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i40, Insignia, 508, Passat im Vergleichstest

Kombis, die was können

VW Passat Variant, Opel Insignia ST, Peugeot 508, Hyundai i40 Kombi Foto: Dino Eisele 46 Bilder

"Alltag? Ja. Urlaub? Jepp. Fahrspaß? Aber sicher, können wir auch." So tönen Hyundai i40 Kombi, Opel Insignia Sports Tourer und Peugeot 508 SW im Chor. Besonders laut "Ja" ruft der neue VW Passat Variant. Zu Recht?

20.01.2015 Michael Harnischfeger

Dass die Neuauflage des Passat rundum gelungen ist, zeigte schon der Vergleich der starken Diesel-Limousinen in Heft 25/2014: klarer Sieg in der Champions League gegen Mercedes C-Klasse und Audi A4. Diesmal startet die von vielen gefürchtete Branchengröße aus Wolfsburg als Kombi gegen die Mittelklasse ohne Premium-Verdacht. Bundesliga sozusagen. Und wie ein Blick auf den BVB Dortmund zeigt, kann es da ja ganz anders laufen. Wie schlägt sich also der Passat, der sich neu erfunden hat mit schärferen Linien im Blech, mehr Radstand und vielen Innovationen in Sachen Sicherheit und Multimedia? Wir starten den Konkurrenten mit der weitesten Anreise.

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Vergleichstest Hyundai, Opel, Peugeot, VW
auto motor und sport 01/2015
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Hyundai i40 mit 553 Liter Kofferraumvolumen

Der Korea-Kombi kostet in der getesteten Ausstattung Style schlanke 29.900 Euro und hat sich einen Namen als sehr geräumiger Kumpeltyp gemacht. Vorn wie hinten bietet er luftige Platzverhältnisse, wobei die Rücksitzbank reichlich tief montiert ist, was größeren Mitfahrern wenig Oberschenkelauflage beschert und etwas zu stark gebeugte Hüft- und Kniegelenke.

Für Gepäck – es wird über eine angenehm tief liegende Ladekante verräumt – stehen 553 bis 1.719 Liter zur Verfügung, die Zuladung ist da mit 534 Litern eher knapp bemessen. Vielleicht wurde sie ja mit Rücksicht auf den Motor so früh begrenzt? Als Einziger braucht der Hyundai i40 aus dem Stand auf 100 km/h mehr als zehn Sekunden, bei 200 km/h wird abgeregelt. Doch erheblicher als das ist die Durchzugsschwäche des 1,7-Liters, der tatsächlich noch ein spürbares Turboloch pflegt. Ein Wunder an Laufkultur ist er auch nicht, und der Testverbrauch von 7,6 Litern zeigt, dass wenig Hubraum und wenig Leistung nicht zwingend Sparrekorde ergeben: Der Fahrer gibt eben mehr Gas und dreht die knorpelig zu wechselnden Gänge höher aus.

In Sachen Fahrerassistenz (lediglich Einpark- und Spurhalte-Assistent sind lieferbar) und Konnektivität ist der Hyundai i40 nicht mehr up to date, auch bei der Fahrwerksbeurteilung gerät er ins Hintertreffen: Derbere Wellen verdaut er nur unwillig, ohne als Ausgleich besonders dynamisch ans Werk zu gehen. Dazu ist die in ihrem Charakter justierbare Lenkung zu gefühllos und indirekt und das Handling mit frühem Untersteuern zu betulich.

Im Alltag ist mit dem Hyundai i40 dennoch gut zu leben. Die Vordersitze stützen den Körper an den richtigen Stellen und geben ihm guten Halt, die Bedienung verzichtet auf Spielereien und ist schnell gelernt. Beim Rangieren wünschte man sich eine bessere Rundumsicht, speziell nach schräg hinten. Doch serienmäßige Parksensoren vorn und hinten können ja helfen, das Schlimmste zu vermeiden. Eine entschlossenere Geräuschdämmung wäre nett für mehr Ruhe bei hohem Tempo. Das kann die Konkurrenz besser als dieser Hyundai, der sich als solider Pflichterfüller präsentiert. Die Fünfjahresgarantie passt da ins Bild.

Opel Insignia Sports Tourer leistet 163 PS

Zufällig bringt uns die alphabetische Ordnung der Testwagen beim Opel Insignia Sports Tourer zum zweitbilligsten Auto dieser Runde: 32.810 Euro kostet der 2.0 CDTI Business Edition mit 163 PS, der mittlerweile aus den Preislisten verschwunden, aber noch bestellbar ist.

