Citroen C3, Skoda Fabia, Suzuki Swift

Drei Kleine im großen Vergleich

Citroen C3 Vti 95, Skoda Fabia 1.2 TSI, Suzuki Swift 1.2

Citroën C3, Skoda Fabia und Suzuki Swift sind als Viertürer und mit rund 90 PS keineswegs nur dazu verdammt, ihr Dasein als Kleinwagen für die Stadt zu fristen. Sie bieten deutlich mehr - jeder auf seine Art. Drei Kleine im großen Vergleich.

Tür auf, ein weicher Duft streicht um die Nase: Fleur Blanche strömt aus dem Parfümspender. Einsteigen: Die Sonne steht im Zenit und wärmt durch die gleichnamige Panorama-Verglasung wohlig das Haupt. Der Citroën C3 reizt mit dem Besonderen, auch wenn die Zenith-Windschutzscheibe in der Tendance-Ausstattung Aufpreis kostet.

C3 ist anders, Swift ist pragmatisch, Fabia ist teuer

Hauptsache anders lautet jedenfalls das Credo des Citroën C3. Schon das markante knubbelige Design ist gegen den Strich gebürstet. Ein roter Faden, der sich gleichfalls durchs charismatische Interieur zieht. Der Instrumententräger mit dem großen Kunststoff-Paneel in Aluminium-Optik hat etwas von "Captain Kirk auf Brücke". Und der Captain selbst braucht im Test eine gewisse Eingewöhnungszeit, um sich mit den verwirrenden Bedienelementen zu arrangieren. Verarbeitungsqualität und verwendete Materialien? Bon!

Beim Suzuki Swift sehen die verbauten Kunststoffwelten anders aus. Pragmatischer und weniger verspielt glänzt der Armaturenträger seinem Betrachter leicht speckig entgegen. Flotter und wertiger als vor der Modellpflege kommt der Suzuki Swift allemal daher. Nun hat der Suzuki Swift gut nutzbare Ablagemöglichkeiten mit an Bord, in den Türfächern sogar für Getränkeflaschen. In der Ausstattungslinie Comfort gehören im Suzuki Swift ein CD-Radio mit USB-Port und eine Klimaautomatik ebenso zur umfangreichen Ausstattung wie eine Start-Stopp-Automatik und 16 Zoll große Leichmetallräder. Der Preis des Suzuki Swift? In diesem Test-Trio am niedrigsten.

Der Skoda Fabia 1.2 TSI in Elegance-Ausstattung belastet mit einem Grundpreis von 16.280 Euro den Geldbeutel dagegen am stärksten. Mehr Extras als beim Suzuki Swift gibt‘s deswegen allerdings nicht. Im Gegenteil - wie beim Citroën C3 kosten beispielsweise Klimaautomatik und elektrische Fensterheber hinten Aufpreis.

Skoda am geräumigsten

Im Skoda Fabia geht Qualität vor Quantität. Er wirbt mit klaren Linien, hochwertigen Materialien und einer einwandfreien Bedienbarkeit. Die Rundumsicht gelingt am besten, was das Parken erheblich vereinfacht. Beim Raumgefühl liegt der Skoda Fabia ebenso vorn wie bei der Funktionalität. Dank des größten Kofferraums im Vergleich ist er für einen Abstecher zu Ikea zu haben. Zumal sich das gut nutzbare Gepäckabteil (315 Liter) dank der umlegbaren Rücksitzbank nahezu glattflächig auf 1.180 Liter Stauraum erweitern lässt.

Mit einem Standardvolumen von nur 211 Liter ist im Suzuki Swift eher Raum für Billy Boy als für ein Billy-Regal. Obwohl die Neuauflage des Suzuki Swift neun Zentimeter länger wurde und fünf Zentimeter mehr Radstand bekam, ist der Kofferraum nicht seine große Stärke. Nach dem Umklappen der Rücksitzlehnen bleibt im Suzuki Swift wie im Citroën C3 eine unpraktische Stufe im Ladeboden. Außerdem finden hinten nur zarte Geschöpfe Platz, und der zweite Türausschnitt des Suzuki Swift gleicht im Test einem Nadelöhr.

In den Citroën C3 gelingt der Einstieg etwas besser, während der praktikable Skoda auch im Fond am geräumigsten ist. Über vier Zentimeter mehr Innenhöhe als der Citroen C3 und fast acht mehr als der Suzuki Swift sind letztlich nicht nur mess-, sondern auch tatsächlich erlebbar.

Platzwechsel nach vorne, auf im Citroen C3 konturschwache, weiche und kurze Sitze, wo die flache Windschutzscheibe die Kopffreiheit einengt. Suzuki Swift und Skoda Fabia bieten mehr Raum sowie ein straffer gepolstertes, langstreckentauglicheres Mobiliar. Dennoch sitzt man beim Suzuki Swift mehr drauf als drin, bekommt dafür eine angenehm direkte Lenkung sowie einen exakt geführten Schalthebel zur Seite gestellt.

Auch im Skoda Fabia flutschen im Test die fünf Gänge locker und präzise ineinander. Allerdings hinterlässt die leichtgängige Lenkung bei flotter Fahrt einen zappeligen Eindruck. Sie arbeitet dennoch wesentlich verbindlicher als die des Citroën C3, wo das taube Lenkgefühl ebensowenig Verbundenheit vermittelt wie der lasch geführte Schaltstock.

Suzuki überzeugt mit Agilität, Fabia mit Ausgewogenheit

Im Franzosen wird man vom Fahrgeschehen entkoppelt. Zu sehr ist das Fahrwerk im Test um Contenance bemüht, was bei kurzen Stößen noch gut gelingt. Umso schneller die Fahrt und je länger die Bodenwellen, desto taumeliger jedoch der Citroen C3, ohne bei den Fahrdynamikwerten maßgeblich langsamer zu sein. Am agilsten und quirligsten wuselt sich der straff abgestimmte Suzuki durch die Stadt. Am ausgewogensten tut dies der Skoda Fabia, der dank der überzeugend feinfühligen ESP-Regelung im Grenzbereich am sichersten bleibt.

Und er bremst auch am besten, fadingfrei obendrein. Aus Tempo 100 steht der Skoda Fabia immerhin rund drei Meter früher als die beiden anderen. Der Suzuki Swift steht früher an der Zapfsäule – sein kleiner Tank schränkt die Reichweite ein. Tatsächlich ist er dank gutem Start-Stopp-System und geringstem Gewicht der Sparsamste. Sein neu entwickelter 1,2-Liter trinkt und krakeelt nicht, sondern treibt die 1.025 kg vernünftig an, lässt aber Elastizität vermissen.

Schaltfaule greifen zum Skoda

Die findet sich beim aufgeladenen 1,2-Liter des Skoda Fabia, obwohl seine 160 Newtonmeter Drehmoment weniger stark durchschlagen als erwartet. Schaltfaule sind trotzdem mit dem Skoda Fabia am besten bedient, während sich der 1,4-Liter des Citroën C3 zunächst als lethargischer Genosse präsentiert. Objektiv hält er freilich mit dem Skoda mit, beschleunigt ihn im Test drehfreudig aus und fährt ihm bei der Höchstgeschwindigkeit sogar lauthals davon.

Alleine das reicht ebenso wenig wie Fleur Blanche, um ausreichend Punkte zu sammeln. Der Suzuki Swift hortet gezielter in den Kapiteln Kosten und Fahreigenschaften. Doch der Skoda Fabia überzeugt in der Gesamtheit, was ihm zu einem deutlichen Sieg verhilft.

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Jochen Übler

Autor:

auto motor und sport, Heft 3 / 2011

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