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Die neuen Kleinen

größer, besser, Polo

Kann der Polo auch als 75-PS-Benziner die Erwartungen erfüllen, die der TDI im Einzeltest weckte? Der Vergleich mit den schärfsten Konkurrenten Renault Clio 1.2, Opel Corsa 1.2 und Fiat Punto 1.2 führt zu einer eindeutigen Antwort.

19.12.2001

Im äußeren Format entspricht der gewachsene Polo ungefähr einem Golf II, und auch im Innenraum wirkt er ungewöhnlich luftig und generös, zumindest, was die Platzverhältnisse auf den Vordersitzen betrifft. Vergleichsweise knapp geschnitten ist der Clio, der speziell in der Breite Großzügigkeit vermissen lässt. Die Fondpassagiere sind generell weniger gut untergebracht. Sie fühlen sich im ebenfalls stattlichen Fiat Punto wohler als im Polo, während es im Opel Corsa und noch mehr im Renault Clio zu Konflikten zwischen den Füßen der Fondpassagiere und den Frontsitzen kommt.

Als König beim Kofferraum entpuppt sich mit fast 300 Liter Volumen der Punto. Der Clio rangiert auf dem letzten Platz, darf aber zum Ausgleich mit 450 Kilogramm Zulademöglichkeit die schwersten Lasten schleppen.

Zum Wohlfühlen im Auto gehört natürlich auch ordentliches Gestühl. Den besten Eindruck hinterlässt der Polo mit körpergerecht geformten und bequemen Sitzen vorn, denen es jedoch etwas an Seitenführung mangelt. Straffer gepolstert, mit noch weniger Seitenhalt und überdies umständlich in der Höhe verstellbar sind die Corsa-Möbel. Im Punto und in abgemilderter Form im Clio stößt die Sitzlehne auf Kritik. Ihre Kontur wird nur kleiner gewachsenen Insassen gerecht.

Hinten sitzt man, unabhängig vom Platzangebot, überwiegend zweiter Klasse. Im Clio drücken die Kopfstützen ins Genick, im Corsa und Polo mangelt es an der bequemen Ausgestaltung von Sitzfläche und Lehne. Allein im Punto kommt Wohlgefühl auf. Dieses verfliegt aber rasch während der Fahrt. Der Federungskomfort des Italieners ist nämlich der schlechteste in diesem Test. Kräftiges Stuckern und Poltern sowie ein bescheidener Abrollkomfort machen die Fahrt auf schlechten Straßen zur Strapaze. Klassenbester ist der neue Polo. Mehr noch: Er setzt neue Maßstäbe dafür, wie Kleinwagen federn können.

Behaglich, aber längst nicht so gut wie der Polo geht der Clio mit Straßenunebenheiten um, wogegen der Opel Corsa trotz straffer Federung immer wieder mal den Kontakt mit den Anschlägen seiner Federwege sucht. Die zweite Komfort-Stunde des Polo schlägt bei der Begutachtung der Geräuschkulisse. Der neue Volkswagen ist nämlich ein ungewöhnlich leises Auto geworden. Viel lauter der Fiat Punto. Auch Corsa und Clio gefallen da, obschon viel leiser, mit ihrer Intonation weniger.

Motoren sollen selbstverständlich nicht nur akustisch gefallen, sondern in erster Linie für Vortrieb sorgen. Mit 80 PS hat da der Fiat Punto am besten vorgesorgt. Seine Konkurrenten begnügen sich mit 75 Pferden. Beim Drehmoment hat der Polo die Nase vorn, was kein Wunder ist: Sein Vierzylinder gönnt sich 1,4 Liter Hubraum, die anderen mühen sich mit nur 1,2 Liter ab. Die Mühe merkt man beim Beschleunigen: Für den Spurt von null auf 100 km/h vergehen immerhin zwischen 13,3 (Punto) und 14,5 Sekunden (Polo). Dass der kräftige Punto aus der Elastizitätsmessung als Verlierer hervorgeht, liegt an seiner viel zu langen Übersetzung.

Der Polo ist der Einzige der vier, der mit einer elektrohydraulischen Servolenkung gesegnet ist. Der Wettbewerb vertraut auf rein elektrisch agierenden Kraftspender. Diesen darf gegenüber früher getesteten Exemplaren durchaus ein gewisser Fortschritt attestiert werden: Der Fahrbahnkontakt ist, gerade bei Opel und Fiat, jetzt besser als gewohnt. Aber an dem unharmonischen Einsatz der elektrischen Heinzelmännchen beim Einlenken aus der Mittellage hat sich noch nicht viel geändert. Nur die Polo-Lenkung kann wirklich zufrieden stellen.

