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Drei Doppeltests

BMW 3er, Rover 623, Ford Galaxy, VW Sharan, Opel Vectra und Saab 900

Die wachsende Zahl von Kooperationen im Autogeschäft macht aus Partnern häufig auch Konkurrenten. Erster Fall: BMW 320i gegen Rover 623 Si. Außerdem im Doppeltest: die Vans VW Sharan und Ford Galaxy sowie der neue Opel Vectra und der Saab 900.

02.04.1996

Verwandtschaftliche Beziehungen bestehen zwischen BMW 320i und Rover 623 Si nur auf dem Papier, denn die Mittelklasse-Limousinen kamen lange vor dem überraschenden Eheschluß der beiden Autohersteller zur Welt. Bevor BMW seine Liebe zu Rover entdeckte, suchte die englische Traditionsmarke die Nähe zum japanischen Honda- Konzern, und deshalb heiß der wahre 623-Bruder Accord. Motor, Bodengruppe und Achsen lassen den gemeinsamen Stammbaum erkennen, während sich die Unterschiede auf reine Äußerlichkeiten beschränken. Der in edles Chrom gefaßte Rover-Grill mit dem Wikingerschiff als Firmenwappen in der Mitte vermittelt englischen Stil ebenso wie der Innenraum, der mit heller Lederausstattung sowie Holzapplikationen in Türen und Mittelkonsole zum Verweilen einladen soll wie ein Salon zur Teestunde.


BMW verzichtet auf diese aristokratische Eleganz und läßt beim Dreier durch die gedrungene Form mit kurzen Überhängen und hohem Heckabschluß Sportgefühle in der Mittelklasse aufkommen. Der sachlich gestylte Innenraum wirkt auf den ersten Blick durch das fahrerbetonte Cockpit, den breiten Kardantunnel und die dunklen Farben etwas kleiner als der des Rover, doch dieser Eindruck täuscht. Vorne stehen vier Zentimeter mehr Breite zur Verfügung, hinten sogar sechs Zentimeter mehr – ein Unterschied, der aber kaum ins Gewicht fällt, weil auch die Rover-Limousine ausreichend Platz bietet. Mit 430 Litern verfügt sie auch über ein fast identisches Kofferraumvolumen (BMW: 435 Liter). Größer sind die Unterschiede in den Bereichen Funktionalität und Qualität.

Im BMW liegen alle Bedienungselemente im Blickfeld des Fahrers und geben keine Rätsel auf. Sie zeugen außerdem von einer Langlebigkeit, die man einst von jedem Produkt Made in Germany erwarten durfte. Kleine Detailfehler erschweren dagegen das Leben im Rover: Beim Radio stören die kleinen, schlecht zu bedienenden Tasten, und die Tankklappe läßt sich nach alter japanischer Tradition nur von innen entriegeln. Knistergeräusche im Bereich des Armaturenbretts und der B-Säule belegen zudem, daß trotz des Einsatzes von Chrom, Holz und Leder bei der Entwicklung des Honda- Abkömmlings an allen möglichen Stellen kräftig gespart wurde.

Der Rover kann von seinem angeheirateten Verwandten noch viel lernen. Auf Fahrbahnunebenheiten reagiert er mit starken, schlecht gedämpften Vertikalbewegungen, die vor allem für die Fondpassagiere lästig sind. Der Dreier sorgt dagegen mit seinem guten Schluckvermögen sowohl auf kurzen Unebenheiten als auch bei langen Bodenwellen für Wohlbefinden bei den Insassen, die sich gleichzeitig über bequemere Sitze mit besserem Seitenhalt freuen dürfen. Einer deutsch-englischen Familienzusammenführung stehen bislang auch völlig unterschiedliche Antriebskonzepte im Weg.

Der quer eingebaute Vierzylinder (2,3 Liter Hubraum, 158 PS) des Rover überträgt seine Kraft auf die Vorderräder, während der Zweiliter- Reihensechszylinder im Dreier BMW-typisch die Hinterräder antreibt. Weil der 623 in dem BMW Triebwerk auf einen Meister seines Fachs trifft, bleibt ihm auch in diesem Kapitel nur das Nachsehen. Mit der Laufkultur des Sechszylinders kann er genauso wenig konkurrieren wie mit dessen gleichmäßiger Kraftentfaltung. Der zu Vibrationen neigende Rover-Motor, nur in Verbindung mit Automatikgetriebe lieferbar, entfaltet seine Kraft keinesfalls mit der faszinierenden Spontanität des BMW-Antriebs und beantwortet hohe Drehzahlen zudem mit aufdringlichen Brummgeräuschen. Ein weiterer Nachteil: der hohe Verbrauch, der mit 11,8 Liter auf 100 Kilometer um eineinhalb Liter über dem – allerdings mit Schaltgetriebe ausgerüsteten – Dreier liegt. Fahrspaß läßt der Rover 623 auch wegen seiner um die Mittellage nervösen Lenkung vermissen, die auf Korrekturen bei hohen Geschwindigkeiten sehr sensibel reagiert. Die direkt ansprechende Servolenkung des Dreiers unterstreicht den handlichen und agilen Charakter der deutschen Limousine, deren hohes Maß an Fahrsicherheit durch leistungsstarke, standfeste Bremsen zusätzlich unterstrichen wird.

