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Seat Altea Freetrack - Nissan Qashqai Vergleichstest

Sanfter Anflug

19 Bilder

Sie kommen aus zwei verschiedenen Welten: Der auf Abenteuer geschminkte Van von Seat misst sich mit Nissans neuem Allrad-Verkaufsschlager Qashqai.

20.05.2008 Powered by

Ein bisschen von allem: auf Neudeutsch „Crossover“. So bezeichnet man in den Marketingabteilungen die Wanderer zwischen den Welten, die mit ein wenig Geländetauglichkeit, einer Prise Übermut, zwei gro­ßen Löffeln Familiensinn und einem kräftigen Schuss Praxisnutzen zusammengemixt werden. Nichts Neues eigentlich, denn schon früher versuchten sich Firmen wie Renault ­ (Scénic RX4) und VW (Golf ­Country ) an solchen Zwitterwesen. Damals schien die Zeit dafür noch nicht reif. Ist sie es heute?

Nissan und Seat nähern sich dem Thema aus unterschiedlichen Richtungen: Die Japaner haben mit dem Qashqai ein eigenständiges Fahrzeug auf die Räder gestellt, das – wahlweise mit Front- oder Allradantrieb – ausdrücklich auch im Revier von Golf und Co. auf die Jagd gehen soll. Seat dagegen brachte 2004 den Altea , stellte voriges Jahr die Langversion Altea XL vor und trimmt den jetzt mit allerlei Zierrat und Haldex-Allrad in Richtung Abenteuer. Unter dem Namen Freetrack soll er vornehmlich SUV-Interessenten zum Kaufen animieren.

Allrad nur bei den Topversionen

Wer zur Freizeit-Optik den Sicherheitsgewinn eines Allradantriebs wünscht, muss bei beiden Herstellern die jeweils stärksten Motoren bezahlen. Beim Seat ist das der Zweiliter-TDI mit strammen 170 PS und – obwohl diese VW-Technik nach und nach in Rente geht – Pumpe-Düse-Einspritzung. Den vernünftigeren 140-PS-Diesel gibt es nur mit Frontantrieb. Gleiches bei Nissan: Kühle Rechner, die es beim Basis-1,5-Liter-dCi für 21.750 Euro bewenden lassen wollen, bekommen keinen Allrad – den hat nur der 150 PS starke Zweiliter-Diesel.

Obwohl sich die beiden in Designmerkmalen wie der nach hinten abfallenden Dachlinie, dem kecken Gegenschwung in der D-Säule und sogar dem aufgesetzten Dachkantenspoiler ähneln, ist der Altea eine halbe Nummer größer: 178 Millimeter hat er dem Nissan an Länge voraus. Die verschwendet der Altea Freetrack aber zum Teil im gewaltigen vorderen Überhang; der Qashqai hat dagegen – wichtiges Komfortmaß für die Passagiere – 54 Millimeter mehr Radstand. Dennoch: In den Spanier lässt sich mehr Gepäck laden, und die Besatzung spürt in beiden Sitz­reihen die größere Kopf- und Ellenbogenfreiheit, besonders hinten.

Seat Altea Freetrack

Der Seat geht auch bei den Fahrleistungen deutlich in Führung – in stärkerem Maß, als die 20 Mehr-PS vermuten lassen. Beim Sprint aus dem Stand und bei der Höchstgeschwindigkeit lässt er den Qashqai weit hinter sich. Der ist wahrlich nicht langsam, hinkt aber subjektiv deutlicher hinterher, als es die Messwerte vermuten lassen: Der Renault- Motor im Nissan reagiert nicht ganz so bissig aufs Gas wie der VW- Motor im Seat. Nach dem Schalten braucht er eine kurze Verschnaufpause, um Druck aufzubauen, während der Altea-2.0-TDI längst schon wieder kernig zupackt. Das kann er sich auch leisten: Sein sehr sicheres und durchaus sportliches Fahrwerk liefert – ganz unüblich für diese Fahrzeug-Kategorie – sogar im Wedelkurs durch die Pylonengasse eine Glanzleistung ab. Wenig Aufbaubewegung, eine sehr präzise Lenkung, dazu ausgezeichnete Sitze mit ordentlich Seitenhalt: Eine sportliche Limousine könnte es kaum besser als der spanische Crossover.

Nissan Qashqai

Der Qashqai kommt da nicht ganz mit. Er schaukelt in Wechselkurven spürbar, die wie beim Seat elektrisch unterstützte Lenkung ist sehr leichtgängig, vermittelt etwas weniger Fahrbahngefühl. Im Alltag bietet er gegenüber dem straffen Altea Freetrack wiederum besseren Federungskomfort, kurze Unebenheiten bringen ihn allerdings speziell bei flotter Fahrt aus dem Tritt, sie führen zum Stuckern des Fahrwerks. Bei den Bremswerten liefert der Qashqai voll beladen zwar eine ausgezeichnete Performance, leer fällt er allerdings erheblich hinter den besseren Seat zurück. Sehr gut gelungen ist dagegen die Geräuschdämmung des Motors, der viel dezenter in Erscheinung tritt als der knurrige Pumpe-Düse-Diesel im Altea. Erst bei hohem Autobahntempo wird es im Qashqai etwas lauter, zerrt der Fahrtwind hörbar am Gehäuse.

Bei der Bedienung kann der Seat eher überzeugen. Knöpfe und Schalter sind konzentrierter und logischer gruppiert. Beim Nissan verwirren die über das halbe Lenkrad verteilten Taster und das etwas verspielte Bedienkonzept des Navi-Geräts. Das digitale Multidisplay des Bordcomputers in der Tachomitte mit seiner winzigen Schrift ist schlecht ablesbar – dort steht auch die Tankanzeige. Schwachpunkt beim Seat: Sein Navigationssystem ist auf dem Stand von gestern, langsam in der Berechnung und mit Schwächen bei der Ortskenntnis. Wer es mit den beiden tatsächlich auch einmal abseits der Straße versuchen möchte, wird vor allem vom Seat enttäuscht. Nicht nur die ellenlangen Überhänge vereiteln eine ausgedehnte Spazierfahrt ins Grüne. Auch die recht geringe Bodenfreiheit verdeut licht, dass der Allrad beim Altea allenfalls Traktionshilfe auf Straße und Wiese sein kann. Hinzu kommt das extrem steife ­Fahrwerk mit der schlechtesten Verschränkung, die wir jemals gemessen haben. Da ist der Qashqai der Einäugige unter den Blinden – flexibleres Fahrwerk sowie mehr Bodenfreiheit. Und er erlaubt, Einfluss auf den Allradantrieb zu nehmen. Der lässt sich nämlich starr schalten – allerdings auch nur bei bis zu 40 km/h.

Fazit

Der Seat ist sehr sportlich, mangels jeglicher Gelände­fähigkeiten wirkt die Abenteuer-Optik extrem übertrieben. Der Nissan kann offroad ein bisschen mehr, ist onroad ­gemütlicher unterwegs, bietet aber nicht ganz so viel Platz.

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