Emotionalität lodert aus Europas Süden in Form des Fiat Bravo über den Brenner. Und Gelassenheit greift aus dem Südwesten als Peugeot 308 Raum – auch diesseits des Rheins. In Deutschland treffen die italound frankophilen Identifikations-Figuren auf neutralem Boden aufeinander: mit kräftigen, turbounterstützten Vierzylinder- Benzinern und in gehobener Ausstattung.
Den Bravo gibt es als 1.4 TJet 16 V Emotion für 21 400 Euro, den 308 als 150 THP Sport Plus für 22 400. Einem ersten Blick in die Innenräume folgt anerkennendes Kopfnicken. Oha, ziemlich edel und geschmackvoll – selbst ohne sündhaft teure Lederbezüge. Geschäumte Kunststoffe, unaufdringliche Chrom-Akzente, passable Passungen. Kritik an Vorgänger-Modellen hat in beiden Fällen offenbar zu einem neuen Qualitätsbewusstsein geführt.
Im Peugeot drängt sich die massive, kaum enden wollende A-Säule ins Bild.
Reflexartig zieht man den Kopf ein, obwohl dank luftiger Dachhöhe genug Platz bleibt – vorn wie hinten. Kinder entern auch den Fiat-Fond bequem, Erwachsene dagegen sollten das Haupt rechtzeitig senken, um nicht mit der abfallenden Dachlinie zu kollidieren.
Die Fensterfläche täuscht eine größere Öffnung vor, als die Karosserie tatsächlich bietet. Ähnliches gilt für den Heckbereich. Die ausufernde, um die Ecke gezogene C-Säule versperrt einen Teil des Einpark-Panoramas, die Kofferraumklappe des Fiat gibt zu wenig vom Stauraum frei, und die hohe Ladekante wird zur lästigen Hürde – ähnlich wie im 308, bei dem zunächst die Kopfstützen entfernt werden müssen, bevor sich die Rücksitzlehne umklappen lässt. Diesen Arbeitsgang kann man sich im Bravo dagegen sparen.
Die Luftigkeit des Peugeot-Innenraums ist Folge seines vanartigen Hochbaus. Auch die zahlreichen Verstaumöglichkeiten. Kleinkram verliert sich nie in Unordnung – eher schon irrt der Blick durchs Stadtgetümmel. Die massive A-Säule hinterlässt einen toten Winkel, in dem ganze Autos verschwinden.
Zudem irritieren die spiegelnden Instrumente das Auge. Sogar über Land stellt sich der seitliche Scheibenrahmen beim Anpeilen von Kurven in den Weg. Immerhin hilft hier die ausreichend exakte, aber teigig wirkende Lenkung dem 308 auf den rechten Weg zurück.
Obwohl er mit seinen ausladenden Überhängen wie ein Pummel aussieht, zeigt der Peugeot erstaunliches Interesse an sportlichen Übungen und lässt den Bravo im Fahrdynamik- Test hinter sich.
Dabei wirkt der Fiat deutlich drahtiger.
Schon in der Stadt lobt man seine Handlichkeit. Wer sie noch steigern möchte, aktiviert mit dem City-Schalter eine höhere Servo-Unterstützung und bedient das Lenkrad mit zwei Fingern. Doch spätestens jenseits der Ausfallstraßen wird aus der guten Handlichkeit sogar im Normal-Modus südlän dische Nervosität.
An der Lenkung vermisst man den ruhenden Pol der Mittellage, der Geradeauslauf ist fahrig. Dennoch ist die Abstimmung deutlich verlässlicher als beim Vorgänger Stilo , auf dem der Bravo technisch basiert. Und so übernimmt der Fiat die Unzulänglichkeiten seines Vorgängers, die sich vor allem aus dem Fahrwerk speisen.
Es ist weder komfortabel noch dynamisch – auf Querfugen stuckerig, in schnellen Kurven taumelig, auf der Landstraße unruhig. Dagegen wirkt der 308 wie Beruhigungstee. Schon seine Sitzgelegenheiten taugen besser zur Entspannung und sind gleichzeitig echte Stützen. Abzüge kassieren sie nur für ihre umständliche Lehnenverstellung über Hebel.
Selbst jenseits der Richtgeschwindigkeit bleiben die Geräusche niedrig – im Bravo dagegen pfeift der Fahrtwind bereits deutlich vor Erreichen der Höchstgeschwindigkeit unüberhörbar vorbei. Auch sein Motor mischt in der Akustik-Darbietung kräftig mit.
Der kleine 1,4-Liter-Vierventiler kämpft effektiv wie Boxerin Regina Halmich.
Dass das T-Jet genannte Triebwerk dabei einen Lader zur Hilfe nimmt, ist kein akustisches Geheimnis. Ein Turbo-Tinnitus setzt sich im Ohr fest, sobald das Verdichterrad aus der Trägheit auf Touren gekommen ist, der Vierzylinder begeistert an den Begrenzer dreht – und der Fahrer verzückt in den nächsten der sechs Gänge wechselt.
Dass sich der Peugeot-1,6-Liter ebenfalls von einem Turbo auf Touren bringen lässt, merkt man ihm kaum an. Kein Pfeifen, kaum Verzug, stattdessen deftiger Durchzug – aber kaum Drehfreude. An der Tankstelle wird klar: Trotz Downsizing, der hohen Leistungsaus- beute bei niedrigem Hubraum, erhält der ECE-Verbrauch (7,1 Liter pro 100 Kilometer) einen ICE-Zuschlag von zwei Litern.
Der Fiat trägt am Ende gerade noch eine acht vor dem Komma.
Ein lang übersetzter sechster Gang könnte den Verbrauch im 308 senken.
Doch an seiner Stelle liegt im Schaltschema der Rückwärtsgang – in dessen Gasse lässt sich beim Testwagen der Schalthebel bei voller Fahrt bewegen: ein Defekt an der Sperre, wie sich herausstellte. Aber auch sonst sollte das Getriebe verbessert werden; es fehlt jegliche konkrete Rastung. Nur seinen besseren Durchzugswerten verdankt der Peugeot den Sieg im Antriebs-Kapitel. Die meisten Punkte knöpft er dem Fiat aber im Komfort-Kapitel ab, gefolgt vom Bereich Fahrsicherheit.
Hier zieht der 308 gelassen und dennoch effektiv am Bravo vorbei. Dieser könnte wieder beim Kalkulieren aufholen – er kostet 1000 Euro weniger als der Peugeot, der zudem noch auf teuren 17-Zoll-Reifen unterwegs ist, was die Unterhaltskosten erhöht. Doch Fiat verspielt seinen Budget- Ruf durch eine ungünstige Versicherungs- Einstufung.
Und vom Preisvorteil bleibt ausstattungsbereinigt wenig übrig: In der Sport Plus-Version liefert Peugeot Tempomat und Panorama- Glasdach serienmäßig. Damit ist der Wettstreit der beiden Charakterköpfe ausgetragen: Der Bessere unter den Andersartigen in der Golf - Liga ist der 308.
Beim Bravo bündelt sich die Begeisterung auf Optik und Motor. Die kaum verbesserte Federung blendet man besser aus – sie war schon beim Stilo kritikwürdig.




