Citroen C4 vs Opel Astra: Kompakt-Benziner mit und ohne Turbo

0111, ams 02/2011, Citroen C4 1.6, Opel Astra 1.4 Turbo

Der Opel Astra setzt ausgerüstet mit einem neuen, aufgeladenen 1,4-Liter-Benziner, in der populären 120-PS-Klasse zum Überholen an. Kann er damit am noch taufrischen Citroën C4, angetrieben von einem 1,6-Liter-Saugmotor, vorbeiziehen?

Ein sanftes Himmelblau? Oder ein kräftiges Veilchenblau? Oder doch lieber unverbindliches Blassweiß? Kurz bevor der Citroën C4-Fahrer den Verlust sämtlicher markentypischer Schrullen beweint, entdeckt er die zwei Knöpfe zwischen Tacho und Drehzahlmesser, mit denen sich die Farbe der Instrumentenbeleuchtung regulieren lässt - und zwar für die Skalen und Zentraldisplays der drei Rundinstrumente getrennt. Der Opel Astra kann das auch, ein bisschen zumindest. Wenn das 980 Euro teure adaptive Fahrwerk die Dämpfer zu bedarfsgerechter Arbeit animiert, lässt ein Druck auf die Sport-Taste im Opel Astra die Instrumente in Rot aufflammen. Das verspricht Dynamik - die der neue, 120 PS starke Turbomotor im Opel Astra mit entsprechenden Fahrleistungen manifestieren soll.

Opel-Turbo mit Spurt- und Durchzugsschwäche

Der Vierzylinder im Opel Astra mit 1,4 Liter Hubraum ersetzt den fünf PS schwächeren 1,6-Liter-Sauger, das maximale Drehmoment steigt von 155 auf 200 Newtonmeter, die erforderliche Drehzahl sinkt von 4.000 auf 1.850/min. Die Eckdaten künden also von der derzeit angesagten Form der Motorisierung. Bei genauem Hinsehen offenbaren sich allerdings zwei potenzielle Störenfriede: Mangels Direkteinspritzung könnte es für den Opel Astra im Test schwer werden, besonders niedrige Verbräuche zu erzielen, und das gegenüber dem Citroen C4 um 170 Kilogramm höhere Leergewicht bedroht den Triumph bei den Fahrleistungen. Und tatsächlich: Bei der Beschleunigung von null auf 100 km/h verpasst der Opel Astra mit 10,4 Sekunden um zwei Zehntel den Anschluss, bei der Elastizitätsmessung behält der Franzose ebenfalls den charakteristischen Doppelwinkel vorne.

Citroen mit Getriebeschwäche und hohem Verbrauch

Als schuldig im Sinne der Anklage erweist sich im Opel Astra das speziell in den Gängen fünf und sechs lang übersetzte Schaltgetriebe. Immerhin lässt es sich einigermaßen exakt bedienen, wenngleich das Fünfganggetriebe des Citroen C4 keinen echten Gegner darstellt. Wie in einem altgedienten Gebrauchtwagen flaniert der knuffige Schalthebel des Citroen C4 durch die weit auseinanderliegenden Gassen, zudem lässt sich ohne besondere Mühe die Sperre des Rückwärtsgangs überwinden. Dabei könnte der Franzose durchaus eine zusätzliche Fahrstufe vertragen, denn bei Tempo 140 liegt ein beachtlicher Drehzahlunterschied von 1.100 Umdrehungen zwischen den beiden Kontrahenten. Da das 1,6-Liter-Triebwerk ohnehin zum Dröhnen neigt, wird es auf flotten Reiseetappen schnell ungemütlich im Citroen C4. Immerhin hält das serienmäßige Audiosystem mit erstaunlich kräftigem und ausgewogenem Klang dagegen - es muss außerdem den Ärger über den höheren Verbrauch übertönen. Mit 8,2 L/100 km ist der Zuschlag gegenüber dem Opel Astra (8,1 L/100 km) jedoch minimal, der profitiert hier von seinem langen sechsten Gang.

Citroen kürzer, aber kaum weniger Platz

Ansonsten bietet der C4 kaum Grund zum Nörgeln. Um zehn Zentimeter kürzer als der Opel Astra, bietet er nur marginal weniger Innenraum, schluckt bei aufgestellter Rückbank sogar etwas mehr Gepäck. Einzig das großflächige, aber nicht zu öffnende Glasdach (Aufpreis 990 Euro) schränkt die Kopffreiheit im Fond spürbar ein. Auch ohne diese Option lässt der Franzose mehr Licht in sein schnörkelloses, sauber verarbeitetes Interieur und bietet daher speziell nach schräg hinten eine deutlich bessere Übersichtlichkeit als der Opel Astra. Vorne fühlen sich dagegen auch groß gewachsene Fahrer wohl, finden in den weich gepolsterten, bequemen Sitzen eine nahezu optimale Position zum Lenkrad. Die Bedienung will allerdings erlernt werden, doch das gilt ebenso für den Opel Astra, der erneut mit seinen perfekt ausgeformten Optionssitzen überzeugt. Den Aufpreis von 685 Euro sollten sich jeder Opel Astra-Käufer und sein Beifahrer wert sein. Das gilt ebenso für die bei der getesteten Innovation-Ausstattung serienmäßigen Bixenon-Scheinwerfer, die ihren Lichtkegel der jeweiligen Fahrsituation anpassen.

Citroen mit Handlingsschwächen

Wenn schon gespart werden muss, dann eher beim adaptiven Fahrwerk. Es löst zwar jede Aufgabe nahezu perfekt, lässt den Astra lässig über große und kleine Unebenheiten gleiten und bugsiert ihn gleichzeitig ohne störende Karosseriebewegungen selbst bei flottem Tempo völlig unaufgeregt durch Kurven, doch früher getestete Modelle ohne diese Option erledigten ihre Arbeit kaum schlechter. Auch die konventionellen Dämpfer des günstigen Citroën verstehen ihr Handwerk, konzentrieren sich vorwiegend auf den Komfort. Agiles Handling halten sie für entbehrlich, lassen den C4 stark wankend früh über die Vorderräder schieben. Die - wie im Astra - gefühllos arbeitende Lenkung verstärkt diesen Eindruck. So zieht der Opel am Citroën vorbei, allerdings eher trotz und nicht wegen des neuen Motors. Sein Temperament fühlt sich auch bei gedrückter Sporttaste eher himmelblau als feuerrot an.

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Jens Dralle

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