Der Stoff, aus dem automobile Träume sind, besteht aus Leistung, Luft und Linie. Stark müssen Traumwagen sein, schön natürlich und am besten offen, damit ein wenig von ihrem Glanz auch auf die Insassen fällt. Wenn sie dann noch ein Lorbeerkranz sportlicher Erfolge adelt, ist ihnen ein Platz im Auto-Olymp sicher. Vor 40 Jahren, als der Mercedes SL wirklich superleicht war, Jaguar mit dem XK Rennen gewann, Chevrolet mit der Corvette den ersten Kunststoff- Sportwagen baute und der kleine, wieselflinke Porsche 356 die großen Konkurrenten das Fürchten lehrte, wurden die Grundlagen für vier Legenden gelegt, die bis auf den heutigen Tag nichts von ihrer Faszination verloren haben. In jedem ihrer modernen Nachfolger lebt die Idee der Urväter weiter, wenn auch in zeitgemäßer Form. Schließlich ist es kein Dogma, daß ein Sportwagen laut, hart und spartanisch sein muß.
So verkörpert der Mercedes SL 500 seit neun Jahren eine hoch kultivierte Mischung aus Leistung, Sicherheit und Komfort. Zu dieser Philosophie gehört die serienmäßige Automatik ebenso wie das perfektionierte Nebeneinander von zwei Dächern. Ein elektrisches Faltverdeck nebst Hardtop für den Winter bringt nun auch der offene Porsche 911 mit, doch ansonsten ist er bis in die jüngste Generation das geblieben, was seine Vorgänger von Anbeginn waren: ein handlicher, ungemein agiler Sportwagen, der von seinem feinnervigen, drehfreudigen Boxermotor geprägt wird. Und der sitzt nach alter Firmentradition im Heck. Genauso selbstverständlich hat Jaguar den V8-Kompressormotor aus der Limousine unter die vordere Haube des XKR Cabrios gepackt. Seine betörende Karosserie weckt zwar Erinnerungen an den heissblütigen E-Type, zeigt allerdings mit ihren üppigen Dimensionen, dem konservativ-gediegenen Interieur und zwei Fondsitzen, daß der Brite eher für die große Reise als für den kleinen Sprint gedacht ist.
Umgekehrt verhält es sich mit der Corvette, die aber längst nicht mehr allein durch ihren großvolumigen, antrittstarken V8 und eine auffällige Optik imponiert. Vielmehr beweist die fünfte Generation des Klassikers, daß die amerikanische Autoindustrie nicht nur Massenware, sondern auch echte Sportwagen auf die Räder stellen kann, die keine Konkurrenz zu fürchten haben. Von den meisten Werten her ist der Chevrolet den europäischen Rivalen sogar überlegen, denn sein 344 PS starker Achtzylinder und die leichte Kunststoffkarosserie verhelfen ihm zum günstigsten Leistungsgewicht (4,3 Kilogramm/PS) in dieser Runde. Die 5,7 Liter des Stoßstangentriebwerks sorgen zum einen für das niedrigste Drehzahlniveau, zum anderen für unerbittlichen Durchzug schon knapp oberhalb der Leerlaufdrehzahl.






