Eines muss man dem Lexus lassen: Er ist das in Blech gepresste gute Gewissen. Mögen die Experten auch darüber streiten – imagemäßig zumindest gibt er den Umweltengel. Jute auf Rädern. Einziger Nachteil: Anders als beim Toyota Prius, der auch optisch so grün daherkommt wie ein Norwegerpullover, sieht es hier niemand.
Der GS 450h gleicht seinen konventionell befeuerten Geschwistern. Schade eigentlich, denn schließlich beteiligt sich sein Besitzer aktiv an der Rettung unseres Planeten. Sicher, der Lexus mag das Abschmelzen der Polkappen nicht verhindern. Aber immerhin liegen die Kohlendioxid-Emissionen, die ihm offiziell zugestanden werden, deutlich niedriger als das, was in seiner Klasse üblich ist.
Fragt sich nur, wie sich die Sache im harten Licht der Realität darstellt. Immerhin kostet ein GS 450h stolze 57 600, in der getesteten Luxury-Version sogar 66 000 Euro. Da ist es mit geringen CO2-Werten und einem freundlichen Image nicht getan. Ist die Hybrid-Lösung also wirklich die überzeugendere Diesel-Alternative, die sie vorgibt zu sein? Und kann es ein Power-Hybrid wie im Lexus leistungsmäßig tatsächlich mit einem ordentlichen V8-Benziner aufnehmen?
Hoch hängende Trauben, zumal wenn die Diesel-Fraktion kein Geringerer vertritt als der Mercedes E 420 CDI. Dessen neuer Vierliter-V8 wirft satte 314 PS in die Waagschale, von den 730 Nm Drehmoment gar nicht zu reden. In der Avantgarde-Version gibt es dieses Kraftpaket für 63 875 Euro. In der Benziner- Ecke: der Audi A6 4.2 FSI, Direkteinspritzer, 350 PS und 440 Nm stark, ein Stürmer unter den Achtzylindern und auch dank Quattroantrieb kaum zu bremsen – 61 700 Euro.
Ebenfalls nicht von schlechten Eltern sind aber die Daten des Hybriden: Drehstrom-Motor und 3,5-Liter-V6- Benziner schaffen im Verbund bis zu 345 PS. Der Clou: Schon ab Drehzahl Null stellt das E-Aggregat 275 Nm bereit. Die Reize der elektrischen Assistenz lassen denn auch nicht lange auf sich warten. Im Stand herrscht Stille, dann zieht der Lexus gespenstisch leise davon. Gibt man sachte Gas, summt er ohne Verbrennungsgeräusch und abgasfrei mit bis zu 50 km/h durch die Landschaft. Allerdings reicht der Strom nur für zwei Kilometer.
Trotzdem: Im Stadtverkehr ist das Auto die reine Wohltat, auch wenn es die meiste Zeit nicht ohne die Unterstützung durch den V6 auskommt. Nach diesem Erlebnis empfindet man den Diesel im Mercedes zwangsläufig wie eine Landung in der Gegenwart, denn im Leerlauf erinnert er vom Klang her eher an eine Barkasse.






