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Ferrari 599 vs. Lamborghini LP 640

Es bebe der Sport

Foto: Hans-Dieter Seufert 40 Bilder

Willkommen beim norditalienischen Zwölfzylinder-Derby. Maranellos Stolz Ferrari 599 GTB Fiorano und Sant’ Agatas Held Lamborghini Murciélago LP 640 im Clinch um Zeit und Punkte.

11.07.2008 Alexander Bloch

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Freunde werden die beiden genauso wenig, wie es die Firmengründer Ferruccio Lamborghini und Enzo Ferrari geworden sind. Schon das erste ungezähmte Anlass-Donnern des Ferrari 599 GTB Fiorano will den kantigen Rivalen mit schierer Lautstärke von der Startgeraden bellen. Doch Signore Lamborghini Murciélago LP 640 steht breit wie ein Laster auf der Straße, holt aus den Tiefen seines 6,5-Liter-Aggregats kurz Luft und brüllt seinem Konkurrenten fast das Cavallino rampante von der Haube. Mit einem brachial heiseren Röhren, als hätte sich Pavarotti gerade mächtig die Stimmbänder verbrannt.

Trick bringt Sprint-Sieg von null auf 100 km/h

Zwölfzylinder, sonst die ultrakultivierten, äußerst taktvollen, edlen Schwiegersöhne unter den Motoren, mutieren in den norditalienischen Kraftprotzen zur Heavy-Metal-Band mit bösem Getöse. Auspuffklappensteuerung und Drehzahlgier sei Dank.

Den prestigeträchtigen Sprint-Sieg von null auf 100 km/h ertrickst sich der Murciélago clever: Der erste Gang endet bei 102 km/h. So hemmt keine Schaltpause den mitreißenden Allrad-Vortrieb. Genug, um mit 3,6 Sekunden dem schon mit 82 km/h im zweiten Gang tobenden, launchkontrollierten Ferrari das entscheidende Zehntel zu stehlen. Wider Erwarten wird die Traktion nicht zum Knackpunkt: Tapfer hält der Hecktriebler auf trockenem Asphalt mit. Zehntel hin oder her, unbedarften Mitfahrern reißt die infernalische Beschleunigungs-Explosion bei beiden ein fassungsloses Grinsen ins Gesicht.

Klack, mit einem kurzen Zug an den Alu-Skeletten am Lenkrad ruckt der nächste Gang im sequenziellen E-Gear-Getriebe nach, schwingt der Murciélago-Pilot mit fliegenden Haaren nach vorne. Doch die Ferrari-Front lauert schon bedrohlich auf A-Säulen-Höhe.

340 statt 331 km/h Topspeed

Nicht nur, dass dessen sequenzielles Transaxle-Getriebe mit einer dem LP 640 fremden, paradoxen Kombination aus brutaler Schnelligkeit und Sanftmut die Gänge im 100-Millisekunden-Takt nachlegt, er schiebt sich auch mit 11,1 Sekunden zwei Zehntel früher auf Tempo 200. Jetzt rächen sich die 64 Kilogramm Mehrgewicht des Lamborghini. Der 599-Fahrer sieht trotzdem rot – wenn die fünf Schalt-LED im oberen Lenkradkranz à la Formel 1 prominent nach dem nächsten Gang rufen.

Vierter, fünfter, erst im sechsten Gang scheint der Schub bei beiden nicht mehr endlos. Dann hängt die Tachonadel schon jenseits der 300. Wenn die Landschaft zum kühnen Strich wird, schlägt Sant’ Agata zurück: 340 statt 331 km/h Topspeed. Bekanntes Rezept: Der Sechste ist länger übersetzt.


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Doppeltest Ferrari 599 GTB Fiorano, Lamborghini Murciélago LP 640
auto motor und sport 14/2008
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Fazit

1. Ferrari 599 GTB Fiorano
433 Punkte

Er ist der Alleskönner unter den Supersportwagen und brilliert mit Komfort, Sicherheit und Dynamik zugleich. Den Test gewinnt er mühelos. Auf der Rennstrecke muss er sich seinem radikalen Rivalen aber geschlagen geben.

2. Lamborghini Murciélago LP 640
391 Punkte

Der Murciélago schert sich nicht um Alltagstauglichkeit, ignoriert Parkprobleme und Komfortwünsche. Er ist einfach nur ein kantig-wilder, höllenschneller Testosteron-Dampfhammer mit unglaublichem Motorklang.

Technische Daten
Ferrari 599 GTB FioranoLamborghini Murciélago LP 640
Grundpreis247.520 €285.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4665 x 1962 x 1336 mm4610 x 2058 x 1135 mm
KofferraumvolumenVDA320 L150 L
Hubraum / Motor5999 cm³ / 12-Zylinder6496 cm³ / 12-Zylinder
Leistung456 kW / 620 PS (608 Nm)471 kW / 640 PS (660 Nm)
Höchstgeschwindigkeit330 km/h340 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h3,7 s3,4 s
Verbrauch21,3 L/100 km21,4 L/100 km
Testverbrauch23,7 L/100 km24,8 L/100 km
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