Honda Jazz und Renault Modus: Flotte Kleinwagen im Vergleich

Renault Modus

Die Helden der Parkplatz-Safari in der Stadt sind sie ohnehin schon. Aber Honda Jazz und Renault Modus wollen noch mehr Triumphe feiern - als clever-zeitgemäße Erstauto-Alternativen. Vergleich der 100-PS-Versionen.

Wann hat der Kleinwagen eigentlich aufgehört, ein Kleinwagen zu sein? Schon 1959, als der Mini mit seinem Quermotor-Frontantriebs-Layout das Grundkonzept moderner Kleinwagen präsentiert und zeigt, dass ein kleines Auto so fahrsicher sein kann wie ein großes? Oder 1983, als der Peugeot 205 beweist, dass er trotz aller Kürze so komfortabel sein kann wie ein Oberklasseauto?

Oder 2004, als sich der Renault Modus beim Euro NCAP-Crashtest so vorbildlich an die Wand knautscht, dass er als erster Supermini fünf Sterne bekommt? Oder 2008, als Honda das Raumwunder im Jazz perfektioniert und ihm neben der Variabilität eines Vans auch noch ein Platzangebot einkonstruiert, das vor 25 Jahren die Grenzen der bürgerlichen Mittelklasseautos gesprengt hätte? Das liegt an seinem One-Box-Design.

Es maximiert zwar die Unübersichtlichkeit nach vorn, aber eben auch die Raumausnutzung. Von den 6,61 Quadratmetern Jazz bekommt die Antriebstechnik nur einen kleinen Teil ab. Anderes wird clever untergebracht - der Kraftstofftank etwa duckt sich unter die Vordersitze.

Das schafft ein Raumangebot, das in seiner Familientauglichkeit auch durch die für Großgewachsene mäßige Kopffreiheit nur wenig einschränkt wird. Im Kofferraum bleibt zudem ein Volumen von 399 Liter, das auf dem Niveau deutlich größerer Autos liegt - ein Seat Altea oder ein Volvo V50 bieten kaum mehr. Wie schon die letzte Jazz-Generation von 2002 ist auch die neue ein Meister des Rücksitzbank-Origami. Mit zwei Handgriffen falzen sich die Fondsitze flach und ebnen so eine 1,72 Meter lange Ladefläche.

Talentierte Rückbank-Akrobatik

Alternativ lassen sich die Sitzkissen wie im Kino an die Lehne falten; der Platz bis zu den Vordersitzen genügt dann sogar für zwei teilenträderte Mountain Bikes. Talentierte Rückbank-Akrobatik gehört seit dem R 16 auch zur Renault-Folklore. Im Modus gipfelt sie in einer um 17 Zentimeter längs verschieb- und zum bequemeren Zweiersitz umbaubaren Bank. Die Lehnen klappen asymmetrisch, das Ganze lässt sich als Paket hinter den Vordersitzen zusammenpacken. Dann bleibt auch im Modus eine ebene Ladefläche, die zwar - wie schon der Standardkofferraum - deutlich kleiner ausfällt als im Jazz, sich aber durch die größere Heckklappe leichter beladen lässt.

Luxusproblem

Im Modus-Fond sitzt man wegen der harten Polster unbequemer. Die weicheren Vordersitze dagegen bieten den besseren Komfort für lange Strecken. Die kann man dazu nutzen, sich über die digitalen Mittelinstrumente und die kompliziertere Bedienung des Modus zu ärgern. Denn das konventionelle Jazz-Cockpit verzichtet auf jeden Flimmer-Glimmer und lässt sich trotz der vielen Tasten leichter bedienen.

Dabei verfügt die Topversion Exclusive vom Tempomat über Klimaautomatik bis zum träge reagierenden Lichtsensor über eine Serienausstattung, die, anders als beim Modus, bei dem selbst ESP Aufpreis kostet, weit mehr als nur das Nötigste bietet. Kleinwagen-Kargheit - das war mal. Auch 100 PS sind nicht mehr das, was sie einmal waren. In der Mittelklasse galt das früher als Schallmauer zum Establishment, bei Kleinwagen als Grenze zum sportlichen Hot Hatch-Territorium.

Doch Jazz und Modus sind keine Hot Hatches - sie wirken noch nicht mal richtig aufgetaut. Ihre 100 PS sorgen gerade mal für angemessene Fahrleistungen. Den 1,2-Liter-Renault-Motor pustet ein Turbolader mit 0,7 bar auf diese Leistung, die nicht immer überspielen kann, dass es dem schmächtigen Triebwerk an Hubraum mangelt - auf der Autobahn etwa, wenn es nach einer Baustelle kurz dauert, bis sich genug Ladedruck aufgebaut hat, um aus niedrigen Drehzahlen und im hohen Gang zu beschleunigen.

Ein Luxusproblem im Vergleich zu der asthmatischen Kraftentfaltung des Honda-Saugmotors. 190 Kubik mehr genügen nicht, um gegen den Renault-Turbo zu bestehen. Schon wenn man es nicht eilig hat, muss der 1,4-Liter ständig im Bereich um 4.000 Touren herumquirlen. So etwas wie Durchzugskraft im großen Gang gibt es ab Tempo 120 kaum noch. Dann kann sich selbst die Schaltanzeige, die sonst immer tieftouriges Herumzuckeln propagiert, durchringen, einen niedrigeren Gang zu empfehlen.

Hoher Verbrauch

Also mit einem lockeren Klacken eine Stufe zurück, der Motor schrillt auf und zieht den Jazz ein bisschen energischer voran. Doch das ständige Hochdrehen schadet dem Verbrauch, der mit 7,7 Liter/100 km für diese Klasse hoch ausfällt. Beim Modus sind es noch einmal gierige 0,6 Liter mehr - aber man gönnt es ihm eher, schon weil er für niedertouriges Fahren genug Druck hat und so dauerndes Herumrühren in seiner langwegigen und kratzigen Fünfgangbox erspart.

Das sorgt auch für ein niedrigeres Geräuschniveau als im Jazz. Zu dessen Stärken zählt Fahrkomfort ohnehin nicht. Er möchte gern sportlich wirken, poltert aber über Gullydeckel, stuckert über Querfugen und scheitert mit seiner übertrieben straffen Federung an jeder Art von Bodenunebenheit.

Das fällt im Vergleich zum Modus umso mehr auf, weil der Franzose auch tiefe Schlaglöcher souverän wegfiltert - ohne deswegen langsamer oder weniger fahrsicher zu sein. Selbst seine trägere und unpräzisere Lenkung stört weniger als die des Jazz. Sie fühlt sich um die Mittellage zappelig an und setzt minimale Lenkradbewegungen in übertriebene Richtungsänderungen um. So helfen dem Jazz am Ende alle Raumwunder und Variabilitätsgenialität nicht mehr. Er mag der größere Kleinwagen sein - der erwachsenere Modus aber gehört zu denen, die eigentlich keine Kleinwagen mehr sind.

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Sebastian Renz

Autor:

auto motor und sport, Heft 02 / 2009

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