Jaguar XJR gegen Maserati Quattroporte: Achtfest

Sportwagen oder Reiselimousine – das ist bei Jaguar XJR und Maserati Quattroporte kein Entweder-oder. Die V8-Limousinen haben Talent für beides.

Der Maserati Quattroporte ist nicht einfach ein Auto, er ist eine Bühne. Seine Passagiere genießen eine Beachtung wie sonst wohl nur Schauspieler bei einer Theater-Premiere. Fast magisch zieht der 99 100 Euro teure Viertürer die Blicke der übrigen Verkehrsteilnehmer an. Anonymer reist es sich dagegen im Jaguar XJR. Er wird kaum wahrgenommen, denn seine Form erinnert stark an die der Vorgänger-Modelle. Dazu kommt, dass sich die kräftigste Version optisch wenig von den zahmeren Geschwistern unterscheidet. Ein Umstand, der sicher nicht wenige Jaguar-Kunden verleiten dürfte, 88 800 Euro für die V8-Kompressorversion der großen Katze anzulegen – Understatement in Hochform.

Nicht nur optisch ein Duell unterschiedlicher Charaktere, die hier um die Gunst der wohlsituierten Kundschaft buhlen. Denn obwohl beiden Marken der Ruf vorauseilt, sportlich-exklusive Autos zu bauen, sind die britische und die italienische Interpretation dieser Attribute sich so ähnlich wie Porridge und Pana Cotta. Unter der Motorhaube des Maserati kauert, tief hinter der Vorderachse, ein von Ferrari entwickelter Vierliter-V8. 400 PS stark, befeuert er bereits den Maserati Spyder, das Coupé und demnächst den Nachfolger des Ferrari 360. Aber selbst in der mehr als zwei Tonnen schweren Limousine mit lächerlichen 369 Kilogramm Zuladung erfüllt der Sportmotor die an ihn gerichteten Erwartungen fast perfekt. Er reagiert auf Gaspedalbewegungen mit blitzartigem Hochdrehen, schnalzt durch das Drehzahlband und schiebt den Viertürer ab 4000/min nach vorn, als sei der Leibhaftige hinter ihm her.

Die Drehfreude kommt nicht von ungefähr, sondern durch eine Kurbelwelle mit wenig Schwungmasse, die auch für den etwas unrunden Leerlauf zuständig sein dürfte. Licht und Schatten liegen bei diesem Motor, der lediglich die Abgasnorm EU 3 erfüllt, eng zusammen. Eben noch ergötzt man sich an seiner Leistungsentfaltung und den damit verbundenen Lebensäußerungen, dann holt einen der Blick auf die Tankuhr wieder runter. 17,7 L/100 km sind als Testverbrauch zu hoch – selbst der 550-PS-Zwölfzylinder des Maybach 62 konsumiert einen Viertelliter weniger.

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Christian Bangemann

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