Wen wundert das schon: ein rassiges Sportcoupé von Alfa Romeo mit drei Liter großem Vierventil-Sechszylinder und 220 PS. Das ist kein ungewöhnliches Angebot der traditionsreichen, sportlich orientierten Marke aus Mailand, die 1986 bei Fiat Unterschlupf fand. Aber dazu ein ernsthafter Konkurrent mit dem Label der Konzern-Mutter auf der Motorhaube, das gab es seit Jahrzehnten nicht mehr. Beide Autos haben ihre Sportwagen-Qualitäten bereits mit schwächeren Motoren unter Beweis gestellt. Nun wurde quasi im Gleichschritt aufgerüstet. Fiat installierte im Coupé als Topmotorisierung einen aufgeladenen Zweiliter-Fünfzylinder mit Vierventiltechnik, der zur modernen Familie der Modular-Motoren gehört.
Die Abgasturbine pustet das Gemisch mit einem maximalen Druck von 1,2 bar in die Zylinder und ermöglicht so eine beachtliche Nennleistung von 220 PS bei 5750/min. Das genügt, um dieses Coupé mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h zum schnellsten Fiat-Serienmodell aller Zeiten zu machen. Der neue Alfa GTV läuft mit 240 km/h kaum langsamer. Sein Motor hat einen Zylinder und einen Liter Hubraum mehr, aber keinen Turbolader. Hier steuern ebenfalls vier Ventile pro Brennraum den Gaswechsel und heben die Leistungsausbeute von 192 PS (Zweiventiler) auf 220 PS an. Daß der V6 es nicht auf 232 PS bringt wie die nahezu identische Maschine im 164 QV, liegt hauptsächlich an der geänderten Abgasanlage. Die konstruktiv so unterschiedlichen Motoren prägen ganz wesentlich die Charaktere dieser Sportwagen, die beide auf differente Art überaus reizvoll sind. Der Sechszylinder gefällt vor allem durch seine ausgewogene Leistungsentfaltung. Er läuft vibrationsarm, reagiert willig auf kleinste Gaspedalbewegungen, tritt auch bei niedrigen Touren sofort kraftvoll an und vermittelt unter fast allen Bedingungen das Gefühl souveräner Motorisierung.
Sein angenehmes Treiben untermalt er mit einer sonoren, sportlichen Geräuschentwicklung, die ein wenig verbindlicher wirkt als die etwas härter klingende Tonart des Fünfzylinders. Trotz seiner Ausgleichswelle zur Reduzierung unerwünschter Schwingungen läuft der Turbomotor im Fiat nicht ganz so weich wie der V6. Dafür sind die leichte Ruckelneigung bei niedrigen Drehzahlen sowie das geringfügig verzögerte Ansprechen aufs Gas verantwortlich. Dennoch steht außer Frage: Die Nachteile der Aufladung wurden vorbildlich kaschiert. Im Gegensatz zu Turbotriebwerken älterer Generationen entwickelt der Fünfzylinder schon im unteren Bereich kräftigen Vortrieb, der erst beim Überschreiten der 3000 Touren- Marke durch den dann vehement einsetzenden Schub relativiert wird. Es ist schon beeindruckend, wie kraftvoll der Fiat nach vorne stürmt und mit welcher Leichtigkeit sein Motor bis an den roten Bereich dreht, da können der Alfa und sein V6 nicht Paroli bieten.






