Doppeltest Maserati Coupé Cambiocorsa gegen Porsche 911 Carrera

Der 390 PS starke Maserati Coupé Cambiocorsa tritt gegen den ab Werk auf 345 PS erstarkten Porsche 911 an. Entthront das italienische Sportcoupé den deutschen Sportwagen-Klassiker?

Maserati ist wieder da. Unter der hingebungsvollen Pflege des Ferrari-Mutterhauses wird ein neuer, charismatischer V8-Saugmotor installiert, Amerika ins Auge gefasst und die Zukunft ebenso. Plötzlich traut man den bis dato etwas lendenlahmen Exoten wieder etwas zu, plötzlich findet Maserati die eigene Mitte wieder: elegant, mit stilsicherer Noblesse und trotzdem ewig vibrierender Unruhe.

Und wie dieser neue Geruch in der Luft liegt, nehmen auch alte Konkurrenten, die bisher nur desinteressiert dreinschauten, wieder den Fehdehandschuh auf. Der Porsche 911 zum Beispiel. Unter den Sportwagen mit ausgeprägter Alltags-Bodenhaftung gehört der Klassiker ja zu den bürgernahsten.

Allerdings kommt das neue Maserati Coupé mit seinem zurückhaltenden Gran-Turismo-Stil dem Carrera regelrecht auf der selben Spur entgegen. Der Erzfeind Ferrari wildert da unter dem Maserati-Label geradezu unverschämt preisgünstig im Porsche-Revier und drückt bei der Kundschaft all die richtigen Knöpfe: feine Sportlichkeit, ein großer Name, klassisch-dezent und trotzdem infernalisch schnell.

Angesichts eines deutlichen Hubraum- und Leis-tungsmankos gegenüber dem Maserati Coupé mit seinem 390 PS leistenden 4,2-Liter-V8 legt der nominell 320 PS starke 911 schnell noch den ab Werk erhältlichen Leistungskit (9726 Euro) mit modifizierten Zylinderköpfen, scharfen Nockenwellen, neuem Steuergerät sowie Ein- und Ausatem-Erleichterungen nach.

Auf nun deutlich weniger blamable 345 PS erstarkt, sollte es der rund 250 Kilogramm leichtere Porsche auf jeden Fall mit dem Italo-Coupé aufnehmen können.

Der wirft aber mit dem 5000 Euro teuren, sequenziellen Cambiocorsa-Getriebe eine Formel 1-Spezialität ins Rennen, der eine Porsche-Tip-tronic nicht ebenbürtig ist. Also rückt der Porsche dem Maserati mit konventionellem Sechsgang-Schaltgetriebe zu Leibe.

Und sieht dabei recht gut aus. Das Porsche-Getriebe schaltet sich nämlich hervorragend, elektrische Gimmicks werden hier nicht vermisst. Im Gegenzug nervt der Maserati auch nach Eingewöhnung durch harte Schaltrucke, kapriziöse Getriebeeigenschaften in engen Serpentinen und rüde Schaltkultur im Stadtverkehr. Im Sportmodus kloppt sich das Getriebe so richtig brutal auf die Zahnräder, zum Thema Dauerhaltbarkeit dürfte hier noch nicht das letzte Wort gesprochen sein.

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Johannes Riegsinger

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