Der Rover reagiert dagegen auf hohe Belastung mit Fading. Während das Auto mit kalter Bremsanlage nach 42,9 Metern steht, benötigt es mit erhitzten Bremsen immerhin 50,8 Meter, um zum Stillstand zu kommen. 48 200 Mark kostet der 320i inklusive Airbags, ABS, Servolenkung und elektrischen Fensterhebern vorn. Der Einstieg in die vergleichbare Rover-Klasse ist deutlich teurer: Der Preis für den 623 Si Lux beläuft sich auf 55 350 Mark. Dafür ist die Ausstattung wesentlich umfangreicher: Automatik, Klimaanlage, Leichtmetallräder, elektrisches Schiebedach und Lederausstattung sind serienmäßig. Doch weil sich nicht jeder mit diesem Luxus umgeben möchte, stellt der Dreier auch in dieser Hinsicht die bessere Wahl dar. Schließlich kann jedes Ausstattungselement einzeln bestellt werden – eine Preispolitik, die nicht nur unter Brüdern Nachahmer finden sollte.

Fazit

1. BMW 320i
106 Punkte

Gute Verarbeitungsqualität, durchzugsstarker, sehr kultivierter Sechszylinder, gute Handlichkeit, problemloses Fahrverhalten, präzise und leichtgängige Servolenkung. Anschaffungspreis etwas über dem Klassendurchschnitt, geringe Zuladung (362 Kilogramm), Windgeräusche bei hohen Geschwindigkeiten.

2. Rover 623 Si Lux
97 Punkte

Ordentliches Raumangebot vorne und hinten, relativ hohe Zuladung, sehr umfangreiche Ausstattung, ruckfrei schaltende Automatik. Eingeschränkter Federungskomfort auf kurzen und langen Bodenwellen, brummiger Motor mit unbefriedigender Kraftentfaltung, fadingempfindliche Bremsen.

3. Ford Galaxy 2.0 CLX
105 Punkte

Guter Federungskomfort, bequeme Sitze, Innenraum mit hoher Variabilität, gutes Raumangebot, exakt schaltbares Getriebe, drehfreudiger Motor. Starke Aufheizung im Innenraum, trotz Servounterstützung im Stand schwergängige Lenkung, brummiger Motor, nach vorn unübersichtliche Karosserie.

4. VW Sharan CL 2.0
103 Punkte

Durchzugsstarker Motor, exakt schaltbares Getriebe, gute Verarbeitung, bequeme Sitze, guter Federungskomfort, gutes Raumgefühl, neutrales Fahrverhalten in Kurven. In oberen Drehzahlen extrem lauter und brummiger Motor, unübersichtliche Karosserie, bei voller Bestuhlung kleiner Kofferraum.

5. Opel Vectra CD 2.0 16 V
104 Punkte

Günstiger Anschaffungspreis, sehr umfangreiche Ausstattung, komfortable Federung, sehr gute Handlichkeit, sehr wirksame und standfeste Bremsen, sicheres Kurvenverhalten, gute passive Sicherheit, günstiger Verbrauch, niedrige Unterhaltskosten. Brummiger Motor, zu lange Getriebeübersetzung, zu hohe Sitzposition.

6. Saab 900 S 2.0i
98 Punkte

Sehr kultivierter Motor, gute passive Sicherheit, umfangreiche Ausstattung, bequeme Sitzposition, sehr gut nutzbarer Kofferraum, sicheres Kurvenverhalten, standfeste Bremsen. Zu hoher Verbrauch, laute Windgeräusche, unexakte Schaltung, schwache Heizung, Stuckerneigung auf Querfugen, teure Extras.

Technische Daten
Saab 900 2.0iBMW 320iOpel Vectra 2.0 16VVW Sharan 2.0Ford Galaxy 2.0Rover 623 Si Lux
Grundpreis21.832 €24.849 €20.395 €21.909 €20.447 €29.297 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4637 x 1711 x 1436 mm4433 x 1698 x 1393 mm4477 x 1707 x 1428 mm4617 x 1810 x 1728 mm4617 x 1810 x 1730 mm4645 x 1715 x 1380 mm
KofferraumvolumenVDA494 bis 897 L435 L500 bis 790 L256 bis 2610 L266 bis 2610 L430 L
Hubraum / Motor1985 cm³ / 4-Zylinder1991 cm³ / 6-Zylinder1998 cm³ / 4-Zylinder1984 cm³ / 4-Zylinder1998 cm³ / 4-Zylinder2259 cm³ / 4-Zylinder
Leistung96 kW / 130 PS (177 Nm)110 kW / 150 PS (190 Nm)100 kW / 136 PS (188 Nm)85 kW / 115 PS (170 Nm)85 kW / 115 PS (170 Nm)116 kW / 158 PS (206 Nm)
Höchstgeschwindigkeit200 km/h214 km/h215 km/h177 km/h177 km/h216 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h11,0 s9,9 s10,0 s15,4 s13,1 s9,8 s
Verbrauch10,9 L/100 km9,0 L/100 km8,6 L/100 km10,0 L/100 km10,1 L/100 km
Testverbrauch10,6 L/100 km10,3 L/100 km9,5 L/100 km11,8 L/100 km11,6 L/100 km11,8 L/100 km
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