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Ferrari 458 Italia und McLaren MP4-12C im Vergleichstest

Ausgefeilte Technik gegen italienische Emotion

Ferrari 458 Italia, McLaren MP4-12C, Seitenansicht Foto: Hans-Dieter Seufert 48 Bilder

Ferrari gegen McLaren: Ein Duell mit historischem Formel 1-Hintergrund weitet sich nun zum Kampf um den Titel des besten Supersportwagens aus.

21.11.2011 Jochen Übler

Argwöhnisch schleicht die Ferrari-Abordnung um den Herausforderer. Wirft zu Beginn des ersten und exklusiven Aufeinandertreffens auf deutschem Boden scharfe Blicke auf den McLaren MP4-12C, mitten ins Mark seines aus Kohlefasern gebackenen Monocoques.

Dieses konzentrierte Beobachten verleiht dem Vergleich Ferrari 458 Italia gegen McLaren MP4-12C eine frostige Aura. Sind die Italiener angesichts der unerhörten Kampfansage in ihrem Supersportwagen-Terrain in ihrem Stolz gekränkt? Sollen sich die für den technischen Notfall parat stehenden Ingenieurs-Abordnungen weiter im Auge behalten. Ciao. Bye, bye.

Neues Heft: sport auto 11/2011: Faszination Ferrari und 0-300-0 3:07 Min.

McLaren MP4-12C mit edlerem Cockpit

Wir tauchen ein in die fein ausgeführten Kompositionen aus edlem Leder und lackierter Kohlefaser. In des McLaren MP4-12C, dessen Luftigkeit, Bedienbarkeit und Übersichtlichkeit dem des Ferrari eine Spur voraus ist. Hightech vereint sich mit Pragmatismus. Dafür hemmt die Show mit den nach oben öffnenden Türen den einfachen Einstieg, dampft den kurzen McLaren-Vorsprung sofort wieder ein. Die Kontaktaufnahme mit dem Ferrari 458 Italia ist dagegen la dolce vita und zudem noch inniger, da die bequemen Sitze resoluter zupacken als die des McLaren MP4-12C.

Action: Auch der im aufpreispflichtigen Kohlefaser-Schrein zelebrierte Biturbo-V8 des McLaren MP4-12C erwacht auf Knopfdruck. Dumpf grollend legt der 3,8-Liter-V8 los, wird aber vom Platzhirsch sogleich hysterisch niedergebrüllt. Lüstern schlürft der 4,5 Liter große Italia-Achtzylinder frei saugend Atemluft. Ein feuriger Südländer mit jeder Faser seiner Aluminiumstruktur, dessen Faszinationspotenzial nicht nur akustisch auf der Pole-Position bleibt.

Setup des McLaren MP4-12C spricht sensibler an

Im Sportmodus begehrt der McLaren MP4-12C dann tatsächlich auf, jedoch brüsk, auf Dauer dröhnend wie die Ultras auf der Südtribüne des FC Liverpool. Italien verteidigt die Führung. Also beide Drehregler auf der handwerklich und ergonomisch fein gemachten Mittelkonsole des McLaren MP4-12C wieder zurück auf N. Dann bleibt das feinfühlig regelnde ESP aktiv, spricht das Gaspedal im sehr engen Fußraum gemäßigt an und zeigt das elektronisch geregelte Fahrwerk zunächst so exzellente Manieren wie die Queen. Tatsächlich spricht das Setup des McLaren MP4-12C noch sensibler an als das eh schon filigrane Feder-Dämpfer-Spiel des Ferrari. Auch das Doppelkupplungsgetriebe wechselt die sieben Gänge in Windeseile, aber wie mit Samthandschuhen. Die mit gleicher Technik aufwartende Ferrari-Schaltbox agiert teilweise grober. Ab und an ein Anfahrruckeln zeigen beide, doch wer will in dieser Liga schon ernsthaft rangieren?

Frei und wild – das ist die Seele des Spiels. Wenn der Ferrari Italia beispielsweise wie vom Leibhaftigen getrieben über die Autobahn pfeilt, dabei ohne ersichtliches Flügelwerk stur wie Enzo höchstpersönlich bleibt – dann muss der McLaren MP4-12C einen gewissen Wissensvorsprung neidlos anerkennen. Zu spitz spricht seine leichtgängige Lenkung aus der Mittellage an. Zu sehr laufen die für Trockenhandling optimierten Pirelli-Corsa-Reifen den Spurrillen nach, schwächeln bei Nässe. Bei hohen Tempi ist der McLaren MP4-12C kein ruhiger Typ, er wandert und giert. Beim Bremsen reckt er sein Heck nach oben, was der elektrisch ausklappende Heckspoiler nur bedingt zu zensieren weiß. Der Highspeed-Angriff aus der Tiefe droht zu scheitern. Dabei war das Manöver so perfekt vorbereitet, mit einem von 6.000 bis über 8.000 enthemmt drehenden Biturbo-V8, der die respektabel niedrigen 1.483 Kilogramm geradezu vertrimmt, sie an den 1.546 kg des Ferrari vorbeiprügelt.

