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Alfa 145 1.7 16 V gegen BMW 316i Compact

Kompaktklasse im Doppeltest

Es war schon immer etwas teurer, BMW zu fahren: Der Basis-Compact 316i kostet 1.800 Mark mehr als der stärkste Alfa 145, der 1.7 16V. Stellt das umfangreich ausgestattete italienische Kompaktmodell auch die bessere Alternative dar?

08.04.1995

Wer in der Kompaktklasse schick angezogen sein will, setzt seit der letzten Modellsaison auf die Kreationen der Häuser BMW und Alfa. Eigenwillige Linien und ausgefallene Formen unterscheiden die Entwürfe mit Namen Dreier Compact und 145 von den Prêtà- porter-Kollektionen, mit denen die Konkurrenz in dieser Klasse die Geschmackszentren der Kunden seit Jahren fordert. Doch wie die Modelle eines Wolfgang Joop oder Giorgio Armani verfügen auch diese zwei Trendsetter über ganz individuelle Handschriften. Während der Dreier Compact mit seinem Stummelheck und der sehr flach verlaufenden Heckscheibe das Flair eines Coupés versprüht, erinnert der Alfa 145 wegen des steilen Kombihecks und der flach abfallenden Motorhaube hingegen eher an einen wohlgeformten Van im Miniformat.

Beide Modelle tragen zwar offiziell die Konfektionsgröße Kompaktklasse. Trotzdem paßt der Dreier Compact nicht ganz in den Preisrahmen eines 145: Wo beim Alfa die Preisliste aufhört, fängt sie beim BMW noch nicht einmal an. 32 700 Mark kostet der teuerste 145 mit dem neuen, 129 PS starken 1,7 Liter- Vierventiler, inklusive FahrerAirbag, ABS, Nebelscheinwerfer, Leichtmetallfelgen, elektrischen Fensterhebern vorne, Zentralverriegelung und Kopfstützen im Fond. Den Basis- Dreier Compact mit 102 PS starkem 1,6 Liter-Vierzylinder gibt es erst ab 34 500 Mark – zwar zusätzlich mit Beifahrer- Airbag (Alfa: 500 Mark), aber ohne elektrische Fensterheber, Nebelscheinwerfer und Leichtmetallfelgen. Doch nicht nur günstiger Preis und umfangreiche Ausstattung sprechen für das italienische Kompaktmodell. Auch die Karosserie vermittelt auf den ersten Blick ein Gefühl von Großzügigkeit, das der BMW in diesem Umfang nicht bietet. Beifahrer finden im Alfa aufgrund des ausgeschnittenen Armaturenbretts soviel Beinfreiheit wie in keinem anderen Modell dieser Klasse, und Fondpassagieren steht Kopffreiheit im Überfluß zur Verfügung.

Im coupéartigen Compact müssen großgewachsene Menschen auf der Rücksitzbank den Kopf einziehen. Einen Raumvorteil verzeichnet der Alfa gegenüber dem BMW auch im Gepäckabteil: bei umgeklappter Rücksitzbank ein Kofferraumvolumen von 1130 Litern. Der BMW bietet mit 1030 Litern nicht nur weniger, er läßt sich wegen des schmalen Kofferraumausschnittes auch schlechter beladen. Da beim Alfa nicht nur die Rücksitzlehne, sondern auch die Bank umklappbar ist und die Raddome nicht allzuweit hereinreichen, lassen sich hier sperrige Gegenstände mühelos transportieren. Doch wer sich vom schönen Schein des 145 nicht allzu sehr blenden läßt, wird in der Praxis auch einige gravierende Mängel feststellen. Die Karosserie verfügt zwar ein über ein sehr gutes Raumangebot, hinterläßt aber gleichzeitig einen unbefriedigenden Qualitätseindruck.

Es sind vor allem Knistergeräusche im Armaturenbrett und im Bereich der B-Säule, die nicht nur auf langer Fahrt nerven. Auch Schwächen im Detail, wie die unsensibel reagierende Fernbedienung der Zentralverriegelung, der überfrachtete Lenkstockhebel oder die im Armaturenbrett versteckte Kofferraumentriegelung, machen den Umgang mit dem Alfa in der Praxis manchmal schwer. Der BMW läßt mit seiner blitzsauberen Verarbeitung und der sehr guten Funktionalität erahnen, warum der Mehrpreis von 1800 Mark gut angelegt sein könnte. Mit dem rassigen Auftritt des 145 kann der Boxermotor unter der schönen Hülle nicht ganz mithalten.

