Doppeltest Mercedes V 230 gegen VW Caravelle VR6

Mit der neuen V-Klasse ist Mercedes endlich in die erste Liga der Großraum-Limousinen aufgestiegen. Dort muss der Ableger des Transporters Vito zeigen, ob er genauso viele Fans findet wie der deutsche Meister VW Caravelle.

Bislang erwies sich Mercedes in modellpolitischer Hinsicht als außerordentlich treffsicher, denn mit fast allen Neuentwicklungen gelang zur Freude der Anhänger ein Schuß ins Schwarze. Das erfolgreiche Team erhält nun, wie einst schon beim G-Modell, Verstärkung aus der Nutzfahrzeug-Sparte des Konzerns. Bei der neuen V-Klasse handelt es sich um einen Ableger des in Spanien gefertigten Transporters Vito. Fans des ersten Mercedes-Vans dürften sich besonders unter der VW Caravelle-Kundschaft fin- den lassen. Auch diese Großraumlimousine basiert auf einem Transporter und bringt hinsichtlich Abmessungen, Gewicht und Raumangebot vergleichbare Daten mit.

Einen ausgesprochen sportlichen Eindruck hinterlassen auf den ersten Blick weder VKlasse noch Caravelle, was angesichts eines hohen Leergewichts von jeweils rund zwei Tonnen kaum verwundert. Doch auch das optische Erscheinungsbild der sehr kantig geratenen Vans spricht für die Vermutung, daß man es eher mit kleinen Lastwagen als mit Limousinen zu tun hat. Obwohl sich Mercedes im Innenraum des Fashion sichtlich bemüht, durch bunte Stoffe und ein farblich abgesetztes Lenkrad Wohnraumatmosphäre zu schaffen, wirkt eine nüchterne Transporter-Stimmung nach. Eine hohe Sitzposition und ein flach stehendes Lenkrad sorgen zusätzlich dafür, daß Führerscheinbesitzer der Klasse drei sich nicht auf Anhieb wohlfühlen. Weil es VW besser gelungen ist, den Arbeitsplatz einer Limousine auf den Van zu übertragen, bleibt dem Fahrer eine Eingewöhnungsphase wie bei der V-Klasse erspart. Das kantige, altmodische Armaturenbrett verrät aber, daß auch hier die Form weit hinter der Funktion zurückstand. Der Reiz dieser großen Autos liegt zweifellos in ihrem Raumangebot.

Auf maximal sieben Sitzen können in den Großraumlimousinen komplette Hallenhandballmannschaften untergebracht werden, VW bietet auf Wunsch sogar Platz für zwei Ersatzspieler. Im Gegensatz zu Minivans wie Renault Espace, Ford Galaxy oder Fiat Ulysse lassen sich auch Sporttaschen noch mühelos verstauen, wobei der VW hier einen deutlichen Punktvorteil gegenüber der VKlasse verbucht, wie ein Vergleich der Quadermaße beweist. Ansonsten fallen die Platzunterschiede bei den beiden Konkurrenten gering aus: Beifahrer finden im Caravelle mehr Beinfreiheit, dafür geht es für die Passagiere in der dritten Reihe bei der V-Klasse etwas großzügiger zu. Komplizierter erweist sich allerdings der Einstieg zu den hinteren Plätzen, der sehr knapp geraten ist, obwohl sich die Sitzlehnen der zweiten Reihe vorklappen lassen. Die Kletterpartie dürfte höchstens kleinen Sportlern Spaß machen. Überhaupt keinen Spaß bereitet die schwergängige Bedienung des Mercedes. Die hohe Variabilität der Einzelsitze verliert ihren Reiz, wenn man be denkt, welche Kraftreserven benötigt werden, um den Innenraum nach Bedarf umzubauen (siehe Kasten Seite 34).

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Birgit Priemer

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