Diese Vertriebspolitik wirkt ein bisschen wirr, die Ausstattung nicht: Serienmäßig an Bord sind die körpergerecht geformten AGR-Vordersitze sowie Navigation, Parksensoren, Freisprech-Telefonie und Sitzheizung vorn. Auch ohne adaptive Dämpfer federt der Opel Insignia Sports Tourer ausgesprochen gut, obwohl er mit 17-Zöllern (420 Euro) ausgerüstet war. Die Lenkung berichtet zwar nicht so penibel wie gewünscht vom Dialog zwischen Reifen und Asphalt, ist aber auch keinesfalls eine Spaßbremse. Flotte Kurven? Geht, nur tanzt gelegentlich das Heck des Opel ein wenig aus der Reihe.

Immer wieder erstaunlich, wie eng der Innenraum trotz der stattlichen Abmessungen wirkt. Gerade im Fond ist der Raumeindruck bedrückend, weil die abfallende Dachlinie flache Seitenscheiben bedingt und die massiven hinteren Dachsäulen Licht schlucken.

1.530 Liter Maximalvolumen des Kofferraums sind eine Enttäuschung, während der Blick aufs beim Facelift knopfreduzierte Armaturenbrett erst einmal Freude macht. Ganz durchdacht ist die Regelung von Temperatur und Sitzheizung mittels berührungsempfindlicher Felder aber nicht, denn mangels Rückmeldung muss der Fahrer des Opel Insignia Sports Tourer trotzdem hinschauen, um zu kontrollieren, ob er richtig getroffen hat.

Das hat er auf jeden Fall mit dem 163-PS-CDTI des Testwagens: Der ist kein Leisetreter, hängt aber gut am Gas, kompensiert das hohe Gewicht des Opel Insignia Sports Tourer mit viel Drehmoment und macht diesen Opel zu einem flotten Auto mit angemessenem Verbrauch.

Peugeot 508 bietet guten Fahrkomfort

Diese Feststellung gilt auch für den Peugeot 508 SW. Er fügt dem niedrigen Verbrauch sogar noch mehr Laufkultur des Motors als der Opel hinzu, was mit der guten Geräuschdämmung und den dick gepolsterten, angenehm geformten Sitzen einen schönen Fahrkomfort ergibt. Nur in der zweiten Reihe, wo lang geratene Mitfahrer mit den Beinen leicht an die Vordersitzlehnen stoßen, fehlt es ein wenig an nutzbarer Sitztiefe.

Üppig ausgestattet inklusive Teillederpolstern, Panoramadach und Navigationssystem mit Notruf-Funktion, entschädigt der Peugeot 508 SW Allure für den ziemlich strammen Grundpreis, der sich allerdings nicht in einer sonderlich peniblen Verarbeitung zeigt. So führt die Motorhaube bei schneller Fahrt ein flatterndes Eigenleben, und auf wirklich schlechtem Pflaster, wo die ansonsten recht schmusige Federung bei hoher Zuladung gern mal durchschlägt, knarzt und klappert es aus diversen Ecken.

Dennoch macht der Peugeot 508 SW Spaß beim Fahren, denn er liegt in Kurven neutral, folgt seiner durchschnittlich ambitionierten Lenkung verlässlich, hat genügend motorischen Punch und fordert nur wenig Kraftaufwand für Lenkung, Pedale und Schalthebel.

Wer meckern will, findet allerdings Gründe dazu. So öffnen die vorderen Türen nicht sehr weit, und die Bedienung ist nicht wirklich funktional mit verstreuten Tasten bis hin zu einem weit links versteckten Startknopf.

Den Peugeot 508 SW erstmals zu besteigen, am besten noch in einer dunklen Tiefgarage, ist kein Vergnügen. Denn ziemlich ambitionierter Technik bis hin zu Voll-LED-Scheinwerfern stehen Ungereimtheiten im Bedien-Detail gegenüber, die auch nach längerem Umgang mit dem großen Peugeot nicht plötzlich als logisch erscheinen.

VW Passat Variant fährt schlicht gut

Diese Probleme hat man mit dem VW Passat Variant nicht. Okay, sich mit den passenden der insgesamt 18 Lenkradtasten durch die Menüs zu hangeln, die auf dem Display zwischen Tacho und Drehzahlmesser angezeigt werden, ist ein wenig mühsam. Doch es gibt ja immens viel einzustellen, wenn bei der Bestellung des 33.575 Euro teuren 2.0 TDI Comfortline viele Kreuzchen in der Preisliste gemacht wurden. In Sachen Fahrerassistenz ist der Passat nämlich ebenso spitze wie bei Multimedia und Konnektivität. Selbst ein WLAN-Hotspot ist im Programm.

Über aller Elektronik-Versessenheit haben die Entwickler in Wolfsburg zum Glück nicht die Primärtugenden eines jeden Autos aus den Augen verloren. Es soll schlicht gut fahren – und das kann der VW Passat Variant wirklich. Ausgerüstet mit den Adaptivdämpfern (1.180 Euro) und etwas breiteren Reifen (1.190 Euro) gefällt er im Comfort-Modus mit beachtlichem Schluckvermögen sowohl auf fiesen Fugen wie auf längeren Wellen. Hier übertrumpft er sogar den Opel Insignia, was angesichts von dessen Standard-Fahrwerk aber auch erwartet werden darf.

