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VW Golf GTI Edition gegen Renault Mégane Sport und Seat Leon Cupra

Kompaktsport ist nicht nur optisch eine französische Disziplin

Foto: Frank Herzog 17 Bilder

Drei Jahrzehnte GTI und ein Formel 1-Sieg wollen gefeiert werden: VW begeht sein Jubiläum mit dem Golf GTI Edition 30, Renault den neuerlichen Erfolg mit dem Mégane Sport F1-Team R26. Ganz ohne Anlass steuert Seat den Leon Cupra bei.

08.05.2007 Anja Wassertheurer Powered by

Ein scharf gemachtes Kompaktauto als Imageträger einer zweifachen Doppelweltmeisterschaft in der Königsklasse des Motorsports (Renault konnte in den Jahren 2005 und 2006 nicht nur die Fahrer-, sondern auch die Konstrukteurswertung für sich verbuchen), mag zwar gewagt anmuten, ist letztlich jedoch auch konsequent. Schließlich macht die Millionen schwere Investition eines Großserienherstellers in die Formel 1 unterm Strich nur dann wirklich Sinn, wenn die Strahlkraft solcher Erfolge auch im Tagesgeschäft Spuren hinterlässt – dort also, wo das Geld für derlei Extravaganzen überhaupt erst erwirtschaftet wird. Dass dies in überzeugender Manier geschehen muss, versteht sich dabei von selbst. Aufkleber im Zielflaggenlook allein garantieren keinen dauerhaften Imagegewinn.

An den Renault werden hausintern hohe Erwartungen gestellt

Demnach wird der neue, auf 150 Exemplare limitierte Renault Mégane Sport F1-Team R26 im Rahmen des Vergleichstests vor allem auf seine ernsthafte Sporttauglichkeit hin zu überprüfen sein. Die hausinterne Messlatte ist dabei hoch gelegt: Schon die vorhergehende Sonderserie, die auf 50 Autos begrenzte sport auto-Edition, hatte im Supertest (Ausgabe 6/2005) nämlich einiges zu bieten. Der zweite Kompaktsportler des Vergleichs ist gleichfalls eine Art Geschenk: Volkswagen sieht in 30 Jahren GTI-Historie ähnlich viel Grund zum Feiern wie Formel 1-Weltmeister Renault und spendiert dem Zweiliter-Turbomotor des aktuellen Golf GTI aus diesem Anlass 30 zusätzliche Pferdestärken – für jedes Jahr eine, wie die Pressemappe werbewirksam verkündet. Das wahlweise mit zwei oder vier Türen, manuellem Sechsganggetriebe oder Direktschaltgetriebe DSG zu habende, nunmehr 230 PS starke Sondermodell, ist vorerst sogar unbegrenzt verfügbar.

Gleiches gilt für den mit der Kraft von 240 Rössern gesegneten Leon Cupra, der beim spanischen VW-Spross Seat fortan die Spitze der Kompaktklasse markiert und im Gegensatz zu seinem Vorgänger mit dem R im Namen nunmehr wie seine Rennsport-Brüder aus der Seat-Supercopa-Rennserie ohne Allrad antritt. Der Viertürer mit den à la Alfa Romeo pfiffig in den hinteren Scheibenrahmen integrierten Türgriffen setzt ebenso wie die zweitürige Konkurrenz auf Frontantrieb. Von der Formensprache her fühlen sich die Südländer der progressiven Linie verpflichtet, während der Norddeutsche der Klassik huldigt. Von einem dezenten Schriftzug am Heck und den nunmehr auch in Mattschwarz statt Silber bestellbaren 18-Zoll-Rädern im Lochdesign abgesehen, unterscheidet den Golf der Edition 30-Serie äußerlich nichts vom 200 PS starken Standard-GTI. Die abgebildeten Vielspeichenräder sind auch beim Editionsmodell allein den Winterreifen vorbehalten. Was die Größe der Sommerpneus angeht, setzen die technisch weit gehend identischen Brüder aus dem VW-Konzern auf ein und dasselbe Format – 225/40 R 18 auf 7,5 Zoll breiten Felgen rundum. Renault trägt mit 235/40 R 18er-Pneus auf 8-Zoll-Felgen etwas dicker auf. Leistungstechnisch tanzt der 240 PS starke Seat forsch und selbstbewusst aus der Reihe.

