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Alfa Romeo 147, Honda Civic und Peugeot 307

Jagd auf den Platzhirsch

Alfa Romeo 147 1.6 T. Spark ECO,  Honda Civic, Peugeot 307, VW Golf

Anders als die auf Abgrenzung bedachten Alfa Romeo 147 und Honda Civic versucht der neue Peugeot 307, den deutschen Bestseller in der Kompaktklasse mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Kommt der bessere Golf jetzt aus Frankreich?

05.07.2001 Bernd Stegemann

Jeder Vergleichstest be­ginnt wie eine Weltreise­ mit dem ersten Schritt vor die Haustür. Vor dem tradi­tionellen Marathon über Au­tobahnen, Stadt- und Land­straßen mit ständigem Fahrer­wechsel – neben den Messun­gen auf dem Hockenheimring wichtigster Teil des Testpro­gramms bei auto motor und sport- trifft sich die Crew an der Zapfsäule. Der fast leere Tank des VW Golf schluckt 52,3 Liter vom teuren Super Plus, und auch der Fahrer schluckt. 115 Mark sind dafür zu bezahlen.

Anlass genug für ein paar grundsätzliche Gedanken zu den Autos der Kompaktklas­se, die einen erheblichen Bei­trag zur Volksmobilität leisten, aber gar nicht mehr so volks­tümlich sind. Mit wachsen­den Ansprüchen an Leistung, Komfort und Sicherheit stieg nicht nur das Preisniveau, son­dern auch die Vielfalt des An­gebots. Selbst wer am Ende wieder zum Bewährten greift, spielt bisweilen in Gedan­ken mit dem Seitensprung. Zu verlockend erscheint der Reiz des Neuen, den immer bes­sere oder zumindest andersar­tige Alternativen wecken.

Dem Platzhirsch von VW hat diese Entwicklung bislang nicht geschadet, auch weil er mit seinen zahllosen Ablegern längst eine Klasse für sich ist. Als Allroundtalent mit neutra­lem Image gibt der Golf nun schon in der vierten, seit 1997 gebauten Generation die Mess­latte vor, die der ganz frische Peugeot 307 mit großen Am­bitionen und der Gnade der späteren Geburt zu übersprin­gen versucht. Er will alles ein bisschen besser, aber nicht grundsätzlich anders machen als sein Vorbild.

Die jüngste Ausgabe des Honda Civic indes entfernt sich optisch weiter denn je vom einst sportlich-kompak­ten Habitus und sucht ihren Platz nunmehr zwischen Li­mousine und Minivan – mit stattlicher Länge und Höhe, aber betont unauffälligem De­sign. Ganz anders dagegen der Alfa Romeo 147, der es selbst als Viertürer mit Basismotor versteht, das emotionale Profil der Marke zu schärfen und der italienischen Lebensart neue Liebhaber zu gewinnen.

Kurz und gut: Wenn hier ein Schönheitspreis zu verge­ben wäre, hätte der Alfa alle Chancen auf den Titel. Schön vor allem, dass den Designern der Esprit und das Stilempfin­den nicht im Innenraum aus­ging. Er heißt die Insassen mit einer attraktiven Mixtur aus schwarzen Oberflächen und silberfarbenen Applikationen willkommen, auch die Posi­tion auf den gut ausgeform­ten Vordersitzen stimmt. Ge­wöhnungsbedürftig sind aller­dings die Heizungstastatur, die überfrachteten Lenksäulenhe­bel sowie der schmale Seh­schlitz nach hinten.

Zusammen mit der hohen Gürtellinie und dem flachen Dach vermittelt dies im Fond ein Gefühl von Enge, das nicht ganz der Realität entspricht. Denn wie bei den Außenma­ßen liegt der 147 auch innen praktisch gleichauf mit dem Golf, nur beim Gepäckvolu­men fällt er nach unten aus dem Rahmen. Anders als frü­her gilt das nicht für die Mate­rialanmutung und Steifigkeit der Karosserie, die einen gu­ten Eindruck hinterlassen.

Auf den neuen Peugeot trifft das nur eingeschränkt zu, denn zur dezenten Begleitmu­sik gehören Zisch-, Pfeif- und Klappergeräusche, die den Anspruch gehobener Qualität untergraben. Eher lässt er sich in der reichhaltigen Serienaus­stattung sowie dem großzügi­gen Raumangebot ausmachen, wo der 307 mit verschwende­rischer Innenbreite und opu­lenten Staureserven glänzt. Im Fond geht es nicht ganz so üp­pig zu, und die Funktionalität leidet unter der schlechten Übersicht nach vorn.

Weniger ausgeprägt gilt das auch für den Honda, wo man etwas höher als bei den anderen sitzt. Beim Einsteigen hält er ein weiteres Aha-Erleb­nis bereit, denn die Raumfülle ist für diese Klasse konkur­renzlos. Große Fenster, ebener Boden und die kurze Mittel­konsole ergeben ein Gefühl lichter Weite, untermauert vom langen Radstand, der selbst den Fondpassagieren viel Beinfreiheit beschert.

