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Junges Gedüse - Alfa Romeo 156 2.4 JTD und Mercedes C 220 CDI

Mit attraktivem Design und kräftigen Common-Rail-Dieselmotoren zielen Alfa Romeo 156 2.4 JTD und Mercedes C 220 CDI auf ein jüngeres Publikum. Wer von beiden hat am Ende die Nase vorn?

29.10.2001

Den Alfa 156 zeichnen gegenüber seinen Vorgängern nicht nur eine bessere Material- und Verarbeitungsqualität aus, sondern auch eine der Marke bis dato fremde Dieselkompetenz. Die neue Mercedes C-Klasse verfügt über ungewohnt sportliche Fahreigenschaften und eine ähnlich dynamische Optik.

Gründe genug, beide Modelle in den Diesel-Varianten mit 136 und 143 PS ausführlich miteinander zu vergleichen. Dabei fällt auf, dass der gedrungene, coupéhaft anmutende Alfa rund zehn Zentimeter kürzer ist, was sich in einem geringeren Kofferraumvolumen niederschlägt.

Mit Klimaautomatik, Alufelgen und Lederlenkrad präsentiert sich der Alfa ansonsten gut gerüstet. Der Mercedes hält jedoch mit einer besseren Sicherheitsausstattung (Windowbags, ESP, Bremsassistent) sowie Tempomat, Multifunktionslenkrad, automatisch einschaltendem Fahrlicht und teilelektrischen Vordersitzen dagegen.

Für gutes Geld gibt es bei der C-Klasse fast alles, nur nicht jene unbedingte Detailqualität, die auch einem gestrengen Blick in den letzten Winkel standhält. Viel eher beeindruckt die erheblich steifer wirkende Karosserie, die es mitsamt den niedrigen Windgeräuschen erlaubt, sich noch bei schneller Fahrt an Klavierkonzerten zu erfreuen.

Im 156 hingegen sucht man schon bei Landstraßentempo die Taste zur Rauschunterdrückung oder spätestens ab etwa 160 km/h ein Musikprogramm zum Mitsingen. So lässt sich vielleicht sogar das Zischeln an der A-Säule wegen der nicht straff sitzenden Fahrertür übertönen.

Allerdings leidet der Komforteindruck viel stärker unter dem optionalen Sportpaket, mit dem der Testwagen ausgerüstet war. Die damit verbundene Fahrwerksabstimmung ist schlicht eine Zumutung. Auf groben Bodenwellen bockt der Alfa wie ein Wildpferd, und die der harten Federung nicht adäquate Dämpfung sorgt für extreme Schwingungen des Aufbaus. Der Mercedes ist da weniger unterhaltend und mitteilsam. Abgesehen von den nachschwingenden, kaum ausgeformten Vordersitzen filtert er möglichst viel von der Außenwelt und der jeweiligen Fahrsituation weg. Selbst grobe Bodenwellen ebnet er ohne starke Aufbaubewegungen.

Nahtlos in dieses Bild fügt sich der auf 143 PS erstarkte Common-Rail-Diesel des C 220 CDI, der kaum noch als Selbstzünder zu identifizieren ist. Zum Brummen neigt der Vierventil-Vierzylinder erst beim Ausdrehen, was jedoch wegen seines hohen, gleichmäßig zwischen 1800 und 2800/min anliegenden Drehmoments von 315 Nm nur selten nötig erscheint. Denn in Verbindung mit dem etwas hakeligen, aber nicht zu lang übersetzten Sechsganggetriebe bietet der 2,2-Liter kräftigen Durchzug und eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h.

Der 136 PS starke 156 2.4 JTD bringt es nur auf 203 km/h, profitiert jedoch beim Sprint von seinem rund 155 Kilogramm niedrigeren Leergewicht. Eine spürbar bessere Laufkultur darf man von seinem Fünfzylinder allerdings nicht erwarten.

Bei den Fahreigenschaften gerät der Alfa gegenüber dem zum Klassenprimus gereiften Mercedes ins Hintertreffen. Nicht dass sein Kurvenverhalten echte Probleme bereitet, aber wo die heckgetriebene C-Klasse mit stoischer Neutralität, Gelassenheit und Präzision überzeugt, bleibt der 156 ein klar definiertes Handling schuldig.

Auf welliger Piste wird die Vorderachse des Fronttrieblers stark entlastet, wodurch sich besonders mit hoher Zuladung ein schwammiges, kräftig untersteuerndes Fahrverhalten ergibt. Zugleich lässt die Traktion nach, ohne dass hier eine elektronische Schlupfregelung oder Differenzialsperre Einhalt geböte. Auch die ansonsten gute Handlichkeit des 156 wird von der stößigen Lenkung, dem labilen Geradeauslauf und dem großen Wendekreis gemindert.

Beim Bremsen gaben sich beide mit Optionsbereifung angetretenen Konkurrenten keine Blößen, obwohl die C-Klasse noch standhafter und besser dosierbar verzögerte.

Und wie sieht es mit der Umweltbilanz aus? Der Mercedes erfüllt immerhin die Euro 3-Abgasnorm. Der 156 JTD hingegen schafft nur Euro 2 und verbraucht sowohl nach EU-Norm als auch in der Praxis mehr Diesel als der C 220 CDI.

Bei Mercedes haben Fortschritt und Perfektion traditionsgemäß einen hohen Preis, doch weil die C-Klasse auf lange Sicht (Festkosten, Wiederverkauf) günstiger ist, kommt es, wie es kommen muss. Auch sein konkurrenzlos niedriger Kaufpreis verhilft dem Alfa nur zu einem Etappensieg, während der Musterschüler ganz unauffällig einen kräftigen Punktevorsprung anhäufen konnte.

Technische Daten
Mercedes C 220 CDIAlfa Romeo 156 2.4 JTD
Grundpreis29.696 €24.082 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4526 x 1728 x 1426 mm4430 x 1745 x 1415 mm
KofferraumvolumenVDA455 L378 L
Hubraum / Motor2148 cm³ / 4-Zylinder2387 cm³ / 5-Zylinder
Leistung105 kW / 143 PS (315 Nm)100 kW / 136 PS (304 Nm)
Höchstgeschwindigkeit220 km/h203 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h10,3 s
Verbrauch6,3 L/100 km6,7 L/100 km
Testverbrauch7,7 L/100 km7,9 L/100 km
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