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Jaguar XKR-S gegen Maserati Gran Turismo S

Duell der potenten V8-Sportler

Jaguar XKR-S, Maserati Gran Turismo S, Heft 2608, 1208 Foto: Hans-Dieter Seufert 37 Bilder

Die Spitzen-Coupés von Jaguar und Maserati interpretieren das Thema Gran Turismo auf höchst unterschiedliche Art. Eine Standort-Bestimmung für Menschen, die sonst schon alles haben.

18.12.2008 Götz Leyrer

Extrovertierter Italiener trifft auf britischen Gentleman

Dem Liebhaber blutigen Roastbeefs einen Teller Pasta all’ arrabbiata vorzusetzen, wird wenig Begeisterung auslösen. Automobile Gourmets denken ähnlich: Ein italienischer Heißsporn wie der Maserati Gran Turismo ist nichts für den, der in anglophiler Liebe nach einem Jaguar XKR-S schielt. Was die Ursachenforschung, welcher denn nun das attraktivere Hochleistungs-Automobil darstellt, nicht weniger interessant macht.

Denn sie bringt an den Tag, dass nationale Eigentümlichkeiten zumindest im Bereich der Teuren und Schönen nicht weggewaschen sind von der Flut technischer und gesetzlicher Auflagen, die den Bau eines Autos begleiten. Christophorus sei Dank. Italienischen Chic in Reinform präsentiert jedenfalls der Gran Turismo. Pininfarina hat ihn gestylt und dabei auch Elemente der ruhmreichen Renn-Historie von Maserati wie das gefräßige Kühlermaul nicht vergessen. Ein Coupé zum Gesehenwerden. Der Jaguar wirkt dagegen so dezent wie ein Jackett aus Harris Tweed. Er projiziert traditionelle Jaguar-Linien in die Neuzeit. Die Gene des E-Type bleiben erkennbar – auch im Innenraum, wo es kein Holz gibt, das vielen als unverzichtbares Element der Britishness gilt. Der E-Type war holzfrei funktionell – genau wie sein Urenkel.

Der Maserati zeigt italienischen Adel in Form feinsten Leders und der nostalgischen Oval-Uhr, die wie ein teurer Chronograph mehr Schmuckstück ist als Instrument. Aber er kann auch durchaus praktische Vorzüge ins Feld führen, denn er taugt zur Not als Viersitzer. Im Jaguar bleibt man am besten zu zweit, weil es den Tatbestand der körperlichen Misshandlung erfüllt, jemanden in den Fond zu zwingen. Als S hat sich der Maserati gewandelt. Die normale Ausführung mit ihrem Automatikgetriebe war für den Geschmack mancher Käufer wohl doch zu sehr in die Komfort-Ecke abgedriftet. Die Variante S macht deshalb wieder einen Schritt zurück. Weg mit dem Drehmomentwandler, her mit einem sequenziell per Tastendruck zu schaltenden Sechsganggetriebe. Dazu einen auf 4,7 Liter vergrößerten V8-Motor mit 440 PS sowie größere Brembo-Bremsen hinter 20-Zoll-Rädern. Der Maserati-Dreizack zeigt sich in neuer Schärfe.

Hochleistungs-V8 gegen Kompressor-Triebwerk

Weit weniger entfernt sich der in limitierter Serie gebaute XKR-S vom Ursprungsmodell. Der von einem Kompressor aufgeladene Achtzylinder unter der vorderen Haube ist der gleiche wie beim regulären XKR, das S-Paket besteht im Wesentlichen in nochmals großzügiger dimensionierten Bremsen und dezenten aerodynamischen Retuschen an der Karosserie. Am Charakter hat sich somit nichts geändert. Auch wenn der Jag nicht die große Reise im Namen trägt wie sein italienischer Konkurrent, ist er der bessere Langstrecken-Tourer.

Das mächtige Drehmoment der Kompressor-Maschine macht das Fahren unauffällig entspannt, wozu natürlich auch die dezent operierende Sechsgangautomatik von ZF beiträgt. Der Jaguar bietet – bis auf die elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit – einen ähnlichen Kraftüberfluss wie der Maserati, aber er macht kein großes Aufheben darum. Der vom Surren des Kompressors geprägte Motorsound bleibt immer zurückhaltend. Langweilig, wird der sagen, für den italienischer Hochleistungs-Motorenbau das Maß der Dinge darstellt. Wenn er gestartet wird, fabriziert der von Ferrari konstruierte Achtzylinder des Maserati einen Aufschrei wie ein im Mittagsschlaf gestörter Tiger. Die Komposition aus Ansaug- und Auspuffgeräusch bleibt allgegenwärtig – vom tiefen Grollen bei niedrigen Drehzahlen bis zum aggressiven Gebrüll, wenn der V8 in den Drehzahlhimmel stürmt. Dazu das Getriebe. Den Automatik-Modus vergisst man am besten gleich, weil die zwangsläufig mit Zugkraftunterbrechung verbundenen Schaltpausen immer daran erinnern, dass dies im Grunde seiner Zahnräder ein Schaltgetriebe ist. Mit den Schaltpaddeln am Lenkrad kommt die Sportlichkeit des Maserati besser zur Geltung.

