleichstest nicht gewinnen. Erneut zeigt Volkswagen: Wer Auseinandersetzungen am Ende als Sieger verlassen will, muss ausgewogen taktieren. Der VW Tiguan leistet sich im Test weder Extreme noch Schwächen und weiß um die Kraft seines vermittelnden Charakters; sie wird ihm noch viele Käufer bescheren.

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Marcus Peters

Autor:

auto motor und sport, Heft 24 / 2009

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