Die Schau-Lustigen

Solide, preisgünstige Vierzylindertechnik im extravaganten Kleid eines sportlichen Coupés, das hat Tradition. Aber kultivieren der große Ford Cougar, das neue Hyundai Coupé und die mittlerweile siebte Auflage des Toyota Celica nur den Reiz des schönen Scheins.

Die Nachfahren der preisgünstigen Vierzylinder-Shomaster vom Schlage eines Ford Capri oder Opel Manta sind Kinder unserer Zeit: mit leise laufenden, abgasgereinigten Motoren, gutmütigem Frontantrieb, moderner Sicherheitstechnik. Mäßig spektakuläre, moderne Großserientechnik unter schwungvoll gezeichneter Karosserie. Die Neuauflage des in 30 Jahren Modellgeschichte zum Coupé-Klassiker gereiften Toyota Celica (43.900 Mark) muss sich mit dem 42.700 Mark teuren Ford Cougar und dem deutlich günstigeren Hyundai Coupé messen: Den Familiensportler aus Korea gibt es für nur 36.490 Mark, doch der Importeur hat bei der Kalkulation die Klimaanlage vergessen - das Kühlaggregat kostet 1990 Mark extra.

Kunststoffe in diversen Farben und Verarbeitungszuständen bilden im engen Innenraum des Hyundai ein funktionales, aber auch überladen wirkendes Cockpit. Eine wahre Wohltat ist im Vergleich das geräumige, klar gezeichnete Cougar-Cockpit. Zur umfangreichen Serienausstattung des Ford gehören eine Radio und die Klimaanlage. Die futuristische Pilotenkanzel des Toyota Celica S schließlich verwöhnt mit sportlichem Look, guter Funktionalität sowie serienmäßiger Klimaautomatik.

Seine 2+2-Konfiguration auf der Limousinen-Plattform des Mondeo bringt dem Cougar vorn ein komfortables Platzangebot und hinter den Rücksitzen einen großen Kofferraum (428 Liter). Die Konkurrenz kann da nicht mithalten, aber alle drei Kandidaten bieten bei Bedarf umklappbare Rücksitzlehnen. Komfortbewusste sitzen im Ford am besten, sportlich orientierte Fahrer werden am liebsten in den Sitzschalen des Celica Platz nehmen. Im Hyundai sitzt man hoch und etwas beklommen unter der weit zum Fahrer gezogenen Frontscheibe. Wirklich vom Ford absetzen kann sich der Toyota Celica beim prüfenden Blick in die Ecken: hier tadellose Verarbeitung ohne Knarzen und Klappern; dort ein hässlich ausgefranster Stoffsitzbezug, unregelmäßige Spaltmaße und eine lose im Fahrtwind flatternde Frontscheibendichtung. Selbst der nicht gerade als Qualitätswunder geltende Hyundai hinterlässt einen zufriedenstellenderen Eindruck als der Cougar.

Im Fahrbetrieb treten die Unterschiede noch deutlicher zu Tage. Der große Ford Cougar schluckt souverän auch schlechte Straßen, seine exakte Lenkung ist nahezu frei von Antriebseinflüssen, und sein Antrieb ist hinreichend zufriedenstellend: Der 130 PS starke Zweiliter-Zetec-Motor macht den Cougar 209 km/h schnell, der Verbrauch ist mit 9,7 L/100 km noch vertretbar. Und trotzdem: Für den Cougar gibt es auch einen 2,5-Liter-Sechszylinder. Trotz seiner unter Zuladung nachlassenden Bremsen lässt sich der Ford behände bewegen, aber was ein echtes Sport-Coupé ist, wird spätesten nach den ersten Metern im Toyota klar.

So straff, zielgenau, definiert und quirlig, wie der Celica S kurvige Landstraßen geradezu hinunterbrennt, das sucht in diesem Trio seinesgleichen. Tief im Schalensitz festgezurrt, über die knackige Sechsgang-Schaltbox stets die richtige Übersetzung suchend, kommt beim Fahrer richtiges Heizer-Feeling auf. Der 143 PS starke 1,8-Liter-Vierzylinder giert nach Drehzahlen, die Lenkung arbeitet hochpräzise, die Bremsen verzögern vehement - dieses Auto treibt ständig an. Dass der Celica wegen des durchzugsschwachen Motors ständig Schaltarbeit erfordert und dabei - trotz objektiv nicht übermäßiger Lautstärke - seine Drehzahlen zornig hinausbrüllt, das kann keinen Sportler verdrießen.

Der 139-PS-Zweiliter-Vierzylinder des Hyundai Coupé ist dagegen von altem Schrot und Korn. Er schüttet sich den Treibstoff ziemlich hemmungslos in die Brennräume (Testmittel 11,3 L/100 km), aber er glänzt auch mit spritziger Drehfreude und guter Durchzugskraft. Und während sein Fahrwerk mit gediegener Fortbewegung noch klar kommt, schiebt der Hyundai im nicht sehr hoch angesiedelten Grenzbereich heftig über die Vorderräder, neigt sich dabei unsportlich zur Seite und springt und bockt. Die gefühllose Ziel-und-schieß-Lenkung, die schwachen Bremsen mit ihrem teigigen Druckpunkt und der lautstark irgendwo aus dem Fußraum lärmende Motor machen das Raubein komplett.

So muss das früher gewesen sein, als die Autos noch Hutzen auf langen, stolzen Schnauzen trugen.

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