Chrysler 300 C gegen Jaguar S-Type: Sonder-Fahrt

Darf es mal etwas Besonderes sein? Dann locken in der oberen Mittelklasse zwei Charakterstücke für Individualisten: der Chrysler 300 C und der Jaguar S-Type. Und beide gibt es inzwischen mit sparsamen Diesel-Motoren.

Individualität ist der einzige echte Luxus, den es in Zeiten der Massenkultur noch gibt – guter Spruch, man müsste sich nur trauen. Warum also immer nur Audi, BMW oder Mercedes? Auch andere Mütter haben attraktive Töchter.

Die begehrenswerte Limousine namens Chrysler 300 C zum Beispiel. Auf deutschen Straßen wirkt dieser US-Import so exotisch wie John Wayne beim Töpferkurs. Das Auto, breitschultrig, aufrecht, respekteinflößend, paart die Präsenz eines Südstaaten-Sheriffs mit den politisch korrekten Manieren der gehobenen europäischen Mittelklasse. Inzwischen gibt es diesen in Blech gepressten Redneck sogar mit Dieselantrieb und Rußfilter. Soll es lieber etwas dezenter und distinguierter sein?

Auch für diesen Fall fehlt es im Themenpark der Alternativen nicht an einer verlockenden Offerte. Man findet sie bei Jaguar: Die Marke, zuständig für die sublimen Reize der britischen Schule, bietet mit dem S-Type einen Individualisten, der die traditionellen Formen des Hauses mit den Errungenschaften der Neuzeit verbindet – nicht mehr taufrisch, aber gut gereift und ebenfalls mit gefilterter Dieselpower zu haben. Zum Entschluss, mal aus der Reihe zu tanzen, könnte nicht zuletzt die Preislage beitragen. Verglichen mit ähnlich gut ausgestatteten Konkurrenten deutscher Herkunft kommen Nonkonformisten hier auch finanziell auf ihre Kosten: In der innen belederten und vornehm herausgeputzten Executive- Version kostet der Jaguar als Diesel 47 940 Euro, während der Chrysler (als CRD mit Executive-Paket) für nur 38 150 Euro sogar nach Schnäppchen riecht. Immerhin gibt es obendrauf vier Jahre Garantie inklusive Wartung.

Der Verdacht, dass hier an der Substanz gespart wurde, ist übrigens unbegründet. Das gilt auch für die Motoren: Im monumentalen Bug des Chrysler schafft ein Dreiliter-V6 neuester schwäbischer Machart (von der Konzernschwester Mercedes), und im Jaguar tut ein nicht weniger aufwendiger, 2,7 Liter großer V6 Dienst. Die Daten sprechen für den größeren V6 im 300 C, wobei dessen Leistungs- und Drehmomentvorteil aber ein höheres Gewicht gegenübersteht.

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Wolfgang König

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