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Doppeltest Mercedes C 200 K Sportcoupé gegen VW Golf 2.3 V5

Das vernünftige Mercedes C 200 K Sportscoupé und der unvernünftige VW Golf V5 haben eine gemeinsame Schnittstelle: Sie verdichten den schnellen Herzschlag der Autonarrheit und das beruhigende Gefühl der Vernunft zu einem runden Paket – aber von unterschiedlichen Ausgangspunkten.

02.04.2003

Irgendein junger Mercedes musste ja mal etwas widerborstiger daherkommen. Und genau deshalb verzeiht man dem Mercedes Sportcoupé spontan den schockierenden Entenbürzel. Nach kurzer Eingewöhnungsphase senkt sich die keilförmige Sportcoupé-Silhouette ins Bewusstsein, und das große Wohin-will-Mercedes-Fragezeichen macht einem zustimmenden Kopfnicken Platz.

Ein wenig Extravaganz darf in diesem Vergleichstest ja auch nicht fehlen. Hier, wo sich die Vernunft eines Kompakten mit der gelassenen Lebensart der oberen Klassen paart.

Vernünftig ist am Mercedes auf alle Fälle der 163 PS starke Zweiliter-Kompressormotor, der hier nicht die Rolle des mageren Basistriebwerks spielt, sondern die sportive Mitte in der Sportcoupé-Motorenpalette markiert. Und der Kompressor-Schriftzug am Heck wirkt einfach richtig drahtig.

Der VW Golf ist ja schon an sich vernünftig. Er gilt als Deutschlands gemeinsamer Nenner. Der Bürger-Meister braucht als Pulsbeschleuniger aber mindestens den hart knurrenden, neuerdings 170 statt 150 PS austeilenden Fünfzylinder, um mit dem Sportcoupé gleichzuziehen. Nominell. In den Verkaufsräumen sieht die Sache ganz anders aus.

Wer Golf sagt, sagt meist auch TDI, und schon aus diesem Grund wurde der Golf V5 bislang in nahezu homöopathischen Dosen verteilt. Wer aber ein Sportcoupé erstehen will, muss sich bereits jetzt mindestens sechs Monate lang hinten anstellen. Es ist eben weitaus einfacher, einen vernünftigen Mercedes zu verkaufen als einen unvernünftigen Golf – trotz des ausstattungsbereinigten Preisunterschiedes von 5000 Mark zugunsten des Volkswagens. Und trotz der handfesten Vorteile des Wolfsburger Klassikers.

Seine Karosserie ist kompakter und deutlich übersichtlicher. Das trendige Stummelheck des Mercedes und seine ansteigende Seitenlinie machen den optionalen Einpark-Warnpiepser Parktronic hingegen fast unentbehrlich. Hier wirft der VW seine unkomplizierte Form in die Waagschale: Ein Golf ist quadratisch, praktisch, gut. Immer noch.

Er bietet ein besseres Raumgefühl für Fahrer und Beifahrer sowie mehr Platz für das Gepäck. Die Funktionalität des Golf kann als unbestreitbar gut bezeichnet werden. Und selbst seine Qualitätsanmutung bleibt nur wenig hinter der des Mercedes zurück. Der tut sich höchstens durch das bessere Raumgefühl im Fond sowie ein ambitionierter gestaltetes Interieur hervor: Aluminium-Mittel-konsole im Sportcoupé, tristes Basis-Ambiente im Golf.

Echten Mehrwert offeriert der Mercedes C 200 K jedoch durch seine bessere Serienausstattung. Im Grundpreis von 50 593 Mark sind Multifunktionslenkrad, Bordcomputer, Tempomat, Kopfairbags sowie eine funkfernbediente Zentralverriegelung inklusive – allein für diese Ausstattungsdetails müssen zum Grundpreis des Golf V5 (43 811 Mark) weitere 2480 Mark addiert werden.

Dazu bietet der Mercedes all die kleinen Annehmlichkeiten, die in der Modellpalette eines echten Premiumherstellers von oben nach unten sickern – sozusagen aus der S- in die C-Klasse – und die für einen echten Premium-Golf erst erfunden sein wollen: Blinker mit Komfort-Tipp-Schaltung, je nach Tageslicht automatisch einschaltende Scheinwerfer, automatische Türschließung, Tempomat mit variabler Geschwindigkeitsbegrenzung und für die Eitlen eine Metallleiste mit Mercedes-Schriftzug im Einstieg.

Der Reiz des Golf hingegen liegt nicht im kalkulierten Abwägen von Wiederverkaufs- und Imagewerten; er lebt aus der fröhlichen Verquickung eines braven Millionen-Autos mit einem pfeffrigen Nischentriebwerk. Alles ist so bekannt am, in und um den Golf, dass man unwillkürlich die Ohren spitzt, wenn der 2,3-Liter-Fünfzylinder mit dem typisch trommelnden

Sound für ganz ungolfigen Vortrieb sorgt: In 7,8 Sekunden bläst der V5 aus dem Stand auf 100 km/h und lässt den 146 Kilogramm schwereren Mercedes damit um eine ganze Sekunde zurück.

Die feinnervige Gasannahme des Fünfzylinders kann ebenfalls überzeugen. Auf der Gegenseite muss im Antrieb des Mercedes C 200 Sportcoupé ein spürbares Anfahrruckeln verbucht werden.

