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Kia Rio, Nissan Micra, Skoda Fabia, Suzuki Swift im Test

Kann der neue Rio in seiner Klasse mithalten?

Kia Rio, Nissan Micra, Skoda Fabia, Suzuki Swift Foto: Dino Eisele 40 Bilder

Günstige Preisgestaltung, gute Ausstattung und lange Garantiezeit kennt man bereits von Kia. Vom neuen Rio wird mehr erwartet: Er soll mit den Besten seiner Klasse mithalten. Im ersten Vergleichstest trifft er auf Micra, Fabia und Swift.

15.07.2017 Heinrich Lingner 1 Kommentar

Erst Pride, dann Rio: Die Geschichte der Kleinwagen-Baureihe von Kia ist kaum länger als jene des Euro. Die hervorragendste Eigenschaft des ersten Rio aus dem Jahr 2000 war es, der billigste Neuwagen auf dem US-Markt zu sein. Und nun, drei Generationen später, ist er bereit, es mit den Klassenkonkurrenten aus Europa und Japan aufzunehmen. Schauen wir mal. In diesem Vergleichstest trifft der Kia auf die ebenfalls noch ziemlich frischen Nissan Micra und Suzuki Swift sowie den bestens bekannten Skoda Fabia.

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Kia Rio, Nissan Micra, Skoda Fabia, Suzuki Swift
Kia Rio, Nissan Micra, Skoda Fabia, Suzuki Swift Kann der neue Rio in seiner Klasse mithalten?
auto motor und sport 14/2017
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Benziner mit 90 bis 100 PS sind in dieser Kategorie fast schon Standard, inzwischen meist als Downsizing-Dreizylinder mit Turbo wie bei Kia und Nissan, doch auch als Vierzylinder mit (Skoda) oder ohne Aufladung (Suzuki). Wobei im Falle des Fabia anzumerken ist, dass er hier mit dem 1.2 TSI antritt. Dieser Antrieb wird im Lauf des Modelljahres durch den Einliter-Dreizylinder mit 95 PS ersetzt (ab 17.530 Euro). Da das neue Triebwerk zum Testzeitpunkt noch nicht verfügbar war, darf hier noch mal der Vierzylinder ran.

Sparsamer Suzuki Swift

Das muss jedoch keineswegs ein Nachteil sein, wie der Swift beweist. Er wird hier sogar von einem Vierzylinder ohne Turboaufladung angetrieben, damit gehört man in Zeiten des Downsizing ja zu den Exoten. Natürlich ist dem 90 PS starken Suzuki-Motor seine scheinbar etwas antiquierte Technik anzumerken. So stemmt er ziemlich müde 120 Nm Drehmoment erst bei 4.400 Umdrehungen auf die Welle, wirkt subjektiv angestrengt und etwas polterig. Doch in Wahrheit zählt ja das, was am Ende rauskommt.

Suzuki Swift Foto: Dino Eisele
Der Suzuki Swift beeindruckt durch den geringsten Verbrauch im Testfeld. Doch in den anderen Disziplinen lässt er meist seinen Konkurrenten den Vortritt.

Und das sind beim Swift mit dem Dualjet-Vierzylinder akzeptable Fahrleistungen sowie – tata! – der niedrigste Benzinverbrauch im Test. Zugegeben, die Unterschiede sind nicht sonderlich groß, doch 0,4 bis 0,5 Liter im Alltagsbetrieb sind in dieser Klasse durchaus ein Argument. Bei einer jährlichen Fahrleistung von 10.000 Kilometern lassen sich so bei heutigen Treibstoffpreisen um die 70 Euro einsparen. Oder anders gerechnet 117 kg CO2, auch das kann ja wichtig sein.

Womit jedoch die Talente des Suzuki beinahe schon vollständig beschrieben wären. Trotz der kompletten Neukonstruktion auf anderer Plattform besitzt der Swift wenig herausragende Eigenschaften. Er ist sehr leicht, was ihm jedoch beim Handling kaum anzumerken ist. Richtungswechsel geht er unwillig an, und die seltsam taube Lenkung schmälert den Fahrspaß weiter. Auch in Sachen Raumangebot zählt er nicht zu den Top-Performern im Konkurrenzumfeld, obgleich er sich hier verbessert hat.