In der Papierform nehmen sich die Kontrahenten nicht viel

Der Golf GTI und der Renault Mégane Sport geben sich in ihrer stärksten Fassung mit je 230 Pferdestärken zufrieden. Weit wichtiger als die vom jeweiligen Hersteller genannte Papierform ist jedoch die Art der Leistungsentfaltung. Und hier sind sich – wie könnte es auch anders sein – die auf baugleiche Antriebsquellen vertrauenden Konzerngeschwister einig. Ob 230 oder 240 PS – sowohl der Seat Leon als auch der VW Golf stemmen bei frühen 2.200 Touren bis zu 300 Newtonmeter Drehmoment auf die Kurbelwelle. Der Franzose übertrifft diesen Wert mit maximal 310 Newtonmeter zwar geringfügig, packt aber auch erst bei 3.000 Kurbelwellenrotationen den ganzen Hammer aus. Ein auf dem Papier stehender Unterschied, der auch im Alltag Spuren hinterlässt. Während die das Benzin direkt einspritzenden Zweiliter-Turbomotoren des Golf und des Leon eine an Saugmotoren erinnernde Leistungscharakteristik an den Tag legen, zeigt der aufgeladene Zweiliter-Treibsatz des Renault ganz unverhohlen, wes Geistes Kind er ist. Der Einsatz des Laders fällt beim Mégane deutlich spürbarer aus, und nach dem Kaltstart gibt sich der Vierzylinder auch schon mal ein wenig bockig. Gaspedalbefehle werden auf den ersten paar hundert Metern etwas widerwillig akzeptiert.

Auch in Bezug auf die Lenkung fordert der Franzose mehr Eingewöhnung als die im täglichen Fahrbetrieb insgesamt sehr verschliffen agierenden Turbo-Sportler von Volkswagen und Seat. Die leichtgängige Steuerung des Renault mutet, weil sie weniger Rückmeldung liefert, bei der ersten Kontaktaufnahme nämlich indirekter an, als sie tatsächlich ist. Dass der im Zuge der Überarbeitung mittels Feinarbeiten an der Motorsteuerung und Modifizierungen an der Abgasanlage von 224 auf 230 PS erstarkte Mégane im F1-Team-Trim erstmals über ein mechanisches Sperrdifferenzial an der Vorderachse verfügt, fällt im Alltag entgegen der Befürchtung keineswegs negativ auf. Den Wechsel vom Last- in den Schiebebetrieb nimmt der Renault stoisch hin. Hingegen zeigt das dem Rennsport entlehnte Bauteil immer dann segensreiche Wirkung, wenn es gilt, flott voranzukommen. So zum Beispiel bei der Zeitenhatz auf dem 2,6 Kilometer langen Kleinen Kurs in Hockenheim. Trotz nahezu identischer Beschleunigungswerte im Standardsprint und einem deutlich weniger gut entwickelten Durchzugsvermögen, ledert der Renault die Konkurrenz auf diesem Terrain gnadenlos ab. Wo der Golf und der Seat am Ausgang enger Ecken wie beispielsweise der Ameisenkurve spürbar um Vortrieb ringen, marschiert der Mégane R26 davon, als könne er die Antriebskräfte über alle Viere zu Boden bringen. Das bis zu 35 Prozent sperrende Vorderachsdifferenzial gleicht die zwischen den vor- deren Antriebsrädern auftretenden Drehzahlunterschiede mühelos aus. Im Gegensatz zur Konkurrenz ringt das entlastete, kurveninnere Rad beim Renault nie vergebens um Grip. Dies, andere Stoßdämpfer, um zehn Prozent straffere Federraten an der Vorder- und mittels kleinerer Anschlaggummis verlängerte Federwege an der Hinterachse sowie ein dickerer Stabi vorn lassen den in der Renault Sport-Abteilung in Dieppe aufgebauten Franzosen aus der Rundstreckenprüfung als klaren Sieger hervorgehen.

