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Ford B-Max 1.6 TDCI und Skoda Roomster 1.6 TDI im Test: Möchtegern-Van gegen Hochdach-Kombi

Ohne klassische B-Säule öffnet der Ford B-Max seine Türen quasi wie ein riesiges Portal. Damit empfiehlt sich der Kleinwagen mit Van-Anleihen als Praktiker. Kann er hierbei dem Hochdach-Kombi Skoda Roomster Scout den Rang ablaufen?

Natürlich könnte man jetzt Erbsen zählen und darauf verweisen, dass der Nissan Prairie bereits 1981 mit hinteren Schiebetüren und ohne B-Säule auf den Markt kam. Aber das würde die Besonderheit des Ford B-Max heute keineswegs schmälern. Denn erstens erinnern sich hierzulande selbst Zeitzeugen nicht daran, den japanischen Vorreiter jemals auf deutschen Straßen erblickt zu haben. Und zweitens liegen im Sicherheitskonzept Welten zwischen beiden – der Ford schützt seine Passagiere nämlich mit einer Art unsichtbarer B-Säule. Und das ist nicht weniger als revolutionär.

Um seine Praktikabilität zu beweisen, muss sich der 4,1 Meter lange, vanartige Kleinwagen Ford B-Max 1.6 TDCi mit einem ähnlichen Vertreter messen, dem Skoda Roomster 1.6 TDI. Dieser tritt in der Scout-Version mit Kunststoff-Beplankungen rundum sowie 17-Zoll-Alurädern an. Auch der Roomster war kein Pionier im Segment der Hochdach-Kombis, perfektionierte einfach die Variabilitäts-Idee eines Citroen Berlingo und setzte sie 2006 fühlbar komfortabler und dafür deutlich weniger nutzlastig um. Wie die französischen Kastenwagen bietet der Skoda einen großen Kofferraum, orientiert sich bei der Variabilität aber an den Vans: Drei separat umklapp-, verschieb- und neigungsverstellbare Sitze, alles mit einfachen Handgriffen durchzuführen, sollten die meisten Transportbedürfnisse abdecken.

Ford B-Max ist höherer Kleinwagen mit Schiebetüren

Da kann der Ford B-Max nicht mithalten. Er ist streng genommen nur ein etwas höherer Kleinwagen mit zwei Schiebetüren, aber daraus ergeben sich unschätzbare Vorteile. Öffnet man beide Türen – die vordere wird konventionell zum Körper herangezogen, die hintere mit einem kräftigen Ruck aufgeschoben –, dann klafft eine eineinhalb Meter breite Öffnung in der Seite des B-Max. Anders als bei bisherigen Schiebetür-Varianten steht nun aber keine B-Säule im Weg, die umschifft werden muss – etwa mit einem Kindersitz. Dieser lässt sich stattdessen einfach schräg von vorn statt seitlich hineinhieven. Und dieser Vorzug bleibt auch fürs Verstauen der Einkäufe in engen Parklücken erhalten. Der B-Max ist also Kinder-Taxi ebenso wie Einkaufs-Transporter.

Zudem taugt der Ford B-Max als Baumarkt-Lastwagen, denn neben der Rückbank-Lehne lässt sich auch der Vordersitz umklappen. So passt Sperriges bis 2,35 Meter Länge zwischen Heckklappe und Armaturenbrett. Unter dem stabilen Ladeboden ist zudem Platz für Kleinigkeiten bis hin zu gefüllten Tüten. Mehr Van ist nicht, denn verschieben, ausbauen und verrücken kann man hier nichts.

Sitzt man vorn, wirkt der Ford B-Max erstaunlich luftig und fast so geräumig wie ein Kompakter – obwohl er 30 Zentimeter kürzer ist als der nächstgrößere Ford C-Max. Außerdem fehlt der Einfach-Look, den wie der Skoda Roomster viele Kleinwagen aus Kostengründen pflegen: Die Kunststoffe am Armaturenbrett sind weitgehend unterschäumt, Hartes findet sich vor allem in den Türverkleidungen. Beim Ford macht das relativ hochwertige Ambiente Lust, sich hineinzusetzen, was in dieser Klasse durchaus nicht selbstverständlich ist.