Wenn auch der Antritt durchaus vielversprechend ist, so will sich die Kraft lange nicht so harmonisch entfalten wie beim BMW, obwohl der immerhin über 27 PS Leistung weniger verfügt als der Alfa. Dem 145 fehlt es vor allem im mittleren Drehzahlbereich an Durchzugskraft. Dieses Defizit wird durch die kurze Übersetzung teilweise kompensiert. Aber dadurch erreicht der Motor bei schneller Fahrt sehr hohe Drehzahlen und nervt mit einem aufdringlichen Arbeitsgeräusch, das nicht einmal das Radio übertönen kann. Obwohl der 145 über mehr Hubraum und Leistung verfügt, kann er dem BMW in der Praxis kaum davonfahren. Das Compact-Triebwerk tritt zwar im unteren Drehzahlbereich nicht ganz so temperamentvoll an, dafür dreht er viel gleichmäßiger hoch und spricht in jedem Drehzahlbereich gut an.
Subjektiv hat man keinesfalls das Gefühl, in einem Auto zu sitzen, das schwächer motorisiert ist als der 145. Einen Maßstab setzt der BMW-Vierzylinder in dieser Klasse hinsichtlich seiner Laufkultur. Selbst bei hohen Geschwindigkeiten ist das Triebwerk im Vergleich zum Alfa kaum zu hören. Erfreulich auch, daß der BMW mit konventioneller Zweiventiltechnik viel weniger Durst entwickelt als der Alfa- Vierventiler. Er braucht immerhin zwei Liter Super bleifrei weniger als der neu entwickelte Boxermotor, der mit einem Testverbrauch von 10,8 Litern auf 100 Kilometer nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist.

Zum guten Wohlbefinden im BMW trägt neben der gelungenen Antriebseinheit auch der Fahrkomfort bei. Obwohl der Compact aus Kostengründen mit der einfachen, vom Dreier-Vorgänger übernommenen Schräglenker-Hinterachse leben muß, bietet er einen durchaus ansprechenden Federungskomfort. Der straffer abgestimmte Alfa, dessen Radstand immerhin 16 Zentimeter kürzer ist, kann dieses Niveau weder auf kurzen noch auf langen Bodenwellen erreichen. Er gibt fast jede Fahrbahnunebenheit ungefiltert an die Passagiere weiter, die auf den Sitzen mit kürzer geratenen Flächen und Lehnen zudem nicht ganz so komfortabel untergebracht sind wie in den Compact-Polstern.
Federn läßt der Alfa in der Komfortwertung auch wegen seiner unzureichenden Heizwirkung. Im Winter muß der Fahrer geraume Zeit frieren, bis warme Luft zu ihm durchdringt. Das Risiko, sich im BMW eine kalte Nase zu holen, ist dagegen viel geringer. Warm ums Herz wird dem Tester dagegen hinsichtlich der mustergültigen Fahreigenschaften des 145. Fronttrieblertypisch untersteuert er in schnell durchfahrenen Kurven etwas stärker als der BMW, und er erfordert auch höhere Haltekräfte in der Lenkung. Er verhält sich aber im Extremfall, genau wie der Compact, absolut gutmütig und bleibt jederzeit beherrschbar. Einen Schwachpunkt stellen allerdings die Bremsen des 145 dar.
Auf hohe Belastung reagieren sie mit erheblichem Fading, obwohl im Gegensatz zum Compact nicht nur vorne, sondern auch hinten Scheibenbremsen zum Einsatz kommen: 50,8 Meter dauert es, bis der Alfa mit heißen Bremsen aus 100 km/h zum Stehen kommt, der BMW braucht dagegen nur 42,9 Meter. Trotz des günstigeren Preis- Leistungs-Verhältnisses stellt der Alfa also keine wirklich überzeugende Alternative zum Dreier Compact dar. Nicht nur der bessere Komfort, sondern auch die harmonischere Antriebseinheit, der niedrigere Verbrauch und die bessere Qualität sprechen für den BMW. Der eigenwillig gestylte Alfa vermag zwar optisch neue Akzente zu setzen. Aber selbst das schönste Kleid verliert an Reiz, wenn die Nähte nicht richtig sitzen.

Fazit

1. BMW 316i Compact
107 Punkte

Kultivierter, durchzugsstarker Vierzylinder, gute Verarbeitungsqualität, ausgewogener Federungskomfort. Eingeschränkte Kopffreiheit im Fond, mäßiges Platzangebot im Kofferraum.

2. Alfa Romeo 145 1.7
96 Punkte

Sehr gute Kopffreiheit, viel Beinfreiheit für den Beifahrer,großer, variabler Kofferraum, gute Ausstattung. Mäßige Verarbeitungsqualität, lauter Motor, durchschnittliche Fahrleistungen, hoher Verbrauch, unbefriedigende Bremsen.

Technische Daten
BMW 316i CompactAlfa Romeo 145 1.7 16V
Grundpreis17.742 €17.026 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4210 x 1698 x 1393 mm4093 x 1712 x 1427 mm
KofferraumvolumenVDA300 bis 1030 L320 bis 1130 L
Hubraum / Motor1596 cm³ / 4-Zylinder1712 cm³ / 4-Zylinder
Leistung75 kW / 102 PS (150 Nm)95 kW / 129 PS (148 Nm)
Höchstgeschwindigkeit188 km/h200 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h12,3 s
Verbrauch7,7 L/100 km
Testverbrauch8,6 L/100 km10,8 L/100 km
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