Hyundai Genesis und VW Scirocco im Test: Sportcoupés mit Turbopower

03/11 aumospo06/2011 Hyundai Genesis Coupé 2.0T, VW Scirocco 2.0 TSI

Mit dem Hyundai Genesis Coupé entdecken die Koreaner den Spaß am Auto. Das eigentlich für die USA konzipierte Coupé mit Hinterradantrieb kommt jetzt auch nach Europa. Dort trifft es auf den VW Scirocco, der seine 210 PS auf die Vorderräder loslässt.

Genug von der Gegenwart? Manchmal reicht es schon, sich ein Nogger-Eis zu gönnen oder am PC eine Runde Pacman zu daddeln, um sich zwei bis drei Jahrzehnte rückwärts zu bewegen. Nur jene, die sich nach den preisgünstigen Coupés mit Hinterradantrieb aus dieser Zeit sehnen, waren bislang gekniffen - doch jetzt reicht ein Besuch beim freundlichen Hyundai-Partner.

Genesis überragt den Scirocco

Dass die Koreaner ordentliche Alltagsgefährten auf die Räder stellen können, haben sie unter anderem mit dem i30 und dem ix35 bewiesen. Nun eröffnen sie einen Spielplatz abseits der Vernunft und schicken das ursprünglich ausschließlich für die USA und Asien konzipierte Hyundai Genesis Coupé nach Europa. Für weniger als 30.000 Euro fährt der 4,63 Meter lange Zweitürer in der Basisvariante einen Zweiliter-Turbo-Benziner auf, der 214 PS an die 19 Zoll großen Hinterräder schickt. Der nahezu gleich starke Scirocco von VW kostet ab 26.700 Euro, tritt allerdings deutlich kompakter und weniger sportwagenlike auf. Außerdem treibt sein Turbo-Vierzylinder die Vorderräder an, ganz bieder.

Hyundai-Vierzylinder zäh und klanglos

So tippt man voller Vorfreude auf den Hyundai Genesis Coupé-Startknopf, der das aufgeladene Triebwerk zündet. Er gehört zum 1.740 Euro teuren Plus-Paket, das unter anderem auch ein Soundsystem von Infiniti beinhaltet. Sollte stattdessen jedoch nicht besser der neu entwickelte Zweiliter-Vierzylinder die Musik machen? Sowohl aus dem Motorraum als auch aus den beiden Auspuffendrohren des Hyundai Genesis Coupé dringt im Test allerdings nur ein banales Brummen.

Macht nichts, es wäre nicht der erste Sportwagen, der erst unter Last seine Stimmlage zum Positiven hin verändert. Nicht so das Hyundai Genesis Coupé, das stattdessen nervtötend dröhnt. Also doch lieber die Audioanlage nutzen. Neben dem enttäuschenden Klang fühlt sich das Triebwerk zäh an, verlässt sich lieber auf die Wucht des maximalen Drehmoments von 302 Newtonmeter als auf hohe Drehzahlen. Immerhin: Beim Sprint von null auf 100 km/h vergehen mit 7,8 Sekunden zwei Zehntel weniger, als das Werk angibt.

Übereifriges ESP, schlappe Dämpfer

Bei der Querbeschleunigung hapert es allerdings, denn schnelle Richtungswechsel verhindert die zwar direkt ansprechende, aber verhärtende Lenkung. Darüber hinaus zieht das ESP im Hyundai Genesis Coupé bereits frühzeitig und grobschlächtig die Reißleine. Auf gerader, nasser Fahrbahn reicht im Test oft auch eine Querfuge, um die Elektronik in blinden Aktionismus verfallen zu lassen. Wenigstens kann man sie ohne geheimnisvolle Choreographien mit einem einzigen Tastendruck abschalten, worauf sich die Fahrbahn prima durch das Seitenfenster betrachten lässt - wenngleich engagierter Quertreiberei erneut die verhärtende Lenkung im Weg steht. Der automobile Alltag fordert ohnehin andere Tugenden. So schadet es beispielsweise nicht, wenn zumindest eine Prise Federungskomfort im Fahrwerk steckt. Die Dämpfer des Hyundai Genesis Coupé poltern dagegen lustlos in den Domlagern und überlassen stattdessen die Hauptarbeit den knallharten Federn sowie den bequemen Sportsitzen, die überdies guten Seitenhalt bieten. Am ordentlichen Platzangebot - zumindest in der ersten Reihe - sowie dem großen Kofferraum und den problemlos ablesbaren Instrumenten brechen sich wiederum die Vernunft-Gene des Herstellers Bahn. VW ging noch einen Schritt weiter, wählte eine an ein Kombi-Coupé erinnernde Form, um Mitreisenden eine einigermaßen würdevolle Unterbringung zu ermöglichen. Den Vorderradantrieb konnten sich die Wolfsburger beim VW Scirocco ebenfalls nicht verkneifen, geschweige denn einen deaktivierbaren ESP-Rettungsanker.