Der Sound des Maserati macht süchtig

Klack, klack, rauf und runter – das erst ergibt das echte Vergnügen an einem Motor, der sein Temperament aus der Drehzahl schöpft und nicht wie der Jaguar aus eingeblasenem Drehmoment. Die perfekte Reise-Umgebung für den Gran Turismo S ist nicht die deutsche Autobahn, sondern eine italienische Landstraße – mit Felswänden und vielen Tunnels, die das reflektieren, was aus dem doppelrohrigen Auspuff schallt. Da verzeiht man dem Gran Turismo S auch, dass sein Getriebe die Gänge mit einer Verve hineinknallt, dass jedesmal ein Ruck durch Auto und Besatzung geht. Wer die jüngsten Entwicklungen auf diesem Gebiet – sprich Doppelkupplungsgetriebe – kennt, wird die Maserati-Schaltung auf Steinzeit-Niveau einordnen.

Oder seiner Beifahrerin klar machen, dass sich Rennfahrer noch nie über Schaltrucke beklagt haben. Die reden auch nicht über Federungskomfort. Was nicht heißt, dass man im Maserati darauf verzichten muss. Der ist straff abgestimmt, aber immerhin so harmonisch, dass der Zustand der Straße nicht zum bestimmenden Faktor wird. Aber der Jaguar ist da klar besser. Obwohl das S-Modell über eine etwas gehärtete Auslegung von Federn und Dämpfern verfügt, bleibt die markentypische Geschmeidigkeit erhalten. Der XKR schluckt die Straße. Auch das trägt dazu bei, dass er sehr viel unauffälliger schnell ist als der Italo-Macho von Maserati. Der wirkt schon wegen seiner nervös ansprechenden Lenkung wie ein Rennpferd, das eines festen Zügels bedarf. Der Jaguar lenkt sich harmonischer, auch in dieser Beziehung mehr darauf getrimmt, seinem Fahrer das Leben leicht zu machen. Aber in den dynamischen Qualitäten zieht er deshalb nicht die schlechtere Karte.

Der Jaguar gewinnt die Fahrdynamik-Wertung

Weil er im Grenzbereich mehr Ruhe ausstrahlt, hat er in den Fahrdynamik- Tests von auto motor und sport die Nase vorn. Er vermag aus 190 km/h sogar eine Spur heftiger zu bremsen; die gemessenen Differenzen aus 100 km/h sind dagegen eher von akademischer Bedeutung. Ebenso wie das, was sich im Verbrauchs- und Kostenkapitel abspielt. Der Maserati schneidet da etwas ungünstiger ab, was mit dazu beiträgt, dass er dem Jaguar die Krone überlassen muss. Aber wer Maserati fährt, zeigt ja nicht ungern, dass er sich’s leisten kann.

Fazit

1. Jaguar XKR-S
452 Punkte

Auch als S-Modell bleibt der XKR ein typischer Jaguar mit hohem Reisekomfort und unauffällig, aber nachdrücklich präsentierter Höchstleistung. In puncto Fahrverhalten und Handling ist er deshalb nicht weniger sportlich als sein italienischer Konkurrent.

2. Maserati Gran Turismo S
433 Punkte

Die S-Ausführung des Maserati Gran Turismo setzt sich von der normalen Variante deutlich ab. Aus dem komfortbetonten Tourer wurde ein Sportwagen, bei dem Komfort die zweite Geige spielt. Motorsound und Getriebe verbreiten Renn-Atmosphäre.

Technische Daten
Maserati GranTurismo SJaguar XKR-S
Grundpreis127.330 €116.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4881 x 1915 x 1353 mm4791 x 1892 x 1312 mm
KofferraumvolumenVDA260 L300 L
Hubraum / Motor4691 cm³ / 8-Zylinder4196 cm³ / 8-Zylinder
Leistung323 kW / 440 PS (490 Nm)306 kW / 416 PS (560 Nm)
Höchstgeschwindigkeit295 km/h280 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,9 s5,2 s
Verbrauch16,4 L/100 km12,5 L/100 km
Testverbrauch17,5 L/100 km16,4 L/100 km
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