Andererseits lässt sich mit dem VW Passat Variant, der gegenüber dem Vorgänger im Radstand um gut acht Zentimeter zulegte, herrlich beschwingt über Landstraßen räubern. Die Lenkung lässt präzise spüren, wohin die Reise geht, und das lange Auto folgt dem vorgegebenen Kurs stets neutral und leichtfüßig. Hinterlist, böse Reaktionen bei erschrecktem Gaswegnehmen in Kurven? Nichts davon. "GTI-Feeling im Kombi", brachte es ein Kollege auf den Punkt.

Dass der VW Passat Variant, dessen Armaturenbrett mit einer durchgängigen Gitterleiste den Kühlergrill zitiert, bis auf die knappe Zuladung nichts anbrennen lässt, sei der Vollständigkeit halber erwähnt. Kofferraum? Ein Ballsaal mit bis zu 1.780 Litern Volumen, unter dessen (bei herausgezogenen Fondkopfstützen) ebenem Boden sich das Laderaum-Rollo perfekt verstauen lässt. Variabilität? Bestens mit klappbarem Beifahrersitz (94 Euro) und dreiteiliger Rücksitzlehne. Platzangebot? Vorne sehr gut, hinten so generös, dass jede Alleinfahrt wie Verschwendung wirkt. Klima-, Geräusch- und Sitzkomfort? Gut, bis auf die straff gepolsterte Sitzfläche der Comfort-Sitze (1.180 Euro). Bremsen? Die besten in dieser Runde.

Platz 1 für den VW Passat Variant

Der laufruhige Motor, der unangestrengt die besten Fahrleistungen beim niedrigsten Testverbrauch bietet, macht die gute Vorstellung komplett. Ergebnis nach diesem Spieltag: Die anderen drei können es, klar. Der VW Passat Variant ist zwar ausstattungsbereinigt am teuersten, doch er kann es mit großem Abstand am besten.

Fazit

1. VW Passat Variant 2.0 TDI
465 Punkte

Der VW Passat Variant fährt einen ungefährdeten Sieg ein. Die Kosten-Wertung verliert er zwar wegen des hohen Preisniveaus bei wenig spendabler Ausstattung. Doch in der Summe aller Eigenschaften macht ihm in dieser Runde keiner der Konkurrenten etwas vor.

2. Opel Insignia ST 2.0 CDTI
414 Punkte

Mit Augenmaß gepreist und ordentlich ausgestattet, sichert sich der Insignia Sports Tourer den zweiten Platz. Ganz homogen punktet er nicht, denn Raumangebot und Fahrsicherheit sind verbesserungswürdig, der Komfort wiederum geht rundum in Ordnung.

3. Peugeot 508 SW BlueHDi 150
407 Punkte

Der Peugeot 508 SW Allure bietet sehr viel Ausstattung fürs Geld. Sein kräftiger Motor macht Spaß und erfreut auf der Eco-Runde mit sehr niedrigem Verbrauch, die Einrichtung ist gediegen. Bedienbarkeit und Funktionalität zeigen aber Raum für Verbesserungen.

4. Hyundai i40 Kombi Blue 1.7 CRDi
398 Punkte

Mit dem letzten Platz muss sich der Hyundai i40 begnügen. Viel Platz, eine weitgehend rätselfreie Bedienung und ein niedriger Preis genügen gegen diese starke Konkurrenz nicht mehr. Vor allem bei den Assistenzsystemen und beim Fahrkomfort hat der Hyundai Nachholbedarf.

Technische Daten
Peugeot 508 SW BlueHDi 150VW Passat Variant 2.0 TDI BMTHyundai i40 Kombi blue 1.7 CRDiOpel Insignia Sports Tourer 2.0 CDTI
Grundpreis36.300 €34.275 €29.900 €33.830 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4829 x 1828 x 1476 mm4767 x 1832 x 1477 mm4770 x 1815 x 1470 mm4913 x 1856 x 1520 mm
KofferraumvolumenVDA560 bis 1598 L650 bis 1780 L553 bis 1719 L540 bis 1530 L
Hubraum / Motor1997 cm³ / 4-Zylinder1968 cm³ / 4-Zylinder1685 cm³ / 4-Zylinder1956 cm³ / 4-Zylinder
Leistung110 kW / 150 PS (370 Nm)110 kW / 150 PS (340 Nm)100 kW / 136 PS (330 Nm)120 kW / 163 PS (380 Nm)
Höchstgeschwindigkeit210 km/h218 km/h200 km/h210 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h9,1 s8,9 s10,6 s10,5 s
Verbrauch3,9 L/100 km4,1 L/100 km4,5 L/100 km5,4 L/100 km
Testverbrauch7,0 L/100 km6,8 L/100 km7,6 L/100 km7,1 L/100 km
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