Honda Jazz, Mazda 2 und Mitsubishi Colt im Test

Knackt der Colt die Konkurrenz?

Honda Jazz 1.2 i-VTEC Trend, Mazda 2 1.3 MZR Dynamic, Mitsubishi Colt 1.3 Inform

Von wegen Stadtautos. Kleinwagen der Vier-Meter-Klasse sind längst Erstwagen-tauglich. Mit jeder Menge Platz und Agilität will der Mitsubishi Colt gegen seine Landsleute Honda Jazz und Mazda 2 punkten.

Das ist doch mal eine Auswahl: An die 50 Kleinwagen balgen sich derzeit um die Gunst der Käufer - fast drei Mal so viele wie noch in den achtziger Jahren. Da müssen sich Hersteller schon was einfallen lassen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Doch die Mühe lohnt sich: Obwohl bereits heute fast jedes dritte in Europa verkaufte Fahrzeug dem B-Segment angehört, versprechen steigende CO2- Sensibilität sowie zunehmende Nichtmehr-Auto-als-nötig-Einsichten den Kleinen wachsende Popularität.

Mitsubishi Colt mit einem Schuss Sportlichkeit

Mitsubishi verabschiedet sich daher beim Ende 2008 überarbeiteten Mitsubishi Colt von den braven, aber auch etwas beliebigen Formen des Vorgängers. Scharfe Ecken und Kanten sowie ein finsterer Scheinwerferblick sollen Alltagsnutzen mit einem Schuss Sportlichkeit würzen. Den aus dem Mitsubishi Lancer übernommenen Kühlergrill mit einem Kampfjet in Verbindung zu bringen, wie es sich Marketing-Profis wünschen, gelingt jedoch nur fantasiebegabten Interessenten. Leichter lässt sich da schon das üppige Platzangebot ausmachen. Denn obwohl die Japaner nur 35 Prozent der Teile vom zusammen mit Daimler entwickelten Ur-Modell übernahmen, hat der geräumige Innenraum samt steiler Heckklappe überlebt.

Das Kleinwagen-Interieur zeigt den Sparkurs

Daher steigen selbst große Mitfahrer ohne Verbeugung in Reihe zwei ein, um sich aufrecht sitzend und mit übereinander geschlagenen Beinen chauffieren zu lassen. Die verschiebbare Rückbank blieb bei der Überarbeitung jedoch auf der Strecke, immerhin lassen sich dank umklappbarer Beifahrerlehne auch längere Gepäckstücke durchschieben. Sonstige Variabilitätstricks sucht man trotz vanartiger Silhouette allerdings vergebens. Zudem offenbaren dünn gepolsterte Sitze und tristes Hartplastik im Mitsubishi Colt am freizügigsten, dass bei Kleinwagen um jeden Cent-Bruchteil gefeilscht wird. Auch das Jazz-Interieur beantwortet Klopfproben von Qualitätstestern mit einem hohlen "Pock".

Der Honda Jazz bietet so viel Platz wie ein Mittelklasse-Auto

Etwas Stoff in den Türverkleidungen, bequemere Vordersitze sowie viele praxisgerechte Ablagen sorgen dennoch für mehr Heimeligkeit. Seinen größten Trumpf spielt der Honda Jazz jedoch weiter hinten aus: Da die Honda-Ingenieure den Tank unter die vorderen Sitze verfrachteten, bleibt im Heck besonders viel Platz übrig. So lässt sich die Rückbank nicht nur mit einem Handgriff versenken - durch Hochklappen der Sitzfläche wie bei Kinosesseln entsteht ein fast 1,30 Meter hohes Abteil, das sich über weit öffnende Türen einfach bestücken lässt. So steht einem Wochenendtrip mit zwei Mountainbikes und jeder Menge Gepäck ebenso wenig etwas im Weg wie dem Heimtransport neuer Plasmafernseher oder Yukkapalmen. Der Begriff Kleinwagen gilt beim Honda Jazz (Honda Jazz Hybrid ) also nur für außen, mehr Platz bieten auch viele Mittelklässler nicht. Die von Honda "magische Rückbank" genannten Sitze sind schon im Basismodell serienmäßig an Bord, bei der getesteten Variante Trend für 14.890 Euro kommen noch Audio- und Klimaanlage sowie Zentralverriegelung mit Fernbedienung hinzu.