VW-Motor mit Drehfreude und Sportklang

Und wo bleibt da bitte der Fahrspaß? Bereits die sportlich-niedrige Sitzposition lässt ebenso hoffen wie das tiefe Timbre des 210 PS starken Vierzylinders. Der dem Golf GTI entliehene Direkteinspritzer im VW Scirocco muss mit knapp 1,4 Tonnen 136 Kilogramm weniger Auto bewegen, was er prompt in deutlich flottere Beschleunigungswerte ummünzt. Dabei borgt sich der Vierzylinder seinen heiser-bassigen Klang ebenso von sportlichen Saugmotoren wie deren Drehfreude. Das Fahrwerk geht den hohen Einsatz des Motors mit, begeistert mit leicht übersteuerndem Eigenlenkverhalten bei Lastwechseln. Dem will die Lenkung in nichts nachstehen; sie vermittelt optimalen Fahrbahnkontakt, verkneift sich aber hypersensibles Ansprechen. Überhaupt scheinen die Vorderräder des VW Scirocco keinerlei Probleme damit zu haben, gleichzeitig Längs- und Querkräfte zu übertragen. Die 205 Euro teure elektronische Differenzialsperre XDS jongliert scheinbar lässig mit jedem einzelnen Newtonmeter, ohne rigoros die Leistung herunterzufahren. Dadurch ergibt sich auch auf nasser Fahrbahn ein verblüffend munteres Handling mit hohen Sicherheitsreserven - ohne Abstriche beim Komfort.

Selbst bei von klammen Kommunal-Kassen gezeichneten Straßen bemüht sich der VW Scirocco erfolgreich, die Schlaglöcher nicht ungefiltert weiterzugeben. In den Innenraum dringt dabei weder Poltern noch Knistern, einzig das optionale Panoramadach sorgt mit starken Windgeräuschen für Dissonanzen. Zugegeben, erst die 965 Euro teuren adaptiven Dämpfer verhelfen dem Fahrwerk zu seiner überzeugenden Vorstellung, aber sogar damit bleibt der VW Scirocco ausstattungsbereinigt preislich unterhalb des Hyundai Genesis Coupé. Dessen Antriebskonzept erscheint nur auf dem Papier reizvoll, taugt höchstens für locker-flockige Drifts. Doch die lassen sich auch mit einem entsprechenden Youngtimer für kleines Geld auf den Asphalt zaubern - Zeitreise inklusive.

Kommentare
Bild vergrößern
Jens Dralle

Autor:

auto motor und sport, Heft 6 / 2011

Anzeige
Thema
Sportwagen: Weitere Artikel zu diesem Thema
Porsche 918 Spyder: Mit 770 PS in die Sportwagen-Zukunft

So schnell und so sparsam wie der 918 Spyder feuerte noch kein Sportwagen aus Zuffenhausen über die Bahn. Eine erste Begegnung.

Porsche 918 Spyder
USD Alfa Romeo 12C GTS : Designers Traum-Alpha-Romeo

Der Designer Ugur Sahin hat mit dem Alfa Romeo 12C GTS seinen Traum von einem künftigen Alfa Romeo-Spitzenmodell illustriert.

05/2012, 2012 Ugur Sahin Design Alfa Romeo 12C GTS
Top Artikel
Sportler-Vergleich: Kompakte Kraftprotze bis 305 PS

Sportler aus der automobilen Mitte stoßen in PS-Sphären zwischen 250 und 305 PS vor, die in den Achtzigern reinrassigen Sportwagen vorbehalten waren. Sechs Modelle im Test.

Kompakte Sportler
Hyundai Genesis Coupé: Sportwagen startet ab 29.990 Euro

Als Hyundais erster Sportwagen mit Heckantrieb steht das Genesis Coupé bei den Händlern. Der Einstiegspreis des 2+2-Sitzers liegt bei 29.990 Euro.

Hyundai Genesis Coupé
Newsletter
Neuwagen suchen

Neuwagen zu Internet-Preisen

Konfigurieren Sie jetzt Ihr Wunschfahrzeug zu besonders günstigen Konditionen!

Aktuelle Ausgabe
auto motor und sport - Heft 13/2012
Ab jetzt im Handel auto motor und sport - Heft 13/2012
Sportauto
Aston Martin Vantage vs Virage: Vergleichstest deckt die Unterschiede auf

So ähnlich sich die beiden Aston Martin-Modelle sehen - charakterlich sind sie eigenständig: Edel-luxuriös oder raubeinig kernig.

Vergleichstest deckt die Unterschiede auf
Motor Klassik
4. Eifel Classic: Das Teilnehmerfeld der Eifel Classic 2012

In unserem Bilderkatalog zeigen wir Ihnen die Teilnehmer, die sich auf die Strecke der diesjährigen Eifel Classic machen.

Das Teilnehmerfeld der Eifel Classic 2012
4WheelFun
Mercedes ML 63 AMG 2012: Erste Testfahrt mit 557 PS

2,3 Tonnen SUV, die an der Ampel beinahe so explodieren wie ein Sportwagen aus Maranello. Der neue Muskel-ML ist da.

Erste Testfahrt mit 557 PS
Alle Autos von A-Z
  • Loading...
  • Loading...