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BMW 2er Active Tourer vs. VW Golf Sportsvan

Vergleich der Familien-Vans

BMW 218d Active Tourer, VW Golf Sportsvan 2.0 TDI, Frontansicht Foto: Achim Hartmann 22 Bilder

Frontantrieb, Van-Karosse, Dreizylinder: Der BMW 2er Active Tourer lässt gusseiserne Marken-Fans gleich drei Mal tief durchatmen. Ob der 218d mit 150 PS ein echter BMW ist, klären wir im Vergleich mit dem VW Golf Sportsvan 2.0 TDI.

18.08.2014 Dirk Gulde

Natürlich wäre es auch mit Hinterradantrieb gegangen. Schon allein, da wegen des optionalen Allradantriebs genug Platz unter dem Auto gelassen wurde, um Kardanwelle und Achsantrieb unterzubringen. Bei einem Van, für den jeder Zentimeter Innenmaß zählt, gibt es dennoch keine vernünftige Alternative zum Frontantrieb, weil sich Motor und Getriebe dadurch platzsparend quer über die Vorderachse schmiegen. Doch bevor wir klären, ob der neue 2er Active Tourer wie ein typischer BMW fährt, schauen wir erst mal, wie er sich denn so als Van schlägt, und klappen uns durch seinen Innenraum. Wer sich für einen XL-Kompakten entscheidet, denkt schließlich nicht nur an sich, sondern auch an seine Mitfahrer.

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Vergleichstest BMW Zweier Active Tourer, VW Golf Sportsvan
auto motor und sport 16/2014
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BMW 2er Active Tourer mit hoher Variabilität

Und die können sich im BMW 2er Active Tourer nicht beschweren: Obwohl er nur zwei Zentimeter länger ist als der Einser, sitzen Fondpassagiere luftig und bequem auf einer verschiebbaren und in der Lehnenneigung justierbaren Rückbank (Aufpreis 300 Euro). Während der Fondzustieg selbst beim viertürigen Einser locker als Yoga-Übung durchgeht („Gebückte Katze“), ermöglicht beim großen Bruder die elf Zentimeter höhere Sitzposition, verbunden mit weit öffnenden Türen, entspanntes Einsteigen. Wie in dieser Klasse üblich, empfiehlt sich der mittlere Sitz jedoch nur für Kurzeinsätze. Und wer sich vom Höhenwachstum eine tolle Übersichtlichkeit erhofft, wird enttäuscht. Vom Fahrersitz aus lassen sich die steil abfallende Front und das verbaute Heck nur erahnen, beim Abbiegen stehen gern die vorderen Dachpfosten im Weg.

Van-typisch großzügig fällt auch das Kofferraumvolumen aus. Als Fünfsitzer schluckt der BMW 2er Active Tourer 468 Liter Gepäck, bei umgeklappter Rückbank sind es 1.510 Liter und damit sogar ein Tick mehr als ein 3er Touring. Dank cleverem Federmechanismus samt elektrischer Entriegelung fallen die drei Segmente der Rücksitzlehne auf Knopfdruck nach vorn. Wird jetzt noch der Beifahrersitz zusammengefaltet (190 Euro), verschwindet bis zu 2,4 Meter langes Transportgut im 2er.

Sinn fürs Praktische zeigen auch große Ablagefächer in Türen und Mittelkonsole oder der Heckklappenlift, der sich auf vier verschiedene Arten in Betrieb nehmen lässt: ganz klassisch von außen per Klinke, mit einem Schalter vom Fahrersitz aus, per Fußkick unter der Heckschürze oder über die Schlüssel-Fernbedienung (750 Euro). Nach einem erneuten Druck auf die Fernbedienung des BMW 2er Active Tourer surrt die Heckklappe sogar wieder zu.

BMW 2er Active Tourer mit Zweiliter-Diesel

Mit so viel elektrischer Raffinesse kann der fast auf den Zentimeter gleich lange VW Golf Sportsvan nicht dienen. Bei ihm wird noch per Hand geöffnet und umgeklappt, seine Möblierung beherrscht jedoch dieselben Klapp- und Schiebetricks wie die des BMW 2er Active Tourer. Darüber hinaus passt die ausgebaute Hutablage unter den doppelten Kofferraumboden. Ebenfalls erfreulich: Seine verschiebbare Rückbank bringt der Golf serienmäßig mit, die umklappbare Beifahrerlehne kostet mit 93 Euro nur rund halb so viel wie im 2er. Die Variabilitäts-Wertung endet also unentschieden, Platzangebot und Kofferraumvolumen sind auf ähnlich familientauglichem Niveau. Bei Übersicht und Qualitätsanmutung liegt der VW hingegen vor dem BMW, der sich teils mit harten Kunststoffen im Interieur und schlichten Filzverkleidungen im Gepäckraum begnügt.

