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Drei mit großer Klappe

Der Fiat Doblò legt sich mit den Trendsettern Citroën Berlingo und Renault Kangoo an.

27.11.2001

Kleine Kasten-Kombis sind billig, pflegeleicht und praktisch, denn ihr Ladevolumen setzt keine Nutzungsgrenzen. Selbst gestandene Kompaktvans bieten oft nicht mehr Stauraum, obwohl sie mindestens 10.000 Mark teurer sind. So tut sich hinter der Heckklappe des Citroën Berlingo ein maximales Kofferraumvolumen von 2800 Litern auf, der Renault Kangoo fasst bis zu 2380 Liter. Der Fiat Doblò aber stellt beide in den Schatten: Sein Kasten-Heck schluckt, sobald die hintere Rückbank umgelegt ist, imposante 3000 Liter. Das freilich ist ein Wert, den die erlaubte Zuladung relativiert: Die Grenze ist bereits bei 454 Kilogramm erreicht (Kangoo: 508 kg, Berlingo: 538 kg).

Doch vor der Beförderung zum Lade-Meister steht die Ernüchterung beim Blick auf die Preislisten. Zwar kostet der Basis-Kangoo nur 22.492 Mark - aber ohne Servolenkung: Sie berechnet Renault mit 997 Mark extra. Die Zentralverriegelung gibt es für 450 Mark, eine zweite Schiebetür hingegen nur in Verbindung mit dem stärkeren 1,4-Liter-Motor und der Expression-Ausstattung - Preis ab 26.599 Mark.

Noch dreister kalkulieren die Citroën-Planer: Zum Grundpreis des Berlingo - 24.110 Mark - kommen nicht nur 928 Mark für die Lenkhilfe, sondern weitere 820 Mark für das Antiblockiersystem und 350 Mark für den Heckscheibenwischer. Eine Zentralverriegelung ist nur im Paket mit Funkfernbedienung und elektrischen Fensterhebern zu haben - für 750 Mark. Der Abstand zur Komfortversion Multispace für 27.200 Mark schmilzt so auf wenige Hunderter zusammen, zumal sie auch eine zweite Schiebetür beinhaltet (Basisversion: 600 Mark Aufpreis).

Lediglich der 24.000 Mark teure Fiat ist halbwegs komplett ausgestattet. Aber auch bei ihm kostet die zweite Schiebetür noch 550 Mark extra. Und eine teilbare Rückbank lässt sich Fiat mit 250 Mark bezahlen. Sidebags sind nur im Doblò Serie - Renault und Citroën führen sie nicht einmal auf der Mehrpreisliste. ESP hat die kleinen Familien-Kombis noch nicht erreicht.

Auch an der Verarbeitung müssen teilweise deutliche Abstriche gemacht werden. So quillt im Citroën die schwarze Dichtmasse ungestraft aus den Gummis der Frontscheibe, und der Boden des Laderaums ist mit aalglattem Kunststoffmaterial bedeckt, das Gepäckstücken nicht einen Hauch von Halt geben kann. Beim Renault dagegen macht die fragile Dachverkleidung die uralte Furcht der Gallier verständlich, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fallen könnte. Die Plastikteile des Fiat scheint schon beim Hinsehen der Grauschleier der Alterung zu umgeben.

Auch die Sitze lassen - zumindest bei den beiden Franzosen - keine Lust auf längere Fahrten aufkommen: Sie bieten wenig Seitenhalt und vermitteln nur Kurzstreckenkomfort. Einzig die Fiat-Sessel sind wesentlich straffer gepolstert, kassieren aber Minuspunkte für ihre Kopfstützen, die für Passagiere über 1,80 Meter zu kurz sind.

Der Einstieg in den Fond des Doblò gelingt am bequemsten, denn er hat die breitesten Schiebetüren. Außerdem bietet er in der zweiten Reihe auch den meisten Platz, obwohl das Citroën- und das Renault-Fond ebenfalls über üppigen Raum verfügen.

Überschäumendes Temperament zählt nicht gerade zu den Merkmalen der kleinen Vans - zumal in den Basismotorisierungen, wo der 75 PS starke Berlingo bereits als gut motorisierter Vertreter seiner Art gilt. Er wiegt allerdings auch 150 Kilogramm mehr als der Einsteiger-Kangoo, den ein 1,2-Liter-Motor mit 60 PS antreibt. Der Doblò leistet bei gleichem Hubraum 65 PS, leidet in der Praxis aber unter seinem Gewicht - 1321 Kilogramm - und der großen Stirnfläche seiner kantigen Karosserie. Seine Rettung sucht er in der kurzen Antriebsübersetzung, die ihn am Geschehen des Stadtverkehrs noch rege teilnehmen lässt. Auf der Autobahn dagegen keilen ihn die Kurierdienst-Sprinter von der linken Spur, während die Tachonadel schon bei sanften Steigungen unter die 140er-Marke fällt. Zudem rächt sich der Kingsize-Kasten, wenn er getreten wird, mit Verbrauchswerten von über zehn Litern/100 km.

Der Berlingo aber scheint auf freier Strecke durch seine lange Übersetzung gehandikapt: Deshalb klingt er weniger gequält als der Doblò, ohne allerdings spürbar mehr Temperament zu entwickeln. Immerhin ist er sparsamer. Und er überzeugt mit seinem etwas üppigeren Drehmoment auch auf längeren Autobahn-Etappen.

Punkten kann der Kangoo mit dem komfortabelsten Fahrwerk: Souverän federt er selbst über heftig ondulierte Landstraßen. Der Renault neigt dagegen zum Stuckern und pariert speziell kurze Stöße weniger kultiviert, während der Fiat unverhohlen zur Härte britischer Roadster tendiert: Lange wie kurze Stöße leitet er ungefiltert an die Bandscheiben weiter. Er leistet sich zwar die längsten Bremswege im Test, aber bei schneller Kurvenfahrt bleibt er lange neutral, um in eine späte, aber gut beherrschbare Phase des Übersteuerns zu wechseln. Der Kangoo und der Berlingo kündigen den Grenzbereich durch frühes Schieben über die Vorderräder an, ohne den Fahrer mit tückischen Lastwechselreaktionen zu erschrecken.

Am Ende ist es keine Überraschung, dass ausgerechnet die beiden Urtypen der Kasten-Klasse die meisten Punkte bunkern. Speziell der Citroën erkauft seine entspannte Klassenlosigkeit mit den wenigsten Kompromissen.

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