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Alfa Romeo 147 1.9 JTD 16V, Honda Civic 2.2i-CDTi, Seat León 2.0 TDI

Anders artig

Foto: Hans-Dieter Seufert 55 Bilder

Anders sein, aber nur ein bisschen. Frech, aber nicht ungezogen. Hauptsache, nicht im Golf-Strom untergehen. Alfa Romeo 147, Seat León und Honda Civic schwimmen sich in der Kompaktklasse frei.

16.02.2006

Willkommen im golffreien Raum der Golfklasse, bei den Individualisten der Massenbewegung. Willkommen bei Autos, die keine dick gefüllte Brieftasche erfordern und dennoch nicht im Hauptstrom mitschwimmen. Willkommen in der Welt von Honda Civic i-CDTi , Seat León TDI und Alfa Romeo 147 JTD .
Für den Spaß in der Vernunft sorgen ihre Dieseltriebwerke, drehmomentscharfe Reifenschäler mit rund 140 PS und 300 Nm. Damit wollen die Charakter- Gesichter ihren Werbe-Botschaften entsprechen. Der 147 mit Sportlerherz. Der León als feuriger Südländer. Und der Civic soll gar eine Klasse sportlicher fahren – ob das den bisherigen Kunden recht ist? Vom Tarnkappen-Van zum Retro-Futuristen – Honda stellt Fahrer des abgelösten Civic auf die Probe, umgarnt Käufer aus den achtziger Jahren, die das zunehmend bieder werdende Äußere vergrault hatte. Wer mit Raumschiff Enterprise aufgewachsen ist, hat ein Déjà-vu-Erlebnis: Damals malte man sich Autos des 21. Jahrhunderts im Stile des heutigen Civic aus.
Trotz seines selbstsicheren Auftretens trudelt der Civic durch den Identitäts-Orbit. Sein straffes Fahrwerk fühlt sich vom Komfort-Diesel missverstanden, die konturlosen Vordersitze sehen gegen die clever klappbare Rückbank alt aus, die Innenraum-Höhle ließe niemals den großen Kofferraum vermuten, und die modern ausgerichtete Optionsliste mit Sprachsteuerung und Bluetooth beinhaltet leider keinen Partikelfilter. Den gibt es nur im León gegen Aufpreis, im 147 dagegen nicht, obwohl dessen 1.9 JTD-Motor im Fiat-Konzern bereits über diese Technik verfügt. Rhythmisch trommelnd feuert der Alfa-Diesel dem roten Bereich entgegen, nur etwas gehemmt von der langen Endübersetzung. Im niedrigen Gang dagegen stoßen die gemarterten Reifen bei vollem Drehmomenteinsatz Schmerzensschreie aus; der Common- Rail-Bursche verlangt der Vorderachse mehr ab, als sie leisten kann. Mittels schlagender Lenkung mahnt sie einen gefühlvolleren Gasfuß an – großer körperlicher Einsatz verursacht Durst und im Falle des 147 die höchste Spritrechnung.

Das sind nicht die einzigen Defizite, die man der klassisch schönen italienischen Diva verzeihen muss. Ihre Klimaanlage kapituliert vor morgendlichem Beschlag, die Mittelkonsole samt Navigationssystem mit eigenwilliger Rechtschreibung stellt Bedienrätsel, die Sechsgang-Schaltung scheint durch einen Hartgummi- Stab geführt, der Kofferraum ist ein zerklüftetes Loch, sein Deckel hat keinen Griff, und die verspielten Instrumente sind schwer ablesbar. Weil Alfisti vor allem adrett gekleidet sein wollen, sind sie bereit zu leiden: Am Stuckern, das selbst das neue, komfortablere Fahrwerk kaum eindämmt, an der weichen Sitzpolsterung sowie an der Froschhaltung in bester italienischer Sportwagen-Tradition. Doch die Freude über formvollendete Details wie Chrom-Türgriffe überwiegt – 147-Fahrer sind überzeugt, im attraktivsten Auto der Kompaktklasse zu sitzen. Ein Titel, den auch der Seat León begehrt.
Der stolze Spanier scheint in Mailand eingekleidet worden zu sein. Die Mixtur aus abgeflachtem Altea- Design mit 147er-Heck sowie vanartigen Platzverhältnissen ist der beste und praktischste Romeo auf dem deutschen Markt – quasi der Altea für Alfisti. Leider stammt er nicht aus Italien. Und teilt sich ebenso wie der Civic mit den Vans die massive und für Blicke undurchdringbare A-Säule. Davon abgesehen widmet sich der Seat ganz seinem ehrgeizigen Auftrag: der Kompaktklasse um die Ohren zu fahren.
Sein bulliges Turbo-Tier nimmt kurz Anlauf, um bei 2000/min loszuspringen. Zwar ist der TDI weniger drehfreudig als der Alfa-JTD und schlechter erzogen als der Honda-i-CDTi, doch zieht er am eindrucksvollsten durch. Zum Zurückschalten bestünde wenig Notwendigkeit, würde sich das erquickliche Getriebe nicht geradezu zum Gangwechsel aufdrängen. Der Pilot ruht im passgenauen Sitz, zirkelt den León mit der cremigen Lenkung akzentuiert und punktgenau über die Landstraße. Bei Lastwechsel lugt das Heck vorwitzig heraus und trollt sich nach kurzem Lenkrad-Zucken wieder: Es frisst dem Fahrer aus der Hand und muss nur selten von der Fahrdynamik- Regelung gezüchtigt werden.
Ein Vorbild an Fahrsicherheit ist auch der Civic, wäre da nicht die unter starker Belastung nachlassende Bremsleistung. Er lässt sich kaum aus der Ruhe bringen, falls doch, so reagiert seine ESP-Sensorik feinnervig. Kehrseite der Trittsicherheit: Ähnlich wie der Seat stakst der Honda etwas steifbeinig über Fernstraßen, spricht nur in den ersten Feder-Windungen wohlwollend an – vor allem bei voller Beladung teilen sich geschundene Oberflächen deutlich mit, wogegen der León mit Ballast sanftmütiger wird. Wermutstropfen dabei: Man lastet ihn selten aus, da ebenso wie beim Alfa die hohe Ladekante abschreckt.