Was man damit anstellen kann, übrigens auch: Bestwerte bei den Fahrdynamikprüfungen, ein spielerisches Handling und geradezu stoische Neutralität in Kurven. Und der Polo scheint nicht einmal eine Ahnung davon zu haben, was Lastwechselreaktionen eigentlich sind - was will man mehr? Das elektronische Stabilitätsprogramm ESP, das 753 Mark Aufpreis kostet und bei der Konkurrenz gar nicht im Angebot ist.

Mit einem ebenfalls neutralen Fahrverhalten auf nicht so hohem Niveau folgt mit Abstand der Fiat. Renault Clio und Opel Corsa reagieren deutlicher auf die Gaspedalstellung, in engen Kurven neigen sie schon im unteren Tempobereich zu deutlicherem Untersteuern. Dafür weist der Clio die besten Bremsen in diesem Vergleichstest auf: Sehr gute Verzögerungswerte und nur minimales Fading. Voll beladen und bei hoher Belastung bremst der Polo nicht ganz so gut, während der Opel schon leer und mit kalter Bremse etwas abfällt. Der Punto-Bremse macht vor allem hohe Belastung zu schaffen, die zu einem spürbaren Abfall der Bremswirkung führt. Sollte alles Bremsen und auch die Fahrkunst vergeblich gewesen sein, schlägt die Sekunde der passiven Sicherheit.

Mit serienmäßigen Seitenairbags und Windowbags vorn gibt Fiat im Punto die Richtung vor. Ein dritter Automatikgurt nebst Kopfstütze hinten ist serienmäßig wie im Clio und im Corsa, nur im VW Polo kostet dieses Sicherheits-Extra noch extra.

Bekommt man mit dem Polo wenigstens sonst das meiste Auto fürs Geld? Nein, denn er ist noch magerer ausgestattet als der Corsa Fresh. Die zum Test angetretene Version Trendline verfügt gegenüber dem Basismodell nur über bescheidene fünf Extras: Becherhalter, Nebelscheinwerfer, Breitreifen auf Stahlfelgen, Multifunktionsanzeige sowie die Möglichkeit, die Rücksitzbank auf Wunsch nur zum Teil umzuklappen. Null Punkte.

Zum Vergleich: Clio Dynamique und Punto HLX bringen ohne Aufpreis Klimaanlage, Leichtmetallräder, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, elektrische Außenspiegel und einiges mehr mit, was beim Polo über 6.000 Mark zusätzlich verschlingt. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Beim Polo gibt es keine halben Sachen. Alle Details wirken durchdacht und sind solide ausgeführt. Heckklappe und Tankdeckel sind in die Zentralverriegelung integriert. Oder die Wischer: auch bei hohem Tempo gut anliegend und üppig dimensioniert, wo die Konkurrenz ohne Not mit jedem Zentimeter zu knausern scheint.

Ein Meisterstück sind die - aufpreispflichtigen - Fensterheber. Ihr Einklemmschutz reagiert auf einen plötzlichen Kraftanstieg, auch wenn er klein ist. Dann fährt nicht nur das Fenster automatisch wieder ein Stück auf, es bleibt auch die Automatikfunktion so lange abgeschaltet, bis das Fenster einmal wieder komplett geschlossen war. Mit günstigen Festkosten und guten Wiederverkaufschancen hangelt sich der Polo bei der Analyse der Wirtschaftlichkeit hinter dem unangefochtenen Klassenbesten Opel Corsa noch auf Platz zwei _ trotz seines im Vergleich höchsten Verbrauchs.

Der ist auch in seinem hohen Leergewicht von 1.155 Kilogramm mitbegründet, das den Polo in der Umweltwertung knapp vor dem Renault Clio auf den vorletzten Platz rutschen lässt.

Auf den überlegenen Gesamtsieg des Polo hat das freilich keinen Einfluss. Die eindrucksvollen Qualitäten insbesondere bei Komfort und Fahreigenschaften machen die Punkteverluste bei Kosten und Umwelt sowie bei der Ausstattung locker wett.

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