Hyundai i30 gegen Ford Focus im Vergleich: Pragmatische Dieselkombis

Hyundai i30 1.6 CRDI, Ford Focus 2.0 TDCi, Frontansicht

Genügt die bekannt schepperfreie Solidität des Hyundai i30, um gegen den dynamisch-pragmatischen Ford Focus anzukommen? Beide Modelle mit Dieselmotoren im Vergleich.

Auf die großen philosophischen Fragen hat der 1977 gedrehte Film "Das ausgekochte Schlitzohr" eher keine Antworten, aber im Trailer fällt ein kluger Satz. Der besagt, dass es nicht darauf ankommt, wie schnell du selbst bist, sondern wer hinter dir her ist. Das gilt – und damit holterdipolter vom Einstieg mitten hinein in diesen Vergleich – auch für die Autoindustrie. So sehr sich europäische Hersteller auch abstrampeln, die Konkurrenz aus Korea wird immer größer im Rückspiegel. Bei den Kompakten blitzt der Hyundai i30 mit der Lichthupe, setzt zum Überholen an.

An dieser Stelle müsste man nun einen dramaturgischen Spannungsbogen aufbauen, der zu einem Ergebnis führt, das keiner vorausgesehen hat. Wir machen das hier mal anders: Der Focus Turnier gewinnt. So, und jetzt klären wir, warum mehr als Details zwischen einem guten und einem sehr guten Auto liegen. Wegen des Charakters des Hyundai i30 braucht es dazu einen richtigen Test.

Hyundai i30 bietet mehr Platz

Der Hyundai i30 beeindruckt nämlich erst mal mit vordergründigen Stärken wie Solidität und Größe. So bringt er Passagiere vorn wie hinten ungedrängt und auf bequemen Sitzen unter. Der Focus integriert Fahrer und Beifahrer tiefer mit mehr Halt, im Fond ist der Knieraum knapper. Dazu wirkt der Turnier mit kleineren Fensterflächen und flacheren Dachsäulen gedrängter, zudem ist der Kofferraum kleiner. Und dann ist da noch die wirre Bedienung mit unbeschrifteten und mehrfach belegten Tasten. Ja, mit der Zeit gewöhnt man sich daran, aber das hieß es früher auch über das Mensa-Essen. Der Hyundai i30 gibt sich herausforderungsfrei: Schalter sehen – drücken – Action. Alles durchdacht und praktisch, der Hyundai i30 wäre Sieger, vergliche man Autos nur im Showroom.

Aber wir gehen raus, zum Showdown auf die Teststrecke. Da bremst der Focus vehementer, beschleunigt schneller, kurvt flotter um Pylonen. All das hat nicht nur dort Bedeutung, sondern erst recht auf der Landstraße. Ford-Fans mögen greinen, dass er nicht mehr so unbeschwert um Biegungen wetzt wie früher, doch trotz mehr Besonnenheit bleibt der Focus der Handlingstar unter den Kompaktkombis, lenkt energisch ein, bietet mit der direkten Lenkung feine Präzision und Rückmeldung. Sachtes Lastwechseldrängen des Hecks regelt das ESP gelassen weg, auch beladen bleibt alles sicher. Mit dem Focus kannst du über Landstraßen fegen, dass es Mama, den Kindern und dem Golden Retriever ganz schummrig wird. Und das mit einem kompakten Diesel-Kombi, der erst mal so vernünftig, aber auch so prickelnd wirkt wie Feinrippwäsche.

Ford kann Dynamik und Komfort

Bei aller Kurvenfetzerei vergisst der Focus den Komfort nicht, federt beladen Unebenheiten lässig weg. Leer gibt das straffe Fahrwerk kurze Stöße herber weiter. Dennoch ist der Focus dem Hyundai i30 beim Fahrwerk weit überlegen. Der Hyundai i30 ist zu hart gefedert und zu schwach gedämpft. So schunkelt er kleine Unebenheiten noch sacht weg, bockt aber über stärkere Verwerfungen. Um das Fahrwerk komplett an seine Grenzen zu bringen, braucht es bei weitem nicht die ganze erlaubte Zuladung von knapp einer halben Tonne – schon mit 300 Kilogramm schlägt die Federung auf der Schlechtwegestrecke durch.

Ein durchschlagender Erfolg bleibt dem Hyundai i30 Kombi beim Handling verwehrt. Wegen anderer Abstimmung und Gewichtsverteilung gibt sich der Kombi später dem Untersteuern hin als das Schrägheck, doch das Bisschen, was das unharmonische Fahrwerks-Setup an Handling übrig lässt, ruiniert die Lenkung. Für die gibt es drei Servo-Kennlinien, die Lenkkräfte ändern, aber nichts an dem synthetischen Gefühl und dem fast kompletten Mangel an Rückmeldung. Weil so wenig Gefahr besteht, Fahrspaß einzubremsen, kann das ESP auch früh eingreifen und hohe Fahrsicherheit garantieren.

Hyundai i30 mit schlappem Motor

Zum sachten Temperament passt der Motor. Mehr als 1,6 Liter Hubraum und 128 PS sind für den Topdiesel nicht vorgesehen. Der nagelt wacker gegen die lange Übersetzung des Sechsganggetriebes an, vergisst seine Manieren, wenn es eiliger wird – etwa dann, wenn der Hyundai i30 versucht, dem Focus zu folgen. Dessen Zweiliter-Turbodiesel legt knurrig, homogen und energisch los, zieht stramm – freundlich unterstützt von der präziseren, gut gestuften Sechserbox. Nur drehen mag er nicht so gern, und er verbraucht 0,4 L/100 km mehr als der sparsame Hyundai i30.

Der Hyundai i30 punktet noch mit fünf Jahren Garantie, dem günstigen Preis und besserer Ausstattung. Damit ist er für viele womöglich das attraktivere Angebot, aber nicht unser Sieger. Denn gewonnen hat nicht, wer am meisten aufholt, sondern wer am Ende vorn ist.

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Sebastian Renz

Autor:

auto motor und sport, Heft 05 / 2013

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