Die kleine Lösung für den Van-Fan

Braucht ein Kompaktvan einen Stern auf dem Kühler? Der Vergleichstest gibt die Antwort: Mercedes Vaneo gegen Citroën Xsara Picasso, Opel Zafira und Toyota Corolla Verso.

Der brandneue Toyota Corolla Verso erinnert eher an einen zierlichen Kombi mit erhöhter Dachlinie als an einen Van, während der ebenfalls erst kürzlich präsentierte Mercedes Vaneo mit einem Gepäckraum im See-Container-Format auftritt. Citroën Xsara Picasso und Opel Zafira liegen zwischen diesen beiden Extremen.

Zum Vergleichstest treten die Kompakten jeweils in der Top-Version an. Am preiswertesten ist der Citroën Picasso mit 20.300 Euro, gefolgt vom Corolla Verso mit 21.090 Euro. Den Zafira gibt es für 23.540 Euro, Mercedes verlangt für den Vaneo 23.861 Euro.

Der kantige, 1,83 Meter hohe Aufbau des Vaneo verheißt ein beachtliches Fassungsvermögen, das von den Rivalen nicht erreicht wird. Seine schrankgroße Heckklappe gibt einen Kofferraum von 715 Litern frei, der sich auf 3000 Liter erweitern lässt. Zudem erleichtern zwei seitliche Schiebetüren das Zusteigen und Beladen.

Bei Citroën lassen sich die drei Einzelsitze im Fond längs verschieben oder ganz herausnehmen. Die ebenfalls verschiebbare, asymmetrisch geteilte Toyota-Rückbank bietet da weniger Variabilität, schon weil ihr größerer Teil - wie beim Vaneo - von einer Person schwer auszubauen ist. Dieses Problem stellt sich beim Opel nur selten, weil die zweite Reihe Platz sparend hinter den Vordersitzen im Auto bleiben kann. Zudem sind im Laderaumboden serienmäßig zwei weitere Sitze versenkt. Allerdings: Die gebotenen Zuladekapazitäten (zwischen 440 und 495 Kilogramm) animieren nicht gerade zu größeren Transport-Aktionen.

Auch beim Komfort sind größere Zugeständnisse nötig. Besonders die harten und schmalen Sitze des Vaneo und seine knochig steife Federung trüben auf Dauer das Wohlbefinden. Im Fond steht zwar erfreulich viel Knieraum zur Verfügung, doch Erwachsene sitzen viel zu dicht über dem Boden und deshalb mit extrem angewinkelten Beinen. Angenehmer gestaltet sich der Aufenthalt im Zafira. Seine Federung ist zwar straff und reagiert bei Querfugen oder Frostaufbrüchen bockig, aber die meisten Stöße werden von den guten Sitzen wirksam abgemildert. Selbst die Klappsitze ganz hinten sind für längeres Verweilen ausreichend bequem.

Ein Patt im Komfortkapitel fahren Citroën und Toyota ein. Der Franzose hat das schluckfreudigere Fahrwerk, mutet seinen Passagieren aber zu weiche Sitze zu. Der Japaner bietet den besten Sitzkomfort, rüttelt und schüttelt dafür gelegentlich mit seinen steif ansprechenden Dämpfern an Karosserie und Insassen. Lange Wellen meistern beide Vans ganz ansprechend, Mittelklasse-Komfort bieten sie aber nicht.

Alle vier Kandidaten sind außerdem zu laut. Schon bei moderaten Geschwindigkeiten rauscht der Fahrtwind kräftig um die A-Säulen und sorgt auf der Autobahn für einen dicht gewebten Geräuschteppich. Den Messwerten zufolge hält sich der Toyota zwar vergleichsweise zurück, verbreitet aber subjektiv den meisten Lärm.

Im direkten Vergleich entpuppt sich der kultivierte Motor des Xsara Picasso noch als relativer Leisetreter. Akustisch wird er schnell von den Wind- und Abrollgeräuschen überlagert. Die Vierzylinder von Mercedes und Opel sind zwar präsenter, treten aber nicht wirklich störend in Erscheinung. Erst an der Tankstelle fordern die Motoren wieder mehr Aufmerksamkeit, denn sparsam sind sie alle nicht. Immerhin bleibt der Picasso im Testmittel unter der Zehn-Liter-Marke. Und obwohl er mit nur 115 PS zum Vergleich antritt, bietet er gegenüber dem zehn PS stärkeren Zafira die bessere Elastizität. Neben dem hohen Leergewicht erweist sich vor allem die lange Getriebeübersetzung des Opel als Hemmschuh. Viel spritziger ist der Vaneo aber auch nicht. Immerhin reicht es im Antriebskapitel zu Platz zwei, nur knapp hinter dem Toyota, der die beste Schaltung und das geringste Gewicht im Test hat.

Das kommt ihm unter anderem bei den Fahreigenschaften zugute, wo besonders der Vaneo enttäuscht. Er leidet unter starker Seitenwindempfindlichkeit und ausgeprägten Traktionsproblemen. Immerhin ist ESP serienmäßig und die integrierte Antriebsschlupfregelung hilft, die häufig durchdrehenden Vorderräder zu bändigen. Außerdem kompensiert die Elektronik die Tendenz zum Untersteuern weitgehend. Schon deshalb wäre ein elektronisches Stabilitätsprogramm auch für den stark über die Vorderräder schiebenden Citroën sinnvoll. Lieferbar ist es dort aber ebenso wenig wie beim sehr handlichen Verso, während man es für den Zafira, der sich ansonsten ähnlich agil fahren lässt wie der Corolla, wenigstens als Extra ordern kann.

Überhaupt ist der Opel sehr fürsorglich gegenüber seinen Insassen, denn als Einziger bietet er über die klassenübliche Sicherheitsausstattung hinaus (ABS, vier Airbags) sogar seitliche Kopfbags.

Fazit: Der teure Vaneo braucht bequemere Sitze und eine Federung, die diesen Namen verdient, für den Picasso wünscht man sich dagegen straffere Sitze. Und dem Zafira verhageln am Ende die Kosten den Sieg. Gerade damit rutscht der ausgewogene, aber kleine Corolla Verso auf die Spitzenposition. Er bietet eben am meisten Auto fürs Geld - aber auch am wenigsten Van.

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Christian Bangemann

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