Mazda 2 punktet mit leichtgängiger und direkter Lenkung

Beim Thema Plasma-TV verweist der Mazda 2 lieber gleich an den Lieferservice. Gepäck muss bei ihm nämlich über eine schmale Heckklappe in den Kofferraum gewuchtet werden, der sich traditionell nur durch Umklappen der Rücksitzlehne erweitern lässt. Das intimer geschnittene Interieur zwingt zudem großgewachsene Hinterbänkler zum Kopfeinziehen. Dafür zeigt der 2er auf der Straße, wo’s langgeht. Mit seiner leichtgängigen und direkten Lenkung sowie neutralem Eigenlenkverhalten lässt er sich mit Abstand am zackigsten durchs Landstraßen-Geschlängel schicken. Die schmalen A-Säulen stören beim Anvisieren der nächsten Kehre zudem weitaus weniger als die Van-Pfosten der anderen. Dass sein Motor ein paar PS schwächer ausfällt, bleibt unbemerkt: Wie seine Kollegen wirkt er ausreichend quirlig, auch wenn den kleinen Benzinern an Autobahnsteigungen schon mal die Luft ausgeht.

Mit Sport hat der Honda Jazz nichts zu tun

Da er zudem nicht unnötig hart federt, sorgt das herbe Abrollen seiner Serie-45-Räder für wenig Unruhe. Immerhin bescheren die breiten Reifen bei kalter Bremse sportwagenähnliche Verzögerungswerte. Die 16-Zöller gehören ebenso zur 16.350 Euro teuren Dynamik-Version wie Klimaautomatik, Sitzheizung, Lederlenkrad oder CD-MP3-Radio. Auch dank schmaler Serie-65-Räder wiegt der Honda Jazz kürzere und längere Unebenheiten gelassen aus, ohne durch allzu starke Karosseriebewegungen zu verschrecken. Mit Sport hat der Honda Jazz dennoch nicht viel am Hut. Sein geschmeidig hochdrehender, aber vor allem beladen durchzugsschwacher Motor und die entkoppelt wirkende Lenkung beugen fahrdynamischen Ambitionen ebenso vor wie das früh und rigide eingreifende ESP.

Kein Kleinwagen glänzt im Vergleichstest mit niedrigem Verbrauch

Immerhin genehmigt sich der 1,2-Liter einen Tick weniger Sprit als die beiden 1,3-Liter. Verbräuche zwischen sieben und acht Liter Super fallen allerdings nicht gerade als rekordverdächtig auf. Kein Wunder, kann doch keiner mit ausgeklügelter Spritspartechnik glänzen. Immerhin ist der Colt für 500 Euro Aufpreis als Cleartec-Variante mit Start-Stopp-System, längerer Übersetzung und rollwiderstandsoptimierten Reifen lieferbar, die im Normverbrauch einen ganzen Liter unter der Standard-Variante bleiben soll. Ohne Start-Stopp und sonstiger Tricks bedarf es schon eines besonders leichten Gasfußes, um die drei auf einen artgerechten Verbrauch von rund fünf Litern zu bekommen.

Dank kräftigerem Motor kann der Mitsubishi Colt locker am Mazda 2 dranbleiben - aber nur wenn’s geradeaus geht. Enge Kehren sind nämlich viel weniger sein Ding, als es die zackige Lenkung suggerieren mag, da er früh untersteuert und auf Lastwechsel mit leichten Heckschwenks reagiert. Nicht nur deshalb unverzeihlich, dass er als Einziger kein serienmäßiges ESP bietet. Der wichtige Schleuderschutz muss in der getesteten Variante Inform für 600 Euro zusammen mit den Kopfairbags separat geordert werden. Auch für Kleinwagen ein Anachronismus.

Der Mitsubishi Colt sticht nicht aus der Menge

Schwacher Trost, dass die günstige Basis für 13.490 Euro ansonsten bis auf ein Radio alles Wesentliche mitbringt. Die steife Federung und der brummige Vierzylinder hinterlassen zudem einen rustikalen Komforteindruck. Für verwinkelte Innenstädte fällt auch der Wendekreis zu groß aus. Unterm Strich gelingt es dem Mitsubishi Colt also nicht, aus der Masse der Kleinwagen herauszuragen. Während der agile Mazda 2 und der variable Honda Jazz mit ganz unterschiedlichen Stärken punkten, fehlt es dem Mitsubishi Colt neben serienmäßigem ESP vor allem an einem klaren Profil.

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Dirk Gulde

Autor:

auto motor und sport, Heft 23 / 2009

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