Ferrari 458 Italia im Sprint vor McLaren MP4-12C

In der Sprintwertung setzt der McLaren MP4-12C die Bestmarke. 3,2 Sekunden auf 100, und 9,2 auf 200 km/h sind rekordverdächtig. Und das Wie erst: Im aktivierten Launchmodus spratzelt der V8, als plage ihn ein grippaler Infekt. Bis der Fahrerfuß von der Bremse schnappt und der Brite eine Traktion in den Asphalt stanzt, vor der sogar das Cavallino Rampante in die Knie geht. Nur eine kurze Schmach für Rot, die der Sauger bei der Elastizitätswertung wieder ausmerzt. Mit seiner gierig-giftigen Art trifft er den im unteren Drehzahlbereich träger ansprechenden Turbo mitten ins Herz. Verschafft sich damit zehn Punkte Vorsprung, die der Ferrari 458 nun nur noch verwalten muss. Ausbremsversuche des McLaren MP4-12C verpuffen im Ansatz, da beide Kohlefaser-Bremsanlagen mit gleicher Gewalt und Standfestigkeit zubeißen.

Bleibt dem McLaren MP4-12C noch das Handling, um den Ferrari doch vom Thron zu stoßen. Mit einer Gewichtsbalance von 42,1 zu 57,9 Prozent sind beide Kontrahenten identisch austariert. Mit 68,4 km/h wedeln beide exakt gleich schnell durch den 18-Meter-Slalom. Im fahrsicher absolvierten Ausweichtest liegt der Ferrari sogar einen Hauch vor dem McLaren MP4-12C und heimst einen weiteren Pluspunkt ein. Dafür macht der McLaren MP4-12C beim Verbrauch wiederum Boden gut, kränkelt aber mit kleinem Tank und knappem Kofferraum.

McLaren gelobt Besserung, Ferrari lächelt

Die Entscheidung fällt auf den letzten Metern. Dort, wo das Aufeinandertreffen begann: auf der Rennstrecke – dem Kleinen Kurs von Hockenheim. Wo sich beide Teams belauern, wenn auch räumlich strikt getrennt. Ein letzter Check der Reifendrücke sei ihnen gewährt. Dann kommt es zum entscheidenden Showdown. Mit dem Ferrari als Pole-Setter, der rotzigfrech durch die Boxengasse wütet. Wissend, welche Talente in ihm schlummern und sich mit Drehzahlen bis über 9.000 Touren in die Schlacht schmeißt. Zackig schnappt die Lenkung zu, fordert viel Feingefühl, um nicht noch mehr Hektik ins System zu geben. Ein sensibles Präzisionsinstrument, das ebenso präzise geführt werden will, um das neutrale Fahrverhalten bis ans fahrdynamische Limit auszukosten. Soweit der Gasfuß auch beherzt mitspielt und damit das elektronisch geregelte Hinterachsdifferenzial optimal bei Laune hält. Das Manettino am Lenkrad klickt auf „CST off“ – elektronisch freies Geleit für eine Top-Zeit: 1.09,7 Minuten.

Der McLaren MP4-12C rollt an den Start. Macht sich im vorzüglichen, feinfühliger abgestimmten Track-Modus des ESP warm. Der McLaren MP4-12C wirkt gelassener, weniger überzüchtet, allerdings nun auch einen Hauch indirekter beim Einlenken, mit einer zarten Brise mehr Untersteuern, in schnellen Ecken aber mit einem wie im Ferrari beherrschbar drängenden Heck. Die weichere Abstimmung und die höhere Wankneigung des McLaren MP4-12C vermitteln früher Vertrauen, machen schneller schnell. Was mit dem Fallen der schwarz-weiß karierten Flagge respektable 1.09,5 Minuten bedeutet. Allerdings mit dem Handikap, dass die im Alltag prima funktionierenden Schaltwippen am Lenkrad hin und wieder Ladehemmung zeigen, somit eine knappe Sekunde kosten. Die Briten nehmens gelassen, geloben den bis zum Produktionsstart noch nötigen Feinschliff. Und die Italiener lächeln.

Fazit

1. Ferrari 458 Italia
324 Punkte

Es war ein harter Kampf, um die Führungsrolle zu verteidigen. Denn in manchen für Sportwagen wichtigen Belangen bleibt der Ferrari 458 Italia tatsächlich zurück. Letztlich ist der Italia ausgereifter, gibt sich im Grenzbereich etwas spitzer.

2. McLaren MP4-12C
309 Punkte

Was das sportliche Leistungsvermögen betrifft, so befindet sich der McLaren MP4-12C mindestens auf Augenhöhe. Allerdings ist er teurer, braucht in manchen Details noch Feinschliff und dürfte optisch und akustisch emotionaler sein.

Technische Daten
Ferrari 458 ItaliaMcLaren MP4-12C
Grundpreis199.200 €208.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4527 x 1937 x 1213 mm4509 x 1908 x 1199 mm
KofferraumvolumenVDA230 L144 L
Hubraum / Motor4499 cm³ / 8-Zylinder3799 cm³ / 8-Zylinder
Leistung419 kW / 570 PS (540 Nm)460 kW / 625 PS (600 Nm)
Höchstgeschwindigkeit325 km/h333 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h3,4 s3,1 s
Verbrauch13,3 L/100 km11,7 L/100 km
Testverbrauch17,4 L/100 km16,0 L/100 km
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