Der Renault distanziert die Mitstreiter in Hockenheim deutlich

Während der Seat und der VW den Kleinen Kurs im Badischen ungeachtet geringfügiger Leistungs- und Gewichtsdifferenzen unisono in 1.20,3 Minuten umrunden – der eine auf Pirelli P Zero-, der andere auf Bridgestone Potenza-Pneus – absolviert das neue Mégane Sportmodell die gleiche Übung in ungleich flotteren 1.18,6 Minuten. Hier sorgen Michelin Pilot Sport 2-Reifen für allzeit gute Bodenhaftung. Charakterlich gibt sich jedes der Autos gänzlich eigenständig. Der gutmütigste und zweifelsfrei narrensicherste Vertreter seiner Zunft ist der VW Golf GTI Edition 30. Von Traktionsschwächen beim Herausbeschleunigen aus engen Ecken abgesehen, zieht der Wolfsburger Viersitzer ungerührt seiner Bahn. Der GTI lenkt willig ein und verhält sich weit gehend neutral. Schweißnasse Hände am Volant sind in diesem Umfeld kein Thema. Der Golf agiert wie er aussieht: gutmütig-gediegen und frei von List und Tücke.

Beim Seat Leon Cupra bietet sich ein durchwachseneres Bild. Gewisse Schwächen bezüglich der Traktion sind auch bei dem geringfügig größeren und schwereren Spanier zu verzeichnen, obwohl diese hier etwas weniger ausgeprägt erscheinen. Insgesamt hinterlässt der Seat jedoch einen weniger ausgeglichenen Eindruck. Während der Golf GTI durch nichts und niemanden aus der Ruhe zu bringen ist, zaubert der Leon seinem südländischen Temperament gemäß schon mal den einen oder anderen Tanzschritt aufs Parkett. Wer nach dem beherzten Anflug auf die ausgangs der Start-/Zielgeraden befindliche Nordkurve des Hockenheimrings allzu forsch einlenkt und den Anker wirft, wird von dem dann überraschend leichtfüßig daherkommenden Heck gefordert. Das recht digital ans Werk gehende ABS trägt seinen Teil zu der bei forschen Bremsmanövern zu verzeichnenden Links-Rechts-Schiebung bei. Wer die überaus bissigen Stopper des Seat nicht erst in letzter Sekunde und bis zur Grenze der Belastbarkeit fordert, sondern progressiv agiert, den belohnt der spanische Löwe mit deutlich mehr Gelassenheit. So oder so gerät die Zeitenhatz im Seat einen Tick spaßiger, aber auch aufregender als im Golf.

Der temperamentvolle Spanier muss dem Franzosen den Vortritt lassen

An die beeindruckende, an frontgetriebene Tourenwagen erinnernde Quirligkeit des Renault Mégane R26 reicht jedoch auch das Temperament des Leon nicht heran. Der Franzose kommt dem Idealbild des kompakten Leichtathleten schon sehr nahe. Sein Motor geht, da bei sportlichem Einsatz primär im oberen Drehzahlbereich gefordert, fast schon explosiv ans Werk, seine Bremse hält, was der üppige Durchmesser ihrer Scheiben (312 Millimeter vorn, 300 Millimeter hinten) verspricht. Der sonore Klang, der den beiden mittig postierten ovalen Endrohren entweicht, ist eines Sportlers würdig, die Traktion dank der bereits zitierten Sperre makellos. Dass der Renault seinem Piloten dennoch weder Zugeständnisse an die Sicherheit im Grenzbereich noch nennenswerte Komforteinbußen im Alltag zumutet, ist ihm ebenso hoch anzurechnen wie sein ausgesprochen verhaltener Durst. Mit 11,1 Liter Super Plus auf 100 Testkilometern verspricht der Mègane Genuss ohne Reue – zumal bei verhaltener Fahrweise auch acht Liter drin sind. Der Verbrauch von Golf und Leon geht mit 12,0 respektive 12,6 Liter auf 100 Kilometern zwar gleichfalls in Ordnung. Jedoch überwand keiner der VW-Sprösslinge die Normdistanz mit weniger als zehn Litern Super Plus – Zurückhaltung am Gaspedal hin oder her. Andererseits lassen sich lange Etappen insbesondere an Bord des Golf GTI Edition 30 zweifellos eine Spur gediegener abspulen als an Bord des Mégane F1-Team.