Die guten Fahrleistungswerte des V5-Golf haben neben dem kräftigen Motor allerdings noch einen zweiten Grund. Zu Hilfe kommt dem Golf in der Papierform ein etwas hölzern zu schaltendes, aber kurz übersetztes Fünfganggetriebe: Die vierte Gangstufe reicht noch bis 200 km/h, im letzten Gang dreht das Triebwerk ungeniert und robust vibrierend bis in den Begrenzer. Gut für die Elastizitätswerte, gut für ein sportiv-antrittsstarkes Fahr-Feeling, aber alles in allem eben nicht so gut wie das harmonischer abgestufte Sechsganggetriebe des Mercedes. Dem ist beim Herstellen der optimalen Anschlüsse lediglich ein unsportliches, teigiges Schaltgefühl anzukreiden.

Überhaupt: Unter Komfortgesichtspunkten macht der Mercedes sich richtig beliebt. Er kommt hervorragend mit den schönen 17-Zoll-Rädern aus dem Evolution-Sportpaket (3494 Mark) zurecht, bietet trotz sportlicher Fahrwerksabstimmung viel Komfort, ist leiser, gediegener – ein Mercedes eben.

Die optionalen Santa Monica-Felgen mit Reifen im Format 225/45 ZR 17 inklusive Sportfahrwerk (Aufpreis 2679 Mark) stehen dem Golf zwar prima, Fahrkomfort und Lenkverhalten leiden aber spürbar unter den breiten Pneus und deren niedrigem Querschnitt. Polternd rollt der VW über Bodenwellen, Querfugen nimmt er mit deutlicher Stuckerneigung, und Längs-rillen ziehen die Breitreifen geradezu magisch an.

Auch die Golf-Lenkung kann mit diffusem Gefühl um die Mittellage und wenig Rückmeldung im Vergleich zum präzise arbeitenden Gegenstück im Mercedes nicht unbedingt überzeugen. Golf-Exemplare ohne die Show-Bereifung verhalten sich hier wesentlich neutraler. Obendrein macht das bei schneller Fahrt über schlechte Straßen schnell überforderte Sportfahrwerk den Golf zum bockenden Rodeo-Gaul.

Ehrenrettung für den Volkswagen: Die Kritikpunkte an seinem Fahrwerk treten erst im direkten Vergleich mit dem stoisch geradeaus laufenden, jedwede Bodenunebenheit fast ungerührt schluckenden Mercedes Sportcoupé so richtig zutage.

In der Wedelgasse zeigt der V5-Golf ein ähnlich hohes Fahrsicherheitsniveau wie der Mercedes. Dabei wirkt der VW agiler und subjektiv sportlicher. Ein Pluspunkt zumindest in der Fahrspaßwertung.

Erst bei höherem Tempo kann das Sportcoupé seinem Namen Ehre und dem Wolfsburger Emporkömmling Druck machen: Hier gerät die Golf-Welt kräftig untersteuernd aus den Fugen, im C 200 kommen erst die Vorteile der hohen Fahrstabilität zum Tragen. Highspeed wird im VW zur Konzentrationssache, während der Mercedes zielgenau und neutral seine Bahn zieht.

Fazit

1. Mercedes C 200 K Sportcoupé
492 Punkte

Mit gutem Fahrkomfort, sicheren wie neutralen Fahreigenschaften und hohem Sicherheitsniveau kann der Mercedes die Eigenschaftswertung klar für sich entscheiden. Der hohe Kaufpreis spricht gegen ihn.

2. VW Golf V5 Highline
488 Punkte

Der Golf schlägt sich auf hohem Niveau, kann jedoch nicht gegen das überlegene Mercedes-Fahrwerk bestehen. Seine Pluspunkte sind der spritzige, verbrauchsgünstigere Motor sowie die vergleichsweise geringen Anschaffungskosten.

Fazit

Die Eigenschaftswertung kann der Mercedes souverän für sich entscheiden. Das Sportcoupé ist allerdings sehr teuer und hat mit dem angenehmen, aber betulichen Vierzylindermotor kaum sportliches Flair. Pluspunkte des Golf sind sein geringerer Basispreis sowie der knackig ansprechende, gut klingende und sparsamere Motor.

Auch in Sachen Understatement spricht einiges für den extrovertierten Motor in der Bürger-Karosse. Wer hier noch einen draufsetzen will, erhält zum Basispreis des Sportcoupé C 200 Kompressor sogar einen Golf V6. Dann mit energischen 204 PS sowie permanentem Allradantrieb. Und bis auf eben jene finanziellen Parallelen zum Mercedes weit jenseits aller Vergleichbarkeit.

Technische Daten
VW Golf 2.3 V5Mercedes C 200 Kompressor Sportcoupé
Grundpreis23.730 €26.332 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4149 x 1735 x 1444 mm4343 x 1728 x 1406 mm
KofferraumvolumenVDA330 bis 1184 L310 bis 1100 L
Hubraum / Motor2324 cm³ / 5-Zylinder1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung125 kW / 170 PS (220 Nm)120 kW / 163 PS (230 Nm)
Höchstgeschwindigkeit224 km/h230 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h8,2 s9,3 s
Verbrauch8,7 L/100 km10,4 L/100 km
Testverbrauch10,2 L/100 km10,9 L/100 km
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