In ihrer Kargheit gibt die Cockpit-Gestaltung bei der Bedienung keine Rätsel auf, zeigt jedoch weder formalen Pfiff noch sonderlich anspre­chende Materialien. Das graue Plastik wirkt billig und kratz­empfindlich, die Sitze sind dünn gepolstert und wie der Kofferraum lieblos verkleidet, es fehlt an brauchbaren Ab­lagen. Abgesehen vom hoch­gesetzten Schalthebel sieht das Civic-Interieur so aus, wie man es seit Jahren von japani­schen Autos gewohnt ist.

Mehr her macht klar der Golf, der seine Funktionalität in gediegene Oberflächen mit hoher Passgenauigkeit kleidet. Auch die Karosseriesteifigkeit überzeugt, das Platzangebot jedoch weniger. Während es vorne nicht an Bewegungsfrei­heit mangelt, müssen sich die Hinterbänkler zuerst durch schmale Türöffnungen und dann in den knappen Fuß­raum einfädeln.

Weitere Minuspunkte han­delt er sich mit seiner kargen Serienausstattung ein. Klima­anlage, Zentralverriegelung, Cassettenradio sowie elektri­sche Fensterheber und Außen­spiegel sind bei den Rivalen durchweg Standard, VW kas­siert rund 4000 Mark extra.
Zugegeben – gegen Mehr­preis bekommt man fast alles, doch dass eine Außentempe­raturanzeige nur im Technik­paket Elektrik für 2210 Mark geliefert wird, spottet der vor­geblichen Sicherheitsphiloso­phie Hohn. Immerhin hat die hier getestete Trendline-Versi­on dem Basismodell nützliche Zutaten wie Breitreifen der Dimension 195/65 R 15, eine geteilt umklappbare Rücksitz­bank sowie Sportsitze voraus.
Sie bieten guten Komfort und Seitenhalt und tragen da­mit erheblich zum Wohl­befinden bei. Mit geringer Zuladung erreicht seine Fe­derung sogar echtes Mittel­klasse-Niveau, doch wenn der Golf bis zur zulässigen Gren­ze ausgelastet wird, neigt er zu ausgeprägten Vertikalbe­wegungen.

Davon zeigt sich der Ci­vic weitgehend unbeeindruckt, der zwar nicht so geschmeidig abrollt, aber unabhängig vom Ballast praktisch alle Boden­wellen wegsteckt. Fahrwerks­abstimmung und Sitze sind von der straffen Sorte, was sich auf Dauer als angenehm konditionsfördernd erweist. Auch der kernige Motor stört weniger als die geringe Seiten­führung des Gestühls.
Von französischen Autos darf man gemeinhin höchste Bequemlichkeit erwarten, was der 307 jedoch nur zum Teil erfüllt. Sein Fahrkomfort ist aller Ehren wert, ohne freilich neue Maßstäbe zu setzen. Ab­rollverhalten und Dämpfung lassen ebenso Wünsche offen wie der Geräuscheindruck, wobei vor allem das laute Ge­bläse auffällt.

Den sportlichen Sound des Alfa dürften hingegen höchs­tens Banausen als Belästigung empfinden, zumal die Phon­werte insgesamt niedrig sind. Andererseits offenbart er ein­mal mehr, dass die Firma manche Fahrwerksschwächen scheinbar nicht in den Griff kriegt. Die ständige Unruhe im Vorderwagen und das Pol­tern auf kleinsten Unebenhei­ten schmälern nachhaltig die Freude an langen Strecken, obwohl der Komfort mit Bela­dung etwas besser wird.
Erst auf kurvigen Land­straßen ist der 147 in seinem Element. Da zeigt er eine Agilität und Leichtfüßigkeit, die selbst in abgeklärten Fahrer­naturen Lust auf die nächs­te Rechts-Links-Kombination weckt. Die überaus direkte, dazu etwas stößige Lenkung bringt aber eine gewisse Ner­vosität ins Spiel, und bei hoher Zuladung muss man mit kräf­tigen Lastwechselreaktionen rechnen, weil es ESP nur für die stärkeren Typen gibt.

