Man kann es nicht oft genug wiederholen: Die viel beschworene Freude am Fahren ist nicht zwangsläufig eine Frage der PS-Zahl. Die Freude am Offenfahren schon gar nicht. So mögen Cabrio-Fahrer zwar zu äußerlich sportiven Autos neigen, in der Mehrzahl der Fälle aber rollt man ruhig und beschaulich dahin und entwickelt wenig Ehrgeiz, neue Bahnrekorde aufzustellen.
Die populären Roadster von BMW und Mercedes sind Musterbeispiele dafür. Natürlich spricht nichts dagegen, sich einen SLK 320 für knapp 79.000 Mark oder gar einen SLK 32 AMG für über 111.000 Mark zu gönnen. Gleichwohl genügt schon das Basismodell, der SLK 200 für 61.030 Mark, um das Auto von seiner besten Seite kennen zu lernen. Wer darauf hofft, das Vergnügen würde proportional zur Leistung und zum Preis ansteigen, der irrt.
Ganz ähnlich die Erfahrungen mit dem Z3. Es muss kein M Roadster sein, um Spaß an der Freude zu haben, schon gar nicht, seit BMW dem Modellprogramm die 2,2-Liter-Variante hinzufügte. Der dazugehörende kleine Sechszylinder passt blendend und lässt mit seinen 170 PS keinerlei Leistungssorgen aufkommen. 55.700 Mark kostet ein solcher Z3 und ist obendrein manierlich ausgestattet einschließlich der beim Mercedes aufpreisbehafteten 16-Zoll-Räder.
Der SLK kontert mit seinem serienmäßigen Hardtop und bietet dazu ohne Aufpreis Überrollbügel und Tempomat. Die auch im Cabrio an heißen Tagen willkommene Klimaanlage aber wird bei beiden extra berechnet.
Fürs Temperament ist im SLK der bei Mercedes mannigfaltig verwendete Zweiliter-Kompressormotor zuständig.163 PS werden dem Vierzylinder zugestanden, wobei es sich offensichtlich um besonders gesunde Pferde handelt, denn in der Beschleunigung lässt der SLK den nominell stärkeren, aber gewichtsgleichen Z3 hinter sich. 7,9 Sekunden für den Spurt von null auf Tempo 100, da kann von mangelnder Dynamik wahrlich nicht die Rede sein.
Als Glanznummer entpuppt sich indessen das schöne Drehmoment. Schon im Drehzahlkeller schiebt er dank mechanischer Aufladung kräftig an, und bei 2.500/min stehen 230 Nm zur Verfügung, 20 mehr als im BMW, der dazu auch noch eine höhere Drehzahl benötigt (3.500/min).
Dennoch ist es nicht der Kompressorantrieb von Mercedes, sondern der Reihensechszylinder von BMW, der eitel Fahrfreude bereitet. Beim Gasgeben nimmt er im Gegensatz zum verhalten reagierenden SLK-Motor augenblicklich die Arbeit auf, und spätestens ab 3.000/min ist unverkennbar, dass in den Zylindern Hochstimmung herrscht. Drehwilligkeit und Laufkultur sind exemplarisch, und dazu gesellt sich jener reizvolle Sound, der nach hochkarätiger Motorentechnik klingt.
Dagegen benimmt sich der Vierzylinder im SLK unauffällig wie ein Generator – gelassen, effizient, aber emotionslos. Der seidige Lauf des BMW-Pendants ist ihm fremd, doch dank des lang übersetzten sechsten Gangs ist vom Motor bei konstanter Fahrt wenig zu hören. Z3-Fahrer müssen sich hingegen mit nur fünf Übersetzungen begnügen, aber dafür kommen sie in den Genuss einer präziseren Schaltung.
BMW Z3 2.2i gegen Mercedes SLK 200 Kompressor
Es muss nicht immer Kaviar sein. Gerade beim Roadster genügen oft schon bescheidene Zutaten, um den ersehnten Genuss zu verschaffen. BMW und Mercedes machen es vor: Z3 2.2i gegen SLK 200 Kompressor - aus Freude am Sparen.
Autor: Wolfgang König