Und wie fährt sich jetzt der erste BMW mit Frontantrieb? Erfreulich unspektakulär. Die hohe Sitzposition kennt man aus den X-Modellen, das Antriebsprinzip wird seit 13 Jahren im Mini kultiviert. Mit dem teilt sich der 2er die wesentlichen Fahrwerkskomponenten, er wurde allerdings nicht ganz so spitz abgestimmt. Auf Lenkmanöver reagiert der BMW 2er Active Tourer dennoch zackig, wirft sich freudig in Kurven, die er verblüffend neutral durcheilt. Die Entwickler haben hierfür eine spezielle ESP-Abstimmung ausgetüftelt, die mit vorauseilenden Bremseingriffen ums Eck hilft, schon bevor die Reifen ihre Haftgrenze erreichen. Zudem lässt sich der Schleuderschutz auch im Comfort- und Eco-Pro-Programm in den Track-Modus stellen – eine Funktion, die nach und nach alle BMW bekommen sollen.

Mit seiner quirligen Art animiert der BMW 2er Active Tourer, den umfassend modifizierten Zweiliter-Diesel (150 statt 143 PS) bis an die 5.000/min auszudrehen. Was zum zügigen Vorankommen gar nicht nötig wäre, da der Direkteinspritzer schon knapp über Leerlaufdrehzahl Druck macht und bei 1.750/min sein Drehmoment-Maximum erreicht. Dank des neuen Einspritzsystems verbrennt der Vierzylinder zudem so weich und leise wie der bereits seit Längerem gezähmte TDI im VW.

VW Golf Sportsvan mit mehr Komfort

Der heißt zwar Sportsvan und ist mit 150 PS ebenfalls kräftig motorisiert. Durch seine gefühlvolle, aber indirekter übersetzte Lenkung wirkt er im direkten Vergleich jedoch deutlich entspannter, ohne in engen Serpentinen abreißen lassen zu müssen. Zudem geht er gelassener über Unebenheiten hinweg als der straffe BMW 2er Active Tourer. Im Gegensatz zum 218d ist der Golf jedoch mit den optionalen Adaptivdämpfern ausgestattet.

Beide Abstimmungen sind damit in sich stimmig – ob der wuselige BMW 2er Active Tourer oder der komfortable VW besser gefällt, darf jeder selbst entscheiden. Wobei ein Blick in die Preisliste bei der Entscheidung helfen kann. Mit 28.350 Euro ist der Golf Sportsvan 2.0 TDI schon alles andere als ein Schnäppchen, kostet aber knapp 3.000 Euro weniger als der BMW bei gleichzeitig etwas besserer Serienausstattung (u. a. mit Parkpiepsern vorn und hinten). Sparwillige Fans der bayerischen Marke greifen daher zum 218i mit 136 PS oder dem ab November lieferbaren 216d mit 116 PS, die mit ihren Dreizylindern unter der 30.000-Euro-Schwelle bleiben.

Für den Preis des 225i xDrive, der ebenfalls im Herbst nachgeschoben wird, samt Achtgangautomatik gibt es jedoch schon einen ebenfalls allradgetriebenen 328i. Luxus-Optionen wie die Online-Navigation samt Head-up-Display und Concierge-Funktion, LED-Scheinwerfer oder das Fahrerassistenz-Paket treiben den Preis des Familien-Vans fast beliebig nach oben. Auch in diesem Punkt ist der 2er Active Tourer also ein echter BMW.

Fazit

VW Golf Sportsvan 2.0 TDI: Entspannt und hochwertig

Der geräumige und variabel nutzbare Golf Sportsvan lässt sich nicht ganz so luxuriös ausstatten wie der BMW, er fährt jedoch entspannt und komfortabel.

BMW 2er Active Tourer: Sportlich, aber nicht günstig

Mit seiner quirligen Art und dem durchdachten Raumkonzept sorgt der BMW 2er Active Tourer für Spaß. Im Vergleich zum Golf kommt er teuer.

Technische Daten
BMW 218d Active TourerVW Golf Sportsvan 2.0 TDI
Grundpreis31.600 €29.250 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4342 x 1800 x 1586 mm4338 x 1807 x 1578 mm
KofferraumvolumenVDA468 bis 1510 L590 bis 1520 L
Hubraum / Motor1995 cm³ / 4-Zylinder1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung110 kW / 150 PS (330 Nm)110 kW / 150 PS (340 Nm)
Höchstgeschwindigkeit208 km/h212 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h8,9 s9,2 s
Verbrauch4,1 L/100 km4,3 L/100 km
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