Doppeltest Chrysler Grand Voyager 2.5 TD gegen Mercedes V 230 TD

Die Koffer ganzer Touristengruppen lassen sich im Heck des Chrysler Grand Voyager 2.5 TD und des Mercedes V 230 TD unterbringen. Ein Test zeigt, welcher Van der angenehmere Reisebegleiter ist.

Auf Reisen ist es immer angenehm, wenn man ein wenig von dem mitnehmen kann, was einen auch zu Hause erfreut, beispielsweise die Familie, den Hund oder das Fahrrad. Mußte man sich zu Zeiten der Busreisen noch auf die Familie und einen Koffer beschränken, kann heute in einem Van neben den Lieben praktisch der halbe Hausstand mit in die Ferien fahren. Zwei Spezialisten für den Urlaub mit großem Gepäck sind der Grand Voyager SE 2.5 TD von Chrysler für 53 925 Mark und der V 230 TD von Mercedes für 54 015 Mark, wobei letzterer dank seiner größeren Breite und Höhe voluminösere Stücke als der Chrysler schluckt, der wiederum mit 655 Kilogramm Zuladung den Mercedes um 64 Kilogramm schlägt. Beim Beladen erfreuen zwar beide mit niedrigen Ladekanten und portalartigen Heckklappen, aber es offenbaren sich auch Unterschiede.

Dem Einräumen von der Seite zeigt sich der Grand Voyager aufgeschlossener. Er verfügt serienmäßig über zwei Schiebetüren, während die linke Schiebetür bei Mercedes extra berechnet wird und das Konto mit 1225 Mark belastet. Eine Belastung ist auch das hohe Gewicht der V-Klasse-Bestuhlung. Mercedes integriert in die vier Einzelsitze im Fond jeweils einen Dreipunkt-Automatikgurt. Unter der dafür nötigen stabilen Konstruktion aus Stahl leidet aber die Variabilität. Sind die rund 40 Kilogramm schweren Sitze erst ein- mal aus- oder entgegen der Fahrtrichtung eingebaut (Konferenzposition), wird man sich hüten, in einem weiteren Kraftakt wieder eine andere Bestuhlungsvariante auszuprobieren. Auch Mercedes scheint das Problem erkannt zu haben. Zur Zeit werden verschiedene Alternativen untersucht. Schon jetzt kann man die V-Klasse für 1576 Mark Aufpreis mit einem Extraplatz in der zweiten Reihe zum Siebensitzer ausbauen. Der serienmäßig siebensitzige Chrysler zeigt sich hier kundenfreundlicher.

Die mit 19 Kilogramm vergleichsweise leichten Einzelsitze der zweiten Reihe lassen sich einfach einund ausbauen, und die Sitzbank in der dritten Reihe kann mit einem Handgriff auf Gleitschienen verschoben werden. Dadurch steigt das Gepäckvolumen beträchtlich, ohne gleich die Sitzbank (48 Kilogramm) ausbauen zu müssen. Soll die allerdings dem Gepäck weichen, sind helfende Hände nötig; allein ist die Demontage des sperrigen Dreisitzers nicht zu bewerkstelligen. Bis auf den mittleren Platz ganz hinten sind im Voyager alle Sitzplätze mit Dreipunktgurten ausgestattet. Chrysler schraubt aber lediglich die Gurtschlösser direkt an die Sitze und das Gurtband mit Aufrollsystem an die Karosse. Üblicherweise sitzt es sich im Van in der ersten Reihe deutlich komfortabler als dahinter. Der Voyager macht da keine Ausnahme. Während hinten und in der Mitte die Oberschenkel stark angewinkelt werden müssen und die Sitzflächen für Erwachsene etwas kurz geraten sind, sitzen Fahrer und Beifahrer sehr bequem. Ein serienmäßig höhenverstellbares Lenkrad und das übersichtliche Armaturenbrett sorgen zusätzlich für entspanntes Reisen.

In der V-Klasse sind die Verhältnisse auf den Kopf gestellt. Hinter dem nicht verstellbaren, flach stehenden Lenkrad kommt Lkw-Feeling auf. Hier kann die V-Klasse ihre Abstammung vom Transporter Vito nicht verleugnen. Für zusätzliches Unbehagen hinter dem Volant sorgt außerdem der sehr knapp bemessene Fußraum. Spätestens ab Schuhgröße 44 wird es unbequem: Links steht der Radkasten im Weg, in der Mitte die Lenksäule und rechts behindert ein Luftausströmer den schnellen Wechsel von Gas- zu Bremspedal. Die scheinbar etwas wahllos über die Armaturentafel verteilten Schalter sowie die Multifunktionshebel für Licht, Blinker und Scheibenwischer entsprechen ebenfalls nicht den von Mercedes gewohnten Standards. Wer möchte da nicht in der zweiten oder dritten Reihe sitzen? Hier zeigt sich die VKlasse nämlich von ihrer starken Seite.

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Christian Bangemann

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