Clever hat Honda das Transport-Problem gelöst. Die hintere Sitzfläche lässt sich senkrecht gegen die Rücksitzlehne klappen. So entsteht im Fond hoher Laderaum. Auch sonst haben sich die Ingenieure detailverliebt der Bedienung gewidmet. Das Flugzeug- Cockpit schreckt zwar ab, ist aber eine schnell begreifbare Zusammenstellung gut abgeschauter Ideen wie der headup-artige Tacho oder der Dreh-Drücksteller. Wichtige Funktionen befinden sich jedoch auch außerhalb der Menüstruktur. Übertrieben haben es die Gestalter nur mit der graphischen Verspieltheit. Auch sonst bietet der Civic Sport viel fürs Geld: 17-Zöller, Licht- und Regensensor, MP3-Radio – nicht einmal der als Distinctive ebenfalls gut ausgestattete 147 hält mit, obwohl er 2100 Euro teurer ist. Erfreulich knapp kalkuliert Seat: Der León Stylance ist ein Schnäppchen – allerdings nur bei der Anschaffung.
Hohe Kasko-Prämien schmerzen bei den Folgekosten. Der Civic ist vor allem bei der regelmäßigen Wartung teuer; beides ist für Alfa Romeo-Fahrer vergleichsweise günstig. Dass der 147 im Kostenkapitel dennoch nicht brilliert, liegt an den dürren Garantieleistungen. Alfisti ahnen es bereits: Ihr Liebling landet im unbarmherzigen Punktekampf hinter dem Honda Civic auf dem dritten Platz. Zu sehr fällt er in den harten Kriterien ab, zu stark streifen seine Stärken den Bereich des Sinnlichen, weil sich der 147 zu sehr auf Schönheit und Ausstrahlung verlässt.
Hier hat der Seat León stark aufgeholt – und ist in seinen anderen Eigenschaften schlicht überlegen. Er ist der Strahlendste unter den anders Artigen.

Fazit

1. Seat León Stylance
499 Punkte

Der León kombiniert Attraktivität und Sportlichkeit zu einem überzeugenden Paket. Auto Emotión ist hier kein leeres Werbe-Versprechen. Aufgepasst, Alfa Romeo.

2. Honda Civic
482 Punkte

Der futuristische Civic ist ein echter Hingucker, aber kein Blender. Einzige gravierende Schwäche: Die Bremsleistung lässt bei hoher Belastung Besorgnis erregend nach.

3. Alfa Romeo 147 Distinctive
455 Punkte

Ob das schöne Äußere auf Dauer als Kaufanreiz ausreichen wird? Gegen die ebenfalls optisch reizvolle, aber technisch versiertere Konkurrenz hat der 147 wenig zu melden.

Technische Daten
Alfa Romeo 147 1.9 JTD 16VSeat Leon 2.0 TDIHonda Civic 2.2i-CTDi
Grundpreis26.350 €23.149 €24.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4223 x 1729 x 1442 mm4315 x 1768 x 1458 mm4245 x 1765 x 1460 mm
KofferraumvolumenVDA292 bis 1042 L341 bis 1166 L456 bis 1352 L
Hubraum / Motor1910 cm³ / 4-Zylinder1968 cm³ / 4-Zylinder2204 cm³ / 4-Zylinder
Leistung110 kW / 150 PS (305 Nm)103 kW / 140 PS (320 Nm)103 kW / 140 PS (340 Nm)
Höchstgeschwindigkeit208 km/h205 km/h205 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h9,3 s8,6 s
Verbrauch5,9 L/100 km5,6 L/100 km5,3 L/100 km
Testverbrauch7,8 L/100 km7,4 L/100 km7,2 L/100 km
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