Land Rover Freelander i6 gegen Mazda CX-7 2.3 MZR DISI

Cross und Reiter

Sport Utility Vehicles sind beide. Aber der Mazda CX-7 2.3 betont den Sport, während der Land Rover Freelander i6 HSE auf Utility setzt. Eine Auseinandersetzung unterschiedlicher Philosophien.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Die Worte des Genossen Gorbatschow sind längst geflügelte geworden. Auch im Auto-Business. Mazda schickt sich erst jetzt an, auf der SUV-Welle zu surfen. Nachdem, so könnte man meinen, die Plätze in diesem Marktsegment längst verteilt sind.

Da ist dann Gehirnschmalz gefragt: Wie kann man auf einen abgefahrenen Zug aufspringen, ohne auf die Nase zu fallen? Das Zauberwort heißt Crossover. Mit dem CX-7 präsentiert die japanische Firma aus Hiroshima keinen Geländewagen im klassischen Sinn. Zu den bekannten Zutaten wie hohe Karosserie, Kombiheck und Allradantrieb kommt als Geschmacksverstärker ein Schuss Coupé. Das ergibt dann eine Auto-Gattung, der Zukunft vorhergesagt wird.
Auch BMW will mit dem kommenden X6 dieser Spur folgen.

Der alte Adel der Branche lehnt sich gelassen zurück.

Land Rover ist im SUV-Land nie zu spät gekommen – im Gegenteil. Den Range Rover gab es schon, als noch niemand mit dem Begriff Sport Utility Vehicle um sich warf.
Auch der jüngste Land Rover, der Freelander, weicht nicht ab vom Kurs. Er ist Landy pur, vor allem was das Design angeht. Ein Range Rover für die nicht so Reichen, Range Light sozusagen. Modischen Konkurrenten wie dem Mazda setzt er die schachtelförmige Zweckform entgegen. Die durchaus etwas für sich hat.
So bietet der Freelander etwas, was heute Seltenheitswert genießt: Übersichtlichkeit. Niedrige Gürtellinie und große Fensterflächen sorgen nebenbei noch für ein luftiges Raumgefühl im Inneren.

Der Mazda spielt die Rolle des Sportsmanns.

Statt aufrecht nach Gutsherren- Art sitzt man in ihm wie in einem Coupé. Sicht? Nur im engsten Sinn des Wortes. Vor den Augen des Fahrers präsentiert sich vor allem ein gewaltiges Armaturenbrett. Wo die Karosserie aufhört, ist selbst bei bis zum Anschlag ausgefahrenem Hals nicht zu erkennen. Weitere Schwachpunkte des Mazda haben mit Crossover weniger zu tun: beispielsweise das Fehlen eines vollwertigen Reserverads, das bei Autos für Freiheit und Abenteuer zum Standard gehören sollte. Oder die geringe Anhängelast.
Der Freelander stellt die Utility des Gattungsbegriffs mehr in den Vordergrund – auch mit seinen inklusive Sitzfläche umklappbaren Fondsesseln, die dann eine völlig ebene Ladefläche ergeben. Oder mit seiner weit großzügiger bemessenen Zuladung. Was die Bedienung angeht, können beide nicht als Vorbilder dienen.

Viele ziemlich wahllos verteilte Knöpfe machen einen Lernprozess unumgänglich. Beim Landy immerhin darf auf Wunsch auch ein Navigationssystem studiert werden. In der Mazda-Aufpreisliste glänzt der nützliche Pfadfinder durch Abwesenheit. Wie auch das Automatikgetriebe, das es erst 2008 geben wird. Der Freelander in der getesteten Sechszylinder-Version hat es serienmäßig. Es besitzt sechs Gänge und arbeitet so überzeugend, wie man das von einer modernen Automatik gewohnt ist. Sechs Gänge von Hand zu schalten kann auch Spaß machen – vor allem, wenn wie beim Mazda ein sportlicher Charakter betont werden soll.

Das Getriebe des CX-7 zeigt allerdings nicht die gewohnte japanische Perfektion. Die Schaltführung ist hakelig, der Kraftaufwand hoch. Bye, bye, Schaltvergnügen. Dabei wäre der Motor durchaus geeignet, den aktiven Fahrer anzusprechen.
Er hat zwar nur vier Zylinder, aber zwei Ausgleichswellen treiben ihm das bauarttypische Brummen derart gründlich aus, dass der Unterschied in der Laufkultur zum Sechszylinder des Land Rover nur gering ausfällt. Dessen Triebwerk stammt von Volvo, zählt zu der aussterbenden Gattung der Reihensechser und läuft leise und geschmeidig. Sein Gemisch muss der 3,2-Liter-Motor selbst ansaugen, während dem nur 2,3 Liter großen Triebwerk des Mazda ein Turbolader den Marsch bläst.

Heraus kommen dabei mehr Leistung, mehr Drehmoment und dementsprechend bessere Beschleunigung. Man sollte nur die vier Kolben fleißig in Schwung halten. Denn im untersten Drehzahlbereich, wo die Abgasturbine noch keinen belebenden Druck liefert, fällt eine sehr gewöhnungsbedürftige Drehmomentschwäche auf.

Wer sanft und elegant anfahren möchte, würgt deshalb gern einmal den Motor ab. Die Leistungsentfaltung im Freelander wirkt harmonischer, wenn auch deutlich weniger stürmisch. Gemeinsam ist beiden Antriebsquellen, dass sie einen nicht zeitgemäßen Durst entwickeln.
Die Verbrauchswerte zeigen, dass die Laufkultur des Benzinmotors in einem schweren Allradauto zum Luxusgut wird. Die vernünftige Diesel- Alternative allerdings bietet nur Land Rover an, Mazda-Kunden müssen darauf noch bis nächstes Jahr warten.

Wenn ein Land Rover am Test teilnimmt, stellt sich natürlich die Offroad-Frage.

Der Mazda hat nicht mehr als permanenten Allradantrieb zur Förderung der Traktion, während der Freelander computergesteuerte Fahrprogramme für wechselnde Geländebedingungen aufbietet. Einen kurzen Geländegang gibt es bei keinem der beiden.
Auf der Straße sorgt der Allradantrieb dafür, dass es auch bei Nässe nie Probleme gibt, die relativ hohe Leistung auf den Boden zu bringen.
Dank ESP bieten sie eine hohe aktive Sicherheit, der Mazda fährt sich sportlicher und handlicher, der Land Rover verhält sich weniger präzise und schwankt in Kurven, wie es für alle Mitglieder seines Familienclans typisch ist. Dafür bietet er aber mit seiner weichen Federung den spürbar besseren Fahrkomfort. Es sind seine harmonischen Allround- Qualitäten, die den Freelander als Sieger aus diesem Vergleich hervorgehen lassen. Daran kann noch nicht einmal der viel niedrigere Preis des Mazda etwas ändern.

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Götz Leyrer

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