Dem sehr fahrsicheren Peugeot sind solche Allüren völlig fremd, zumal er serienmäßig mit elektronischem Stabilitätsprogramm geliefert wird. Er absolvierte die Fahr­versuche leer wie beladen in Bestzeit ohne nennenswerten Aufwand, wirkt dabei aller­dings etwas schwerfällig und träge – ganz wie es seinem ge­diegenen Habitus entspricht. Hier triumphiert gallische Größe über romanische Leich­tigkeit, die man eher beim Ci­vic mit gutem Handling und einer leichtgängigen, etwas ge­fühlsarmen Lenkung findet.
Abgesehen vom nicht ein­mal gegen Aufpreis erhält­lichen ESP sind seine Fahreigenschaften auf der siche­ren Seite. Selbst viel Gewicht ändert nichts an seinem neu­tralen Kurvenverhalten. Mi­nuspunkte gibt es nur für den großen Wendekreis und die schlechte Traktion.
Sehr handlich wirkt auch der VW zumindest bis kriti­sche Situationen ein schnelles Ausweichmanöver erforder­lich machen. Dann untersteu­ert er kräftig, zeigt starke Ka­rosseriebewegungen und ver­liert dadurch an Fahrpräzision. Das serienmäßige ESP nimmt ihm zwar jede Tücke, aber zu­gleich den Schwung, weil es ihn frühzeitig einbremst.
Als Dynamiker kann sich der Golf schon wegen seines 1,6-Liter-Vierventilers kaum profilieren, der beim Gang­wechsel ruckelt und sein dürf­tiges Durchzugsvermögen mit lautem Dröhnen kaschiert. Im­merhin verbraucht er weniger Benzin als Alfa und Peugeot, die in den getesteten 1,6-Liter­Versionen auch keine Bäume ausreißen. Abweichend von den Messwerten wirkt der 147 dabei spritziger als der 307.
Obwohl der Civic mit sei­nen Motordaten nicht viel bes­ser dasteht, bietet er in diesem Umfeld spürbar mehr Tempe­rament. Sein Vierzylinder rea­giert sehr spontan auf Gas und dreht so mühelos und vibra­tionsarm hoch, dass die Nadel des Drehzahlmessers ständig den roten Bereich streift. Vor allem auf Langstrecken sucht man vergeblich nach dem sechsten Gang, wenngleich die akustische Präsenz des Motors selten lästig wird und der Verbrauch moderat bleibt.
Genauso bescheiden ist al­lerdings seine Sicherheitsaus­stattung, denn abseits der gän­gigen Unfallvorsorge (ABS, Front- und Seitenairbags vorn, Isofix-Verankerung) tun sich Lücken auf, die nicht einmal gegen Aufpreis geschlossen werden können. Trotz guter Verzögerung und Bremsassis­tent: Eine Neukonstruktion ohne ESP, Schlupfregelung und seitliche Kopfairbags ist bereits überholt.
Noch ein paar Punkte weniger holt der Alfa in der Sicherheitswertung, besonders wegen seiner schwächeren Bremsen. Wenig zu mäkeln gibt es dagegen bei 307 und Golf – abgesehen davon, dass VW hier nochmals für Dinge abkassiert, die beim Peugeot zum Standard gehören (Kopf­stütze und Automatikgurt in Fondmitte, seitliche Kopfair­bags) und dessen höchsten Grundpreis in einem günsti­geren Licht erscheinen lassen.
Denn ohne Zweifel bietet der Newcomer einen guten Gegenwert und viele Talente, die ihm neben drei Kapitel­siegen auch einen soliden Gesamtvorsprung einbringen. Mit besserer Sicherheitsaus­stattung könnte der Honda, der besonders mit Raum, Tempe­rament und Komfort gellt, zur Spitze aufschließen. Dagegen zeigt der VW sichtbare Alterungserscheinun­gen und keine herausragenden Qualitäten mehr. Die sind dem Alfa kaum abzusprechen, der so starke positive wie negative Reize hat. Aber er geht damit um wie die feinsten unter den Menschen- mit Stil.

Fazit

1. Peugeot 307 1.6 16V Prémium
496 Punkte

Ohne gravierende Schwächen, dafür mit geräumiger Karosserie, üppiger Ausstattung und hervorragenden Fahreigenschaften erobert der Peugeot die Pole-Position.

2. Honda Civic 1.6i LS
489 Punkte

Das Raumwunder in der Kompaktklasse zeigt auch noch Temperament und guten Komfort. Bei Sicherheitsmerk­malen und Material­qualität scheinen jedoch Lücken auf.

3. VW Golf 1.6 Trendline
481 Punkte

Solide Machart, ge­schmeidige Fede­rung und günstige Unterhaltskosten überzeugen, nicht aber der schlappe, raue Motor sowie die unverfrorene Aufpreisgestaltung.

4. Alfa Romeo 147 1.6 Eco Progression
448 Punkte

Bis auf den schlechten Komfort und die mäßigen Bremsen kann der 147 ganz gut mithalten. Die Agilität und Fahrfreude müssen über hohe Festkosten hinwegtrösten.

Technische Daten
Alfa Romeo 147 1.6 T.Spark ECOHonda Civic 1.6iPeugeot 307 1.6 16VVW Golf 1.6
Grundpreis18.000 €20.600 €17.900 €18.790 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4170 x 1729 x 1439 mm4285 x 1715 x 1495 mm4202 x 1730 x 1510 mm4149 x 1735 x 1444 mm
KofferraumvolumenVDA280 bis 1030 L370 bis 1050 L341 bis 1328 L330 bis 1184 L
Hubraum / Motor1598 cm³ / 4-Zylinder1590 cm³ / 4-Zylinder1587 cm³ / 4-Zylinder1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung77 kW / 105 PS (140 Nm)81 kW / 110 PS (152 Nm)80 kW / 109 PS (147 Nm)77 kW / 105 PS (148 Nm)
Höchstgeschwindigkeit185 km/h185 km/h190 km/h192 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h10,6 s11,7 s10,8 s
Verbrauch8,1 L/100 km6,7 L/100 km7,2 L/100 km6,8 L/100 km
Testverbrauch9,2 L/100 km9,3 L/100 km1,0 L/100 km1,0 L/100 km
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