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Dacia Sandero, Renault Clio, VW Polo

Kosten-Druck in der Kleinwagenklasse

Foto: Hans-Dieter Seufert 55 Bilder

Mit kämpferischen Preisen greift der Dacia Sandero 1.6 MPI sowohl Konzernbruder Renault Clio 1.2 16V als auch Platzhirsch VW Polo 1.4 16V an. Können die beiden kontern, oder knicken sie ein?

18.08.2008

Der Revolutionär hat Kulleraugen, ein Grinsgesicht und einen rumänischen Pass. Sandero, das klingt nach südamerikanischem Freiheitskämpfer, einem Mix aus Sandino und Guerillero. Tatsächlich stammt der Schrägheck-Dacia allerdings aus dem rumänischen Pitesti und spricht französischen Akzent – Folge der massiven Renault-Beteiligung. Was aber nichts am revolutionären Auftrag des Budget-Aktivisten ändert.

Nach den Kompaktklasse-Kästen Logan und MCV soll nun der eng verwandte, aber genreüblicher gestaltete Sandero die Kleinwagenklasse infiltrieren. Dabei verzichtet man auf verhärmten, groben Charme, fährt eher die Katarina-Witt-Taktik. Deren charmanter Auftritt taute einst wie ein emotionaler Heizlüfter das Eis zwischen Ost und West.

Der Dacia Sandero wird für 10.000 Euro angeboten

Aber Kati beherrschte sowohl die Pflicht als auch die Kür, und diesen Beweis muss der Sandero erst noch erbringen. Als erprobte Widersacher rollen dazu Konzernbruder Renault Clio und Kleinwagen-Chartchef VW Polo an.

Mit seinem Preis verpasst der Sandero beiden erst einmal einen kräftigen Haken: 10.000 Euro für die Topversion Lauréate. Wobei Topversion relativ ist, denn Klima und Radio kosten auch hier extra – im Paket 1.250 Euro. Und ESP? Haben wir nicht und kriegen wir auch nicht rein. Im Gegensatz zum Renault Clio 1.2 16V Dynamique für 14.100 Euro. Hier steht der Schleuderschutz für 300 Euro parat, ansonsten unterscheidet sich seine Komfortausstattung – elektrische Fensterheber und Spiegel, Bordcomputer sowie getrennt umklappbare Rücksitzlehnen – nicht wesentlich von der des Dacia.

Und auch nicht von der des Polo 1.4 Comfortline, der für 15.330 Euro allerdings eine manuelle Klimaanlage mitbringt. Hinzu kommt eine gelungene Ergonomie mit weitem Verstellbereich von Lenkrad und Sitzen, die mit einer deutlich körpergerechteren und seitenhaltstärkeren Kontur und Polsterung als die Sitze des Sandero aufwarten. Aber dieser richtet sich laut Pressetext ja an ein Publikum mit rationalem Zugang zum Automobil.

Routiniert verarbeiteter Hart-Kunststoff findet sich im Inneren

Der Zugang zum Innenraum erfolgt per Funkfernbedienung, fragilen Plastik-Klappgriffen und großen Türen. Sodann konkurriert eine zarte Chemie-Wolke mit poppig-fleckenkaschierendem Stoffdessin um die Konzentration der Sinne, während der Körper in die üppig dimensionierten Sitze sinkt. Deren hohe Position dämpft in Kooperation mit dem nur vertikal verstellbaren Kunststofflenkrad umgehend fahrdynamische Hoffnungen, trägt aber zur guten Rundumsicht bei: Mit langem Hals ist sogar die Motorhaube zu erspähen. Praktisch, denn eine Parkhilfe ist nicht im Programm.

Wohl aber routiniert verarbeiteter Hart-Kunststoff mit teils silberfarbenen Oberflächen, akzeptablen Passungen und nur in den letzten Ecken mal einem vergessenen Grat. Hinzu kommen hell unterlegte Instrumente – in der Dämmerung mäßig ablesbar – sowie teils ungewohnt arrangierte Bedienelemente. Störend: die funzlige Blinkerkontrolle sowie die kratzempfindliche Blech-Ladekante. Diese droht sensiblem Ladegut mit bedingt vorsätzlicher Körperverletzung, wo Clio und Polo schützenden Kunststoff einsetzen.

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Vergleichstest Dacia Sandero 1.6, Renault Clio 1.2 16V, VW Polo 1.4 16V
auto motor und sport 17/2008
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Das Dacia-Platzangebot für Mensch und Material entschädigt aber umgehend mit viel Luft für Schultern, Beine und Köpfe. Lediglich die hintere Kniefreiheit muss dem gegenüber dem Logan gekürzten Radstand Tribut zollen. Gleichwohl geht es bei der Konkurrenz insgesamt enger zu.
Sandero bietet guten Federungskomfort

Generös zeigt sich der Sandero auch beim Federungskomfort. Ob lange Wellen oder kurze Kanten – das auf der so genannten B-Plattform (Clio-Vorgänger) basierende Fahrwerk verdaut sie ohne Murren. Für fahrerische Verzweiflungstaten hält der Dacia sogar einen soliden Motorschutz aus Stahlblech bereit.

Der Polo bietet dafür gegen Aufpreis ein Schlechtwege-Fahrwerk mit höherer Bodenfreiheit und strafferer Abstimmung. Doch schon die Standardausführung federt und dämpft ordentlich, selbst wenn sie auf groben Unebenheiten gern mal einen trockenen Knuff weitergibt. Trost findet die Besatzung bei der einfachsten Bedienung, den praxistauglichsten Ablagen und den ablesefreundlichsten Instrumenten.