Bleiben Ausstattung und Preis, denn der Suzuki ist das billigste Auto in diesem Test. Mit dem Basismotor gibt es ihn bereits ab 13.790 Euro, die hier gezeigte Comfort-Variante steht für 15.740 Euro in der Preisliste. Als Extra kann eine Metallic-Lackierung dazu geordert werden, Radio und Klima sind Serie. Ein Navi etwa oder Spurassistenten gibt es allein in der teureren Comfort-Plus-Ausführung, die nur für den Dreizylinder-Turbo verfügbar ist. Das ist dann doch etwas wenig in diesem Konkurrenzumfeld.

Extrovertierter Micra

Dazu zählt der Nissan Micra bereits seit 1982. Sieben Millionen Exemplare wurden gebaut, die ersten davon hießen sogar noch Datsun. Seit diesem Jahr ist die fünfte Modellgeneration am Start, und die fällt auf den ersten Blick mit recht extrovertiertem Design auf. Vor allem die Heckpartie mit steil ansteigender Fensterlinie sowie schrägem Dachabschluss und skulpturalen Heckleuchten zeigt, dass hier die Form nicht immer der Funktion folgt.

Nissan Micra Foto: Dino Eisele
"Form follows function" - diesen Grundsatz hat Nissan allerdings genau anders herum angelegt. Durch seine optischen Besonderheiten ergeben sich leider funktionale Nachteile.

Kritteleien am Design gehören eigentlich nicht in einen Vergleichstest, doch das des Micra hat echte funktionale Nachteile – etwa die schlechte Übersichtlichkeit sowie der knappe Fond- und Kofferraum. Ansonsten gefällt das Interieur mit ordentlicher Qualität, guter Ausstattung und freundlichem Ambiente. Vor allem, wenn er, wie unser Testwagen, in der sehr umfangreichen N-Connecta-Ausstattung vorfährt. 16-Zoll-Aluräder, Navigationsgerät, schlüsselloser Motorstart sowie Lederlenkrad und Regensensor gehören dann bereits ab Werk dazu, da ist der Grundpreis von 18.590 Euro sehr fair kalkuliert.

Für Vortrieb sorgt dann ein 0,9- Liter-Dreizylinder von Renault, der hier einen durchwachsenen Eindruck hinterlässt. Er wirkt vergleichsweise schlapp, läuft rau und geräuschintensiv, verbraucht zudem den meisten Kraftstoff – wenngleich da die Unterschiede zum Fabia- und Rio-Triebwerk minimal sind. Das Fahrwerk tut sich ebenso schwer, es ist eher polterig-straff abgestimmt, ohne dass der Micra dadurch zum Handling-Talent würde. Das wird schon durch die mitteilungsarme und schwammig ansprechende Lenkung verhindert. So kann der Nissan sich nicht richtig positiv profilieren.

Solider Skoda

Irgendwie hatten wir uns daran gewöhnt, dass bei Vergleichstests im B-Segment der Fabia ganz oben auf dem Treppchen steht. Diesmal nicht. Und das nicht etwa, weil der Testwagen vieles schlechter macht oder mit einem Triebwerk kommt, das – wie bereits erwähnt – im Laufe des Modelljahres ersetzt wird.

Doch der Reihe nach: Der 90-PS-Vierzylinder entstammt der modularen Motorenfamilie EA 211, genauso wie der Dreizylinder mit 95 PS, der ihn demnächst ablöst. Er gefällt in diesem Test mit guten Manieren, geschmeidigem Lauf und zurückhaltender Geräuschentwicklung. Ein Sprinter ist er nicht, der Fabia zählt zu den müderen Kandidaten, nur der Nissan geht noch verhaltener zur Sache. Auch im Verbrauch zeigt der 1.2 TSI Durchschnittliches: Er ist auf Augenhöhe mit der Konkurrenz.

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Immer noch top ist er hingegen beim Fahrkomfort und Raumangebot. Zudem lässt er sich am einfachsten und intuitivsten bedienen und bietet das beste Qualitätsniveau. Ein paar kleine Schwächen erlaubt er sich bei der Sicherheitsausstattung, da verliert er einige Punkte auf Rio und Micra. Die fahren hier beispielsweise kamerabasierte Spur- und Notbremsassistenten auf. Da merkt man dem 2014 präsentierten Fabia die paar Jährchen schon an. Auch ein Sonderangebot ist er nicht. Rio und Micra sind zwar teurer, doch bieten sie erheblich mehr Ausstattung fürs Geld. Bisher hat es dennoch immer gereicht, diesmal nicht: Der Skoda kommt ein paar Punkte hinter dem Kia ins Ziel.

