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Das Bessere ist des Guten Feind - Fiat Stilo 1.9 JTD, Peugeot 307 HDi 110 und VW Golf TDI

Mit dem Fiat Stilo 1.9 JTD und dem Peugeot 307 HDi 110 hat der VW Golf TDI in den vergangenen Monaten starke Konkurrenz bekommen. Brechen für Deutschlands Nummer eins jetzt schwere Zeiten an?

19.11.2001

Man nehme den Verkaufsrenner in der Diesel-Palette des Golf: Veredelt mit der aufwendigen, VW-exklusiven Pumpe-Düse-Einspritzung, bringt es dieser TDI auf 100 PS und auf ein Drehmoment von 240 Nm. Doch die Newcomer von Fiat und Peugeot, beide Motoren mit Common-Rail-Einspritzung, bieten mehr: 115 PS und 255 Nm der Stilo 1.9 JTD, 107 PS und 250 Nm der 307 HDi 110.

Den Peugeot gibt es sogar mit Rußfilter. Und das obendrein für weniger Geld. Denn um in Sachen Ausstattung mit den neuesten Importen Schritt zu halten, muss der Golf-Kunde schon zur Highline-Ausstattung greifen. Dann kostet der TDI als Viertürer 42.784 Mark. Bei Peugeot hingegen ist schon in der mittleren Ausstattungsstufe („Prémium“) für 40.095 Mark fast alles drin. Und Fiat verlangt für einen vergleichbaren Stilo Dynamic sogar nur 37.356 Mark.

Der Verdacht, bei VW ziemlich wenig Auto fürs Geld zu bekommen, erhärtet sich bei der optischen Begutachtung: Neben seinen zwei Konkurrenten wirkt der Golf zierlich und klein, denn Stilo und 307 gerieten länger und vor allem höher. Die Folgen zeigen sich im Innenraum: Auf den Rücksitzen erreicht das Platzangebot des Peugeot und des Fiat das Niveau ausgewachsener Mittelklasseautos.

Der Raumvorteil der neuen Golf-Herausforderer zeigt sich auch beim Öffnen der Heckklappe. Besonders in den Fiat geht einiges mehr hinein. Zugleich bietet der Viertürer eine verschiebbare Rücksitzbank, und für den Transport von langen Gütern, kann man die Lehne des Beifahrersitzes flach legen.

Im Übrigen demonstrieren die neuen Kompaktklässler, dass sie auch im Komfort nach oben tendieren. Was die Federung betrifft, so bleibt der Golf zwar ein höchst angenehmer Vertreter seiner Gattung, doch der Stilo steht ihm da kaum nach. Die weiche Abstimmung verleiht seinem Fahrwerk ein bislang bei Fiat nicht gekanntes Schluckvermögen. Schnell bewegt wirkt der Stilo beim Überfahren größerer Bodenwellen allerdings etwas schwach gedämpft, was den positiven Gesamteindruck aber nicht entscheidend trübt. Straffer, aber nicht übertrieben hart ist dagegen der Peugeot. Die beim 107-PS-Diesel serienmäßigen 16-Zoll-Räder beeinträchtigen zwar gegenüber den kleiner bereiften Varianten das Ansprechen der Federung, was sich vor allem bei kurzen Stößen bemerkbar macht. Doch damit lässt es sich leben, zumal der 307 bei forcierter Fahrt die geringsten Karosseriebewegungen aufweist.

Dieser Bonus trägt dazu bei, dass der Peugeot auch im Kurvengeschlängel die beste Figur abgibt. Präzise und ohne frühzeitig mit dem Bug geradeaus zu schieben folgt er dem eingeschlagenen Radius, verarbeitet schnelle Kurswechsel mit großer Gelassenheit und kennt selbst bei ausgeschaltetem ESP keine Tücken.

Damit ist er dem ebenfalls agil wirkenden Golf überlegen, denn der neigt – zumal bei nasser Straße – früher zum Untersteuern und leistet sich ohne die Mithilfe des serienmäßigen ESP schon mal deutliche Lastwechselreaktionen. Sicher, aber vergleichsweise schwerfällig und unpräzise nimmt hingegen der Fiat die Kurven, was viel mit seiner gefühllos und unangenehm schwammig operierenden Lenkung zu tun hat. So lädt der Stilo denn auch eindeutig am wenigsten zur sportlichen Gangart ein, und in Anbetracht der bescheidenen Bremswirkung hat dieser Charakterzug auch sein Gutes. Golf und 307 verzögern erheblich kraftvoller.

Was den Vortrieb betrifft, so darf man allen drei Kandidaten ausreichende Reserven attestieren. Interessanterweise war der Schwächste im Trio, der Golf, keineswegs der Langsamste. Im Gegenteil: Das kernig vibrierende Pumpe-Düse-Aggregat legt sich energisch ins Zeug. Da verwundert es auch nicht, dass bei der Elastizitätsprüfung Bestwerte herausspringen. Die nominell stärkeren Triebwerke der Konkurrenz gehen da nicht ganz so bullig zu Werke, am wenigsten der Peugeot-Diesel, der auch sonst von sanfterem Wesen ist: Seine Laufkultur ist den Sitten der anderen klar überlegen und erinnert höchstens noch im Leerlauf an die selbstzündende Verbrennung.

Beim Tanken freilich ist der Peugeot wieder ganz der Diesel: Im direkten, vorwiegend zügig gefahrenen Vergleich langen ihm 6,4 L/100 km, womit er noch sparsamer ist als seine ebenfalls genügsamen Mitstreiter Fiat (7,0 L/100 km) und VW (7,1 L/100 km).

Für Letzteren sind damit zugleich die Würfel gefallen: Das Bessere ist wieder einmal des Guten Feind – und das gibt es derzeit bei Peugeot.

Technische Daten
VW Golf 1.9 TDIFiat Stilo 1.9 JTD 115Peugeot 307 2.0 HDi 110
Grundpreis22.240 €20.100 €23.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4149 x 1735 x 1444 mm4253 x 1756 x 1525 mm4202 x 1746 x 1510 mm
KofferraumvolumenVDA330 bis 1184 L335 bis 1035 L341 bis 1328 L
Hubraum / Motor1896 cm³ / 4-Zylinder1910 cm³ / 4-Zylinder1997 cm³ / 4-Zylinder
Leistung74 kW / 100 PS (240 Nm)85 kW / 115 PS (255 Nm)79 kW / 107 PS (250 Nm)
Höchstgeschwindigkeit188 km/h190 km/h191 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h11,3 s10,7 s12,7 s
Verbrauch5,2 L/100 km5,4 L/100 km5,2 L/100 km
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