So elegant wie der auch innen in feinstes Schwarz-Gelb gekleidete Testwagen kommt der R26 serienmäßig nämlich nicht daher. Sportsitze, Leder und Alcantara sind im Grundpreis von 27.200 Euro zwar bereits enthalten, allerdings nicht in der hier gezeigten Menge und Farbigkeit. Wer nur die vorderen und hinteren Fauteuils frühlingsfrisch gelb statt trist schwarz gewandet haben will, wird mit 1.428 Euro zur Kasse gebeten. Wer die Komplettlösung nebst farbigem Dachhimmel, bezogenen Sitzkonsolen und Türinnenverkleidungen wählt, muss 4.016 zusätzliche Euro berappen. Den mit 34.582 Euro recht stolzen Testwagenpreis des VW-Editionsmodells überbietet der Franzose jedoch auch in seiner edelsten Ausführung nicht. Die Wolfsburger lassen sich die 30 zusätzlichen Pferdchen unter der Haube, die Teillederausstattung an den Sitzseitenwangen und Kopfstützen, die Qual der Wahl bezüglich der Felgenfarbe und die mattsilbern glänzende Einstiegsleiste mit Edition-30-Schriftzug an der Fahrertür nämlich üppig entlohnen. In Anbetracht des Umstands, dass das GTI-Jubiläumsmodell sich (von der zu Gebote stehenden Mehrleistung abgesehen) weit weniger grundlegend vom 200 PS starken Basis-GTI unterscheidet als der Mégane R26 vom Mégane RS, bleibt Folgendes zu konstatieren: Volkswagen hat mit dem Golf GTI Edition 30 einen schmucken, uneingeschränkt alltagstauglichen und höchst gediegenen Kompaktsportler auf die Räder gestellt.

Alles in allem ist das Sondermodell jedoch eher als innovative Kreation der Marketingabteilung denn als veritabler Hardcore-Sportler zu verbuchen – auch wenn sich die zusätzlichen 30 PS Leistung bei flotten Autobahnüberflügen subjektiv durchaus bemerkbar machen. Jenseits 200 km/h geht es im VW Golf eindeutig flotter und zugleich entspannter voran als im Renault Mégane. Ihren Grund zum Feiern wirklich ernst genommen haben jedoch die Franzosen. Sie haben den Sportsgeist der Formel 1 nicht nur zitiert, sondern in Form des Mégane F1-Team R26 im Rahmen des Möglichen auch umgesetzt. Wo Zielflaggen draufkleben, ist in diesem Fall also erfreulich viel Motorsport drin.

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Technische Daten
Renault Megane F1Seat Leon 2.0 TFSIVW Golf GTI Edition 30
Grundpreis29.700 €27.990 €29.175 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4228 x 1777 x 1437 mm4323 x 1768 x 1458 mm4216 x 1759 x 1501 mm
KofferraumvolumenVDA330 bis 1190 L341 bis 1166 L350 bis 1305 L
Hubraum / Motor1998 cm³ / 4-Zylinder1984 cm³ / 4-Zylinder1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung169 kW / 230 PS (310 Nm)177 kW / 240 PS (300 Nm)169 kW / 230 PS (300 Nm)
Höchstgeschwindigkeit236 km/h247 km/h245 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h6,4 s6,6 s
Verbrauch8,7 L/100 km8,1 L/100 km8,1 L/100 km
Testverbrauch11,1 L/100 km12,6 L/100 km12,0 L/100 km
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