Weichen, fingerkuppenschmeichelnden Kunststoff wie im Renault darf man beim VW allerdings nicht erwarten. Leider erweisen sich die schaumstoffigen Polster der hoch montierten Clio-Sitze ebenfalls als arg nachgiebig – im Gegensatz zur Fahrwerksabstimmung des Renault, der auf ungepflegten Fahrbahnoberflächen permanent in Bewegung bleibt. Zudem poltert und stößt er spürbar mit der Vorderachse, ohne eine klare Linie – Komfort oder Dynamik – erkennen zu lassen.

Dacia für den A-nach-B-Verkehr

Die Väter des Sandero waren da konsequenter: Er hält punktgenaues Einlenken und Idealliniensuchen für burgeoisen Überfluss, verordnet stattdessen entspannten A-nach-B-Verkehr. Motto: Das Ziel ist das Ziel. So arbeitet seine Lenkung homogen, aber etwas träge und damit in Verbindung mit der soften Fahrwerksabstimmung als Spaßverhinderer. Was ihn aber nicht daran hindert, im Fahrdynamikparcours zu überzeugen.

Mal ungeachtet der guten Werte: Es ist unverständlich, dass der Sandero kein ESP bietet, nicht einmal gegen Aufpreis. Dennoch, hier wie auf der Straße spart er sich – wie seine Konkurrenten – hibbelige Lastwechselreaktionen oder ähnliche Tücken, was den Verzicht auf ein elektronisches Stabilitätsprogramm etwas erträglicher macht.
Nur Polo und Clio bieten optionales ESP

Polo und Clio besitzen nicht nur optionales ESP, sondern auch das subjektiv erfrischendere Handling. Der Clio krankt zwar etwas an seiner inhomogenen, elektrisch unterstützten Lenkung, kompensiert dies jedoch mit seiner unproblematischen Auslegung. Beim Polo kommt allerdings noch einiges an Leichtfüßigkeit und Präzision hinzu. Selbst die schmalen, kostengünstigen 14-Zoll-Reifen im 165er-Format bleiben bis auf eine lässliche Untersteuerneigung unauffällig. Beim Bremsen auf trockener Fahrbahn und auf μ-split ist der Polo sogar Bester.

Den Größten unter der Haube hat dafür der Sandero: Mit 1,6 Liter Hubraum und 87 PS schiebt er motiviert an, pfeift allerdings auf den Kati-Sympathie-Effekt, gönnt sich stattdessen eine knorrig-metallische Aussprache sowie Vibrationen vom Gaspedal bis in die Karosserie. Dagegen scheint der 1,4-Liter des Polo direkt aus einem Erziehungs-Camp zu kommen: kaum Vibrationen, erst in oberen Lagen vernehmliche Vierzylinder-Aussprache plus Fahrleistungen auf Sandero-Level. Um Tempo-Unterschiede zu erspüren, muss da schon das GPS-Messgerät ran.

Dacia empfiehlt sich als Alternative für Preisbewusste


Das könnte beim Clio gleich im Koffer bleiben: Sein 1,2-Liter kommt nicht nur betulich von der spät einrückenden Kupplung, sondern behält dieses zähe Naturell beim Beschleunigen und Durchziehen konsequent bei. Der 16-Ventiler ist träge, wird jenseits von 5.500/min dröhnig und laut, konsumiert dafür aber etwas weniger Superbenzin als die anderen. Diese rennen nicht nur schneller – Tacho 200 -, sondern belästigen ihre Passagiere bei hohem Tempo auch weniger.

Problemlos geradeaus laufen alle drei, ihre Kofferräume genügen fürs Standard-Reisegepäck. Bei größeren Aufgaben lassen sich die Rücksitzbänke hochklappen und umlegen. Der Sandero bietet zwar den meisten Platz, verlangt aber beim Hochklappen der Sitzfläche den größten Aufwand. So bleibt die ganz große Revolution am Ende aus. Selbst wenn sich der kompakte Dacia als geräumig-pragmatische Alternative für Preisbewusste empfiehlt – an Polo und Clio kommt er nicht vorbei.

Fazit

1. VW Polo 1.4 16V Comfortline
449 Punkte

Der kultivierte, aber teure Polo schafft es mit Ausgewogenheit in allen Bereichen ganz nach vorn. ESP sollte aber trotzdem serienmäßig sein.

2. Renault Clio 1.2 16V Dynamique
422 Punkte

Sein schlapper Motor und Federungsschwächen kosten den Clio Punkte. Da helfen auch der hochwertige Materialeindruck und die problemlosen Fahreigenschaften nicht weiter.

3. Dacia Sandero 1.6 Lauréate
402 Punkte

Günstiger Preis, viel Platz, Motor-Punch und Federungskomfort, aber Schwächen beim Bremsen, der Sicherheitsausstattung sowie teurer Unterhalt reichen nur für Platz drei.

Technische Daten
Dacia Sandero 1.6 MPIRenault Clio 1.2 16VVW Polo 1.4 16V
Grundpreis10.000 €14.100 €15.405 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4020 x 1746 x 1534 mm3986 x 1719 x 1495 mm3916 x 1650 x 1467 mm
KofferraumvolumenVDA320 bis 1200 L288 bis 1028 L270 bis 1030 L
Hubraum / Motor1598 cm³ / 4-Zylinder1149 cm³ / 4-Zylinder1390 cm³ / 4-Zylinder
Leistung64 kW / 87 PS (127 Nm)55 kW / 75 PS (105 Nm)59 kW / 80 PS (132 Nm)
Höchstgeschwindigkeit174 km/h167 km/h175 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h11,5 s13,4 s12,2 s
Verbrauch7,2 L/100 km5,9 L/100 km6,4 L/100 km
Testverbrauch7,1 L/100 km6,9 L/100 km7,4 L/100 km
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