Ein Volvo-Kombi mit Dieselmotor – das allein ist noch keine neue Botschaft. Seit 1979 erfreut sich diese Kombination regen Zuspruchs unter den Käufern der Baureihen 240, 740/760 und 940, obwohl der aus dem VW LT übernommene Sechszylinder-Diesel nicht gerade für einen gepflegten Umgangston bekannt ist. Die Kunden hat es nicht gestört, weil dies auch für die früheren Ottomotoren gilt und ihre rustikale Art gut zum ruhigen Charakter dieser Autos passt. Für den komplett neuen Typ 850, der 1991 mit einem kultivierten Fünfzylinder-Benziner auf den Markt kam, musste jedoch ein moderner Selbstzünder her. Wegen der beengten Einbauverhältnisse war ursprünglich der 2,5 Liter-Vierzylinder aus dem Safrane vorgesehen, aber nach der geplatzten Fusion mit Renault fand man passenden Ersatz erneut im Fundus des VW-Konzerns. Ab Januar 1996 wird der zugleich sparsame und temperamentvolle Fünfzylinder-TDI mit 140 PS, der seit gut einem Jahr im Audi A6 alle Erinnerungen an das einstige Phlegma dieser Bauart auslöscht, auch den Mittelklasse- Volvo beflügeln. Ein Blick unter die Volvo- Motorhaube gibt die Herkunft nicht auf Anhieb preis. Der Direkteinspritzer verbirgt sich unter einer neugestalteten Verkleidung und ist quer statt längs eingebaut. Im Gegensatz zum Sechsganggetriebe des Audi überträgt eine Volvo-Schaltbox mit fünf Gängen die Kraft auf die Vorderräder, doch in Leistung und Drehmomentverlauf liegen beide Motoren gleichauf. Bei fast identischem Leergewicht und Luftwiderstandsbeiwert (cW Audi 0,34/Volvo 0,32) sind daher keine nennenswerten Unterschiede im Fahrbetrieb zu erwarten. Zwar weisen die Messwerte in der Vergleichstabelle (siehe Seite 61) den Audi in Beschleunigung, Elastizität und Höchstgeschwindigkeit als eine Spur agiler aus, aber diese Unterschiede haben selbst beim Fahren im direkten Vergleich keine Bedeutung. Der Volvo scheint das Anfahrloch unter 2000/min sogar etwas besser zu überwinden, tritt allerdings subjektiv weit vernehmlicher in Erscheinung. Das liegt nicht nur an seiner schlechteren Schallisolierung, sondern vor allem an den ausgeprägten Vibrationen. Besonders bei niedrigen Drehzahlen schüttelt sich der Motor heftig und nagelt nach dem Kaltstart länger als im Audi. Hier zeigt sich, dass der Direkteinspritzer- Diesel wegen seines harten Verbrennungsvorgangs intensiver Feinabstimmung bedarf, um eine für Personenwagen akzeptable Laufkultur zu erreichen. Trotzdem wirkt dieses Trecker-Gefühl im Volvo eher beruhigend als nervtötend. Es unterstreicht den durchzugskräftigen Charakter des Motors und vermittelt etwas von der wohligen Behaglichkeit früherer Dieselautos vom Schlage eines Mercedes 180 D. Und weil man in beiden Autos so sparsam wie im lahmen Oldie unterwegs sein kann, fällt auch der etwas höhere Testverbrauch des 850 (8,0 gegenüber 7,8 Liter pro 100 Kilometer) nicht übermäßig ins Gewicht.
Doppeltest Audi A6 Avant 2.5 TDI gegen Volvo 850 Kombi 2.5 TDI
In den ladefreundlichen Kombiversionen von Audi A6 2.5 TDI und Volvo 850 TDI schlägt das gleiche Herz: ein 2,5 Liter-Direkteinspritzer-Turbodiesel mit 140 PS. In welchem der beiden Konkurrenten kann der starke Fünfzylinder am meisten überzeugen?
Autor: Bernd Stegemann





