Diesel-Kombis: Packt ihn

Mit progressivem Design will der neue Peugeot 407 SW den Kombi-Konkurrenten Honda Accord Tourer, Jaguar X-Type Estate und Opel Vectra Caravan davonfahren.

Die Evolution des Kombis ist in vollem Gange. Standen ehemals reinpragmatische Überlegungen hinter den Limousinen mit Rucksack, so sind viele moderne Kombis jetzt ausdruckstarke Persönlichkeiten. Die brandneue Kombiversion SW des Peugeot 407 (Grundpreis HDi 135 Prémium: 26.500 Euro) entspricht genau dieser neuen Philosophie ebenso wie der Honda Accord Tourer (2.2i-CTDi Executive: 29.815 Euro) und der Jaguar X-Type Estate (2.0 Diesel Executiv: 33.640 Euro). Aber es gibt auch noch den Klassiker: Der Opel Vectra Caravan (1.9 CDTI Elegance: 27.545 Euro) schöpft sein Potenzial aus klassischen Tugenden und wie seine Kontrahenten aus einem rund zwei Liter großen Dieselmotor. Bei Bedarf trumpft sein Kofferraum bei umgelegten Sitzen mit riesigen 1850 Liter Volumen und einem cleveren Unterteilungssystem des Laderaums (Flex Organizer, 105 Euro) auf. Die Ladefläche ist eben, die Wände stehen steil, und am Boden sitzen stabile Verzurrösen.

Peugeot und Opel mit Rußpartikelfilter

So viel Platz und Flexibilität gibt es bei Peugeot oder Jaguar nicht. Speziell wer sich für den 407 SW entscheidet, muss Freude am Raum anders definieren. Der Honda wiederum widmet sich dem Thema Ladung mit einer umklappbaren Rücksitzbank - eine schwergängige Sache -, bei der die Sitzflächen automatisch wegtauchen. Und im Laderaum warten Netze darauf, Koffer zu fixieren.

Zudem sitzt es sich hinten im Honda kommod, vorne sogar exzellent. Anders der Peugeot: Große Fahrer sitzen in Froschhaltung, und im Fond geht es im Vergleich so eng zu wie in der Pariser Metro.

Unter der Haube des Lifestyle-Kombis pocht ein moderner Zweiliter-Common-Rail-Diesel mit serienmäßigem Rußpartikelfilter. Leider strotzt der leise Saubermann nicht vor Lebendigkeit. Beim Fahrwerk bricht er mit der französischen Komfort-Tradition und geht schon mal recht ruppig über kurze Bodenwellen. Im Gegenzug wirkt er handlich und fahraktiv mit einem Nachteil: Wer in schnell gefahrenen Kurven ängstlich das Gaspedal lupft, wird von einem schwenkenden Heck überrascht, welches das ESP erst reichlich spät wieder einfängt.

Hier überzeugt das überarbeitete Fahrwerk des Vectra. Er ist noch handlicher und neutraler, trotz seiner etwas schwergängigen Lenkung. Und der ebenfalls serienmäßig mit einem Rußpartikelfilter versehene 1,9-Liter-Common-Rail-Diesel aus der Kooperation mit Fiat treibt den Vectra über 2000/min bärig und elastisch voran. Denn die Anfahrschwäche fordert genauso Geduld wie der lang übersetzte sechste Gang.

Mit solchen Problemen muss sich der Honda nicht herumschlagen. Sein Kupplungspedal wirkt zwar sprunghaft, aber ansonsten ist der 2,2-Liter-Dieselmotor ein Genuss. Allerdings fehlen ein Rußpartikelfilter und ein sechster Gang.

Jaguar-Motor nicht zeitgemäß

Das Fahrwerk des Tourer liefert sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Vectra. Der Honda ist noch handlicher, bei Lastwechseln aber nervöser. Und Bodenwellen gibt er etwas verbindlicher an die Passagiere weiter.

Aus diesem Duell hält sich der X-Type heraus. Seine Stärke ist das entspannte Dahinrollen besonders bei hoher Beladung. Im leichten Zustand schlägt die Kombination aus weicher Federung und zu leichtgängiger Lenkung schnell in ein nervöses Fahrverhalten um. Harte Kritik verdient der Estate im Antriebskapitel. Der leicht dröhnige Motor zieht zwar gut durch, 9,6 Liter Testverbrauch und die Euro 3-Schadstoffnorm aber sind nicht mehr zeitgemäß. Das und die dürftige Sicherheitsausstattung (keine aktiven Kopfstützen) werfen den X-Type trotz ähnlich standfester Bremsen wie bei Opel und Honda weit zurück.

Wenn der 407 SW trotzdem nur auf dem dritten Platz landet, so liegt das daran, dass er das letzte Quäntchen Pragmatismus dem Lifestyle-Gedanken opfert. Viele werden ihn gerade dafür lieben. Für die Praktiker gibt es schließlich den Opel. Als Mittler zwischen den Welten bleibt der sportliche Honda.

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Alexander Bloch

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