Skoda Roomster ist primär Transportmittel

Deutlich einfacher ist der Fond des Ford B-Max gehalten, doch das stört hier weniger als der Türmechanismus. Das Zuwerfen der Schiebetür geht nur von außen leicht. Sitzt man dagegen auf der Rückbank, muss der Arm versuchen, um die Ecke nach hinten zu greifen. Aus dieser Position lässt sich nur schwer die nötige Kraft aufbringen, um die Tür aus der Arretierung zu bewegen.

Das Reisen selbst ist dank guter Federung und Dämmung angenehm. Weder derbe Unebenheiten und Windheulen noch nerviges Motordröhnen dringt zu den Passagieren vor. Hier ist der Ford B-Max 1.6 TDCi dem Skoda Roomster 1.6 TDI in allen Punkten überlegen und wirkt erneut höherklassig. Gleichzeitig kommt auf kurvigen Passagen tatsächlich Fahrspaß auf, denn wie seine größeren Brüder stürzt sich der B-Max dank hoher Rückmeldung, präziser Lenkung und ohne störendes Karosserie-Wanken freudig ins Kurvengetümmel.

Der Skoda Roomster lässt sich zwar kaum abhängen, wirkt aber eher wie in die Pflicht genommen und macht keinen Hehl daraus, dass er sich als Kastenwagen primär als Transportmittel sieht. Stärker stört allerdings die zu straffe Federung. Diese spricht steifbeinig an, wird erst bei voller Auslastung etwas geschmeidiger. Dass er zehn PS mehr unter der Haube hat, zeigt sich bei den Messfahrten deutlicher als in der freien Wildbahn. Auf der Autobahn etwa bleibt der Ford B-Max 1.6 TDCi am Skoda Roomster dran, wobei sich beide rund um die Richtgeschwindigkeit am wohlsten fühlen. Alles darüber wirkt erzwungen, weil beiden Triebwerken schnell die Puste ausgeht. Hier rächt sich auch die relativ weite Spreizung der fünf Gänge. Ein kurz gestuftes Sechsgang-Getriebe würde helfen, ist bei beiden Herstellern aber erst für stärkere Motoren im Angebot.

Autonis 2014

Ford B-Max mit durchschnittlicher Variabilität

Obwohl sich der auch im Drehmoment schwächere Ford B-Max 1.6 TDCi scheinbar mehr mühen muss, um mit dem Skoda gleichzuziehen, geht er wirtschaftlicher mit dem Diesel-Treibstoff um. Sowohl auf der auto motor und sport-Verbrauchsrunde als auch über den gesamten Test gerechnet ist der B-Max sparsamer. Im Schnitt lässt er sich mit sechs Litern auf 100 Kilometer bewegen, der Skoda benötigt jeweils 0,6 Liter mehr. Das schlägt sich auch bei den Kraftstoffkosten negativ nieder. So kommt es, dass der an sich günstigere Skoda Roomster 1.6 TDI dennoch das Kostenkapitel knapp verliert. Den Sieg verspielt er allerdings eher mit seinem zu unkomfortablen Fahrwerk und dem rauen Motor. Hier wie im Innenraum wirkt der Roomster schon leicht angegraut – immerhin ist er seit sechs Jahren auf dem Markt.

Das Neue setzt sich als das Bessere durch, so sollte das bei Auto-Entwicklungen die Regel sein: Der Ford B-Max 1.6 TDCi gewinnt diesen Vergleichstest. Auch sein erfrischend anderes Türkonzept macht sich bezahlt, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Variabilität im Innenraum nur durchschnittlich ist.

Marcus Peters

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Achim Hartmann

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Heft 25/2012
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