Harmonischer Kia

Nicht etwa, weil der neue Rio einzelne Glanzpunkte setzt. An ihm beeindruckt vielmehr das harmonische Gesamtpaket und vor allem die Zielstrebigkeit, mit der die Kia-Entwickler Schwachpunkte früherer Modelle abarbeiten. Unkomplizierte Bedienung und ein schlichtes, ordentlich verarbeitetes Interieur zählte jedoch schon bei der Vorgängergeneration zu den Stärken.Nicht so die Lenkung, die sich bis zuletzt eher unpräzise und rückmeldungsscheu zeigte.

Kia Rio Foto: Dino Eisele
Am Ende überzeugt der neue Rio und verdrängt den Platzhirsch Skoda Fabia vom Thron. Er ist ganzheitlich gesehen das stimmigste Auto im Test und hat sich in allen Bereichen verbessert.

Im aktuellen Rio gefällt sie dagegen mit direkter Ansprache und ordentlichem Feedback. Ähnliches gilt für den Federungskomfort. Der ist zwar nicht ganz auf Skoda-Niveau, vor allem im Ansprechverhalten gibt es noch Entwicklungspotenzial, doch auch hier ist der Abstand zu den Besten in dieser Klasse ziemlich zusammengeschrumpft. Da der Rio nun auch über recht bequeme, wenngleich etwas seitenhaltarme Sitze verfügt, landet er in der Komfortwertung nah am Fabia.

Zu diesem Test kommt der Kia mit dem neuen Dreizylinder-Turbo, 100 PS stark und mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe gekoppelt. Der neue Motor macht seine Sache sehr ordentlich, er bietet die besten Fahrleistungen und das souveränste Fahrgefühl. Beim Verbrauch liegt er auf dem Niveau der Konkurrenz, was auch daran liegen mag, dass der Rio etwas pummelig geraten ist – knapp über vier Meter lang und fast 50 kg schwerer als der Fabia. Die Konkurrenz packt er dennoch, dieser Kia, der heute zu Recht wieder Pride heißen könnte.

Fazit

1. Kia Rio 1.0 T-GDI
406 Punkte

Er gewinnt, weil er einfach das stimmigste Auto im Test ist, samt toller Ausstattung und langer Garantie.

2. Skoda Fabia 1.2 TSI
397 Punkte

Topqualität, viel Platz und gehobener Komfort reichen nicht: Der Skoda ist etwas in die Jahre gekommen.

3. Nissan Micra 0.9 IG-T
382 Punkte

Für ein komplett neues Auto etwas enttäuschend. Gut sind Sicherheitsausstattung und Connectivity.

4. Suzuki Swift 1.2 Dualjet
365 Punkte

Der Swift ist ein Extremist - klein, leicht und sparsam. Zum Testsieger taugt er so freilich weniger.

Technische Daten
Skoda Fabia 1.2 TSI StyleKia Rio 1.0 T-GDI SpiritNissan Micra 0.9 IG-T N-CONNECTAAudi S1 Sportback 2.0 TFSI Quattro
Grundpreis17.280 €18.790 €18.590 €31.300 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3992 x 1732 x 1467 mm4065 x 1725 x 1450 mm3999 x 1734 x 1455 mm3975 x 1746 x 1423 mm
KofferraumvolumenVDA330 bis 1150 l325 bis 980 l300 bis 1004 l210 bis 860 l
Hubraum / Motor1197 cm³ / 4-Zylinder998 cm³ / 3-Zylinder898 cm³ / 3-Zylinder1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung66 kW / 90 PS bei 4400 U/min74 kW / 100 PS bei 4500 U/min66 kW / 90 PS bei 5500 U/min170 kW / 231 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit182 km/h186 km/h175 km/h250 km/h
0-100 km/h11,6 s10,4 s12,3 s6,1 s
Verbrauch4,6 l/100 km4,5 l/100 km4,8 l/100 km7,1 l/100 km
Testverbrauch6,5 l/100 km6,5 l/100 km6,6 l/100 km
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    Neuester Kommentar

    Wo ist der Suzuki Swift in der Vergleichstabelle und was genau hat der Audi S1 Sportback 2.0 TFSI Quattro dort zu suchen?

    prati323 15. Juli 2017, 